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International
Ukraine

Sehen wir hier Putins «Atomzug»? Das sagen Experten

Video: twitter

Sehen wir hier Putins «Atomzug»? Das sagen Experten

Ein Video aus Russland soll gemäss britischer Medien einen «nuklearen Konvoi» zeigen. Experten zeigen sich jedoch skeptisch.
04.10.2022, 19:0605.10.2022, 14:40
Corsin Manser
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Wladimir Putin steht unter Druck. Seine Armee verliert in der Ukraine eine Ortschaft nach der anderen. Die Teil-Mobilmachung hat das Kräfteverhältnis nicht zugunsten der Russen verschoben. Im Gegenteil. Im Internet machen Videos von betrunkenen russischen Soldaten die Runde, die in schlecht ausgerüsteten Rekrutierungszentren oder auf dem offenen Feld übernachten müssen. Die Kritik innerhalb Russlands an der militärischen Führung wird immer lauter.

Putin reagierte vergangene Woche, indem er Schein-Referenden in der Ukraine durchführen liess und die Annexion mehrerer Gebiete verkündete. Er drohte damit, dass er diese Regionen notfalls auch mit Atomwaffen verteidigen würde. Der russische Präsident sagte kürzlich: «Wenn die territoriale Integrität unseres Landes bedroht ist, werden wir natürlich alle uns zur Verfügung stehenden Mittel einsetzen, um Russland und unser Volk zu verteidigen. Dies ist kein Bluff.»

Seit Sonntag kursiert nun ein Video in den sozialen Medien, das die Angst vor einem Atomschlag zusätzlich geschürt hat.

Video: twitter

Zu sehen ist ein Zug, der gemäss des polnischen Analysten Konrad Musyka zum 12. Hauptdirektorat des russischen Verteidigungsministeriums gehört. Dieses sei verantwortlich «für Nuklearmunition, deren Lagerung, Wartung, Transport und Ausgabe an Einheiten». Die britische Zeitung «The Times» titelte in der Folge, dass Putin einen «nuklearen Militär-Zug» an die Front beordert habe.

Das Video sei vom pro-russischen Telegram-Kanal Rybar veröffentlicht worden, schreibt «The Times». Daten-Analysten konnten den genauen Aufnahmeort des Videos bestimmen. Er liegt etwa 50 Kilometer nordöstlich von Moskau.

So schätzen Experten die Lage ein

Wie ist die Meldung des «Atom-Zugs» einzuordnen? Wird ein nuklearer Erstschlag von Putin also immer wahrscheinlicher? Auf die leichte Schulter sollte man die Drohungen des russischen Präsidenten nicht nehmen, sagte der CIA-Direktor William Burns vergangene Woche gegenüber CBS News. «Wir müssen das sehr ernst nehmen und Ausschau nach Zeichen für Vorbereitungen halten.»

Gleichzeitig betonte er aber:

«Die US-Geheimdienste sehen heute keine konkreten Anzeichen dafür, dass er sich einem tatsächlichen Einsatz nähert, dass eine unmittelbare Bedrohung durch den Einsatz taktischer Atomwaffen besteht.»

Auch der polnische Analyst Musyka geht nicht davon aus, dass das Video tatsächliche Vorbereitungen für einen atomaren Schlag zeigt. Andere Szenarien seien wahrscheinlicher. «Es könnte eine Form des Signals an den Westen sein, dass Moskau eskaliert», so Musyka. Zudem würden die strategisch-ballistischen Truppen Russlands oft zum Ende eines Jahres gross angelegte Übungen durchführen. Ungewöhnlich seien Verschiebungen dieser Einheiten nicht.

Auch der deutsche Waffensachverständige Lars Winkelsdorf rät, erst einmal einen kühlen Kopf zu bewahren. Die Wahrscheinlichkeit, dass Putin eine Kernwaffe einsetze, sei nach wie vor sehr klein.

Winkelsdorf beschreibt, was passieren würde, wenn Russland auf ukrainischem Gebiet eine taktische Kernwaffe zünden würde. Dann würde es einen Feuerball von 180 Metern geben. Die ukrainischen Truppen in der Nähe würden den Vorfall nicht überleben. Auch in 4,5 Kilometern Entfernung wäre die Explosion noch spürbar und «die Fenster fliegen raus».

In Deutschland würde wegen des Einsatzes einer taktischen Kernwaffe aber «niemand aus dem Bett fliegen». Die Auswirkungen seien «regional extrem begrenzt». Man solle sich «nicht verrückt machen lassen», so Winkelsdorf.

Auch Rüstungsexperte Jeffrey Lewis relativiert die Berichte von «The Times». Er sei nicht überzeugt, dass es sich im Video um einen «Konvoi mit nuklearen Waffen» handle.

Er sehe nur gepanzerte Fahrzeuge, die normalerweise mit dem 12. Hauptdirektorat des russischen Verteidigungsministeriums in Verbindung gebracht würden. Nukleare Waffen seien im Video keine zu sehen, diese würde Russland im Normalfall auch in ganz anderen Waggons transportieren.

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33 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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kleine_lesebrille
04.10.2022 20:00registriert Mai 2022
Die NATO verfolgt die Geschehnisse sehr genau; aber nicht den Quatsch der in russischen (sozialen) Medien herumgereicht wird, sondern das, was militärisch an der Front und innerhalb Russlands effektiv vor sich geht.

Es ist gut, dass die NATO zur Zeit sehr zurückhaltend kommuniziert. Es braucht keine NATO, welche in der aktuell angespannten Lage noch Öl ins Feuer gießt.
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mMn
04.10.2022 20:10registriert September 2020
Das Video sei vom pro-russischen Telegram-Kanal Rybar veröffentlicht worden, schreibt «The Times».

Somit ist klar, dass es Russlands Absicht ist, dass wir deswegen Angst haben. Etwas anderes macht null Sinn.
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dmark
04.10.2022 19:23registriert Juli 2016
Ein Zitat aus einem Bericht von T-Online...

>>Hinweise auf mögliche Schritte lieferte nun der ehemalige Chef des Geheimdienstes CIA, David Petraeus. "Wir würden reagieren, indem wir eine gemeinsame Anstrengung der Nato anführen, die jede russische konventionelle Streitkraft, die wir auf dem Schlachtfeld in der Ukraine und auch auf der Krim sehen und identifizieren können, und jedes Schiff im Schwarzen Meer ausschalten würde", sagte er in einem Interview mit dem US-amerikanischen Fernsehsender ABC<<

Soll heissen, es wird sehr heftig rumsen und die russ. Reserve braucht nicht mehr einrücken.
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Der nächste russische Angriff ist wohl nur noch eine Frage der Zeit
Neue Satellitenaufnahmen legen nahe, dass Russland das nächste grossflächige Bombardement auf die Ukraine plant. Worauf muss sich Kiew nun einstellen?

Das britische Verteidigungsministerium wurde deutlich: «Russlands Angriffe verursachen weiterhin Stromausfälle, die zu wahllosem, weitverbreitetem humanitärem Leid in der Ukraine führen», teilte das Ministerium am Donnerstagmorgen in seinem täglichen Ukraine-Briefing mit. Mehr noch: Die Angriffe auf die kritische Infrastruktur seien mittlerweile ein elementarer Teil der russischen Militärstrategie im Kampf gegen die Ukraine. Ziel sei es, mit dem Einsatz von Langstreckenraketen die Energieversorgung zu treffen, «um die Bevölkerung zu demoralisieren und die Staatsführung letztlich zur Kapitulation zu zwingen.»

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