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Tiertransport: «Kuwaitisches Todesschiff» verpestet Luft vor Kapstadt

Kapstadt, Südafrika
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Am Hafen von Kapstadt hat ein Schiff angelegt, das nicht nur bei Tierschützer:innen für Unmut sorgt.Bild: Shutterstock

«Kuwaitisches Todesschiff» verpestet Luft vor Kapstadt: Tierschützer entsetzt

21.02.2024, 01:5021.02.2024, 14:56
Nathalie Trappe / watson.de
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Für die meisten Vegetarier:innen ist allein der Tierschutz ein wichtiges Argument für den Verzicht auf Fleischprodukte. Auf vielen Höfen in der EU werden Rinder und Schweine unter kläglichen Umständen gehalten, auch die Schlachtbedingungen werden vielerorts als mangelhaft kritisiert.

Noch schlimmer sieht die Situation für die Tiere allerdings aus, sobald diese dem Handel ausserhalb der EU ausgesetzt werden. Dass der Transport für die Schlachtung im Ausland eine ganze Reihe an Problemen mit sich bringt, zeigt aktuell ein viel diskutierter Schiffstransport auf dem Weg in den Nahen Osten.

Stinkender Tiertransport sorgt für Proteste in Kapstadt

Tierschützer:innen der südafrikanischen Organisation National Council of Societies for the Prevention of Cruelty to Animals (NSPCA) demonstrieren seit dem Wochenende im Hafen von Kapstadt. Hintergrund ist der Frachter Al Kuwait, der mit rund 19'000 Rindern beladen aus Brasilien anlegte. Die NSPCA nennt ihn das «Kuwaitische Todesschiff».

The 190-meter long (623 foot) Al Kuwait is a Kuwaiti-flagged livestock vessel seen docked with 19 000 cattle abroad in the harbour in Cape Town, South Africa, Tuesday, Feb. 20, 2024. Authorities had l ...
Das «Kuwaitische Todesschiff» hat vor Kapstadt angelegt.Bild: keystone

«Wir sind gegen den Export von Lebendvieh und glauben, dass diese unnötige Grausamkeit aufhören sollte», erklärte eine Demonstrantin der Gruppe gegenüber «20 Minuten». Fotos in südafrikanischen Medien zeigen Tiere, die von Schmutz bedeckt sind und in ihren eigenen Exkrementen liegen oder stehen.

Die Umstände hatten in Kapstadt für etliche Beschwerden von Anwohner:innen gesorgt, die einen vom Hafen kommenden Gestank meldeten. «Es war der schlimmste Gestank, den ich je in meinem Leben erlebt habe», zitierte die BBC eine Zeugin. Zunächst stand ein Fehler in der städtischen Abwasserreinigung im Verdacht.

Tierschützer kritisieren grauenhafte Bedingungen an Bord der Al Kuwait

Die NSPCA sah in den Berichten vor Ort einen klaren Hinweis «auf die schrecklichen Bedingungen» für die Tiere an Bord. Eine Sprecherin der Organisation unterstrich, dass diese dem entsprechenden Geruch bereits seit zwei Wochen ausgesetzt seien.

Das durch die Massen an Kot freigesetzte Ammoniak beeinträchtige auch die Atmung der Tiere. Medikamente und ausreichend Futter gibt es an Bord entsprechender Frachter häufig nicht.

Der Kapitän der Al Kuwait unterstrich indes, dass der Frachter auch während der Fahrt regelmässig gereinigt werde. Eine Überprüfung solcher Aussagen ist nur schwer möglich, vor allem da in den zuständigen Ländern kaum Bestimmungen für Tiertransporte existieren.

Seit Jahren warnen Tierschutzorganisationen vor den mangelhaften Bedingungen an Bord der Tierfrachter. Grund für die Lebendtransporte sind zumeist religiöse Bestimmungen für die Schlachtung. Die NSPCA hatte bereits mehrfach gegen die Besitzer der Al Kuwait geklagt.

Die Bürger:innen von Kapstadt zeigen sich zunächst erleichtert, dass der stinkende Frachter ihren Hafen bereits am Mittwoch wieder verlässt. Für die Tiere steht hingegen bis zum Zielhafen im Irak noch eine Weiterreise von 24 Tagen an. Auch die Bedingungen der anschliessenden Schlachtung dürften fraglich sein.

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113 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Glücklich
21.02.2024 05:31registriert August 2022
Es ist für mich unverständlich, mit welcher Gleichgültigkeit, Grausamkeit und Empathielosigkeit der Mensch lebt.

Er brüstet sich gerne als das besondere Wesen, welches sich durch Mitgefühl und bewusstes Handeln auszeichnet aber genau diese Eigenschaften machen sein Handeln noch viel schlimmer.

Je älter ich werde wird mir klar, dass der Mensch aus reinem Egoismus handelt. Er ‚scheisst‘ auf die Natur, auf die Tiere und zuletzt auch auf seinesgleichen.

Es ist einfach eine Schande …
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BG1984
21.02.2024 06:34registriert August 2021
Leider können wir aus der Schweiz nicht viel machen, aber zumindest sollten wir endlich den Import von Koscherem Fleisch und anderen Waren verbieten. Dieses religiöse Tierquälen muss ein Ende haben.
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Katerchen
21.02.2024 08:33registriert März 2023
Man will die Tiere Halal schlachten, deswegen muss der quälende Lebendtransport sein.
Traurige Sache Tieren so viel Schaden zuzufügen und das in Namen der Religion.
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