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Warum das Vogue-Cover mit Olena Selenska kritisiert wird

Olena Selenska posiert im Krieg – für die amerikanische «Vogue».
Olena Selenska posiert im Krieg – für die amerikanische «Vogue». bild: screenshot/twitter

«Teilweise behämmert» – das «Vogue»-Cover mit Selenska erntet Kritik

28.07.2022, 10:1328.07.2022, 13:46
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Ist das Cover der amerikanischen «Vogue» inspirierend oder unangebracht? Diese Frage stellt sich die Berliner Zeitung gestern. Und mit ihr die halbe Welt.

Auf der Titelseite des Modemagazins sitzt Olena Selenska, die Frau des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Die 44-Jährige ist dezent geschminkt, trägt flache Schuhe. Im Hintergrund, zwischen Marmorsäulen, klemmen Sandsäcke.

Auf den hinteren Seiten ist auch Selenskyj zu sehen. Mit eindringlichem Blick schaut das Paar in die Kamera. Abgelichtet wurden sie von der Starfotografin Annie Leibovitz.

Die ersten Reaktionen auf das «Vogue»-Shooting waren positiv. Doch nun häufen sich die kritischen Stimmen. «Glamour trifft Krieg – eine eigenartige Kombination», schreibt der österreichische Kurier. Die NZZ sinniert darüber, ob ein Modemagazin wie die «Vogue», obwohl sehr auflagenstark, wirklich Geschichten aus Kriegsgebieten drucken soll.

Der Tages-Anzeiger bezeichnet das Ergebnis des Shootings als «teilweise behämmert». Kritisiert wird nicht das Präsidentenpaar, sondern die Arbeit von Fotografin Annie Leibovitz. Sie ist bekannt für ihre Reportage-Fotografie in den Trümmern der bosnischen Hauptstadt Sarajevo. Die Kritik lautet: Die Fotografin hätte die Präsidentengattin Selenska auch auf einen Termin zu Eltern, die ihre Kinder im Krieg verloren haben, begleiten können. Stattdessen habe Leibovitz Glamour im Krieg «inszeniert».

In den sozialen Netzwerken bekommt neben Fotografin Leibovitz auch das Präsidentenpaar sein Fett weg. Auf Twitter schreibt eine Nutzerin: «Jeden Tag sterben zahllose ukrainische Soldaten und Selenskyj so: Lasst uns ein ‹Vogue›-Shooting machen.» Eine andere Stimme kritisiert den Glamour im Krieg: «Familien haben ihr Hab und Gut verloren und die ‹Vogue› glamourisiert den Krieg – unglaublich.»

Die «Vogue» war sich bewusst, dass es für das Shooting Kritik geben wird. «Es ist seltsam, in ein und demselben Gespräch über die ukrainische Vernichtung und ukrainische Mode zu sprechen», schreibt Autorin Rachel Donadio im Artikel zur Bildstrecke. Sie betont aber auch, dass diese «kognitive Dissonanz» die Realität der aktuellen Ukraine sei. Man könne in Kiew in einem Café Matcha trinken, während eine Stunde weiter in Butscha Massengräber ausgehoben würden. (ohe)

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76 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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stevemosi
28.07.2022 11:39registriert April 2014
"Diese Frage stellt sich die «Berliner Zeitung» gestern. Und mit ihr die halbe Welt."

Ja genau, die halbe Welt von Indien über Ghana bis Ecuador hat kein anderes Thema als dieses Coverfoto
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ch.vogel
28.07.2022 11:06registriert Mai 2014
Mir ist echt schleierhaft, wie man "Glamourisierung des Krieges" in die Bilder reininterpretieren kann... Weder an den Hintergrund-Motiven noch an den besorgten Gesichtsausdrücken ist etwas Glamouröses.

Ja, natürlich wurden die Fotos künstlerisch etwas aufgewertet ("Sandsäcke haben noch nie so toll ausgesehen!"), aber damit hat sichs.

An der Message ändert sich deswegen doch nichts. Es ist Krieg, die Leute leben in stetiger Angst, müssen sich verbarrikadieren und vieles wurde/wird sinnlos zerstört.
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olmabrotwurschtmitbürli #wurstkäseszenario
28.07.2022 11:09registriert Juni 2017
Ich kann damit nun nicht viel anfangen, aber die Kritik erscheint mir kleinlich.

Sie versucht, den Konflikt sichtbar zu machen, was der Ukraine dienen dürfte. Und dann tritt man eben in Medien auf. Und die machen irgendwas.

Auch die Ansprachen ihres Gatten enthalten gelegentlich nicht pure Weisheit. Und doch sind die meisten Leute der Ansicht, dass er seine Sache gut macht.
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