«Es ist schrecklich»: Ältere Menschen kämpfen in Kiew ums Überleben
Zitternd in ihrer Wohnung sagt die 91-jährige Lidia Telestchouk, dass sie seit 1942, als die ukrainische Hauptstadt unter Nazi-Besatzung stand, keinen so kalten und harten Winter in Kiew mehr erlebt hatte.
Im Januar hat Russland das ukrainische Energiesystem bombardiert, was in Kiew mitten im eisigen Winter zu Strom- und Heizungsausfällen in Hunderttausenden Haushalten führte: Die Temperaturen sanken auf bis zu -20 °C.
Improvisieren, um der Kälte zu trotzen
Diese Heizungsausfälle, die schlimmsten in Kiew seit Beginn der russischen Invasion im Februar 2022, sind für ältere Menschen wie Lidia Telestchouk besonders schmerzhaft und können tödlich enden. Sie erklärt:
Trotz der Bemühungen der Stadtverwaltung von Kiew, die Schäden zu beheben, sind Tausende von Menschen seit mehreren Wochen fast ohne Heizung. Telestchouk hat immer noch keinen Strom, keine Heizung und kein warmes Wasser.
Aber sie hat noch Gas. Die Situation zwingt die Einwohnerinnen und Einwohner dazu, zu improvisieren, um sich zu wärmen. Auf ihrem Gasherd erhitzt Telestchouk Wasser, mit dem sie sich wäscht oder es in Plastikflaschen füllt, die sie zu kleinen tragbaren Wärmequellen umfunktioniert hat. In ihrer Wohnung schwankt die Temperatur zwischen 8 und 11 °C. Sie beklagt sich:
Ein Hoffnungsschimmer für Senioren
An diesem Tag besuchen Mitarbeiter der Wohltätigkeitsorganisation Starenki («Die Ältesten» auf Ukrainisch) Lidia Telestchouk und versorgen sie mit Lebensmitteln und Artikeln des täglichen Bedarfs.
Alina Diatchenko, Programmleiterin dieser NGO, hat ein besonderes Geschenk mitgebracht: eine batteriebetriebene Lichterkette, die Telestchouk beim Anblick zum Strahlen bringt. Alina Diatchenko betont:
In einer anderen Wohnung in Kiew lebt die 89-jährige Evguénia Iaromina, etwas schwerhörig, aber freut sich über Besuch. Sie führt sie in ihre Küche, um zu zeigen, wie sie sich die Hände über den Flammen ihres Gasherds wärmt. Auch sie hat noch Gas, aber keine Heizung. Sie erklärt, während sie langsam ihre Fäuste öffnet:
In Kiew hatten am Dienstag mehr als 900 Wohngebäude keine Heizung, teilte Präsident Wolodymyr Selenskyj mit. Im Laufe des Monats waren bis zu 6000 Gebäude, also die Hälfte der Stadt, aufgrund der Bombardierungen ohne Heizung. Iaromina berichtet:
Die Angst vor Bombenangriffen
Iaromina hebt den Saum ihres Mantels und zeigt die vielen Schichten Kleidung, die sie angezogen hat, um sich warmzuhalten.
Ein paar Strassen weiter, in ihrer Wohnung im 6. Stock (ohne Aufzug, da es keinen Strom mehr gibt), hat die 88-jährige Esfir Roudminska die gleiche Taktik gewählt. Mit einem Seidenschal bedeckt, äussert sie sich:
Sie sitzt auf ihrem Bett, umgeben von Erinnerungsstücken aus ihrem Leben (Fotos, Bücher und kleine Bilder), nur eine Leselampe brennt.
Unter ihren Decken hat Roudminska ebenfalls improvisierte Wärmflaschen und Akkus für ihr Mobiltelefon versteckt, auf dem sie Kreuzworträtsel spielt. Die seit fast vier Jahren andauernden Bombardierungen auf Kiew zehren mental an ihren Kräften. Während sie eine ihrer provisorischen Wärmflaschen an sich drückt, sagt sie:
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