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Democratic presidential candidate South Bend, Ind., Mayor Pete Buttigieg speaks during a town hall meeting, Monday, Nov. 25, 2019, in Creston, Iowa. (AP Photo/Charlie Neibergall)
Pete Buttigieg

Pete Buttigieg liegt in Iowa vorne, doch er hat zwei gravierende Handicaps. Bild: AP

Das endlose Dilemma der Demokraten: Wer kann gegen Trump gewinnen?

Diese Woche findet (vermutlich) die letzte Fernsehdebatte der Demokraten in diesem Jahr statt. Zwei vermeintliche Topshots haben das Handtuch geworfen. Nach wie vor ist unklar, wer Donald Trump besiegen könnte.



Für die US-Demokraten hat eine wichtige Woche begonnen. Sie werden mit ihrer Mehrheit im Repräsentantenhaus das Impeachment von Präsident Donald Trump wegen Amtsmissbrauch und Behinderung des Kongresses beschliessen. Und am Donnerstag findet in Los Angeles die letzte TV-Debatte ihrer Kandidatinnen und Kandidaten für die Präsidentschaft in diesem Jahr statt.

Die Aussichten sind in beiden Fällen nicht erbaulich. Die Republikaner im Senat lassen nicht die geringste Bereitschaft erkennen, ihren Präsidenten des Amtes zu entheben. Und ob die Debatte an der Loyola Marymount University durchgeführt werden kann, ist offen. Die Kandidierenden, die sich qualifiziert haben, drohen wegen eines Arbeitskampfs bei der Catering-Firma mit Boykott.

Das einst stattliche Bewerberfeld der Demokraten ist geschrumpft. Nur sieben Frauen und Männer haben die Kriterien für eine Teilnahme erfüllt: Joe Biden, Elizabeth Warren, Bernie Sanders und Pete Buttigieg, die sich in den Umfragen ein wenig abgesetzt haben, sowie Amy Klobuchar, Tom Steyer und Andrew Yang. Der Tech-Unternehmer ist der einzige Angehörige einer Minderheit.

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

Fixierung auf «Wählbarkeit»

Dies sorgt für Stirnrunzeln in einer Partei, die sich als Abbild eines immer vielfältigeren Landes versteht. Der schwarze Senator Cory Booker aus New Jersey, der in den Umfragen schwach abschneidet, hat mit acht weiteren Bewerberinnen und Bewerbern bei der Parteileitung protestiert. Sie fordern tiefere Zulassungshürden für die nächsten Debatten im Januar und Februar 2020.

Der frühere Wohnbauminister Julian Castro, der ebenfalls um den Verbleib im Rennen kämpft, unterstützt die Forderung nicht. Doch auch er ist unzufrieden. Auf Twitter beklagte er sich über die Fixierung der Medien auf die «Wählbarkeit». Sie übergehe Frauen und «candidates of color» – getreu der Devise, dass nur ein weisser Mann Trump schlagen könne.

Das Unbehagen über die Zusammensetzung des Bewerberfelds beschränkt sich nicht auf Schwarze und Latinos. Verstärkt wird es durch die Tatsache, dass zwei einst hoch gehandelte Namen sich aus dem Rennen genommen haben: der ehemalige Kongressabgeordnete Robert «Beto» O'Rourke aus Texas und Senatorin Kamala Harris aus Kalifornien.

Democratic presidential candidate Beto O'Rourke speaks to supporters before the Iowa Democratic Party's Liberty and Justice Celebration, Friday, Nov. 1, 2019, in Des Moines, Iowa. O'Rourke told his supporters that he was ending his presidential campaign. (AP Photo/Charlie Neibergall)
Beto O?Rourke

Beto O'Rourke galt als neuer Obama. Doch seine Kampagne kam nie in die Gänge. Bild: AP

O'Rourke hatte letztes Jahr den ultrarechten Senator Ted Cruz an den Rand einer Niederlage gebracht und galt seither als Hoffnungsträger. Harris schien als Frau mit jamaikanisch-indischer Abstammung und ihrem Leistungsausweis als Justizministerin in Kalifornien bestens geeignet, Donald Trump herauszufordern. Doch beide kamen im Wahlkampf nie richtig auf Touren.

Zweifel an Biden

Nun stellt sich mehr denn je die Frage, wer es richten soll. Auf nationaler Ebene liegt weiterhin Joe Biden in Führung. Doch die Zweifel, ob der 77-jährige Ex-Vizepräsident das Stehvermögen für die Kandidatur hat, wollen nicht verstummen. Seine bisherigen Auftritte in den Debatten verliefen gelinde gesagt durchzogen, und die Ukraine-Affäre wirft auch einen Schatten auf seine Person.

Der 78-jährige Bernie Sanders scheint sich gut von seinem Herzinfarkt erholt zu haben, doch in den Umfragen schafft er es nicht, über seine enthusiastische Anhängerschaft hinaus zu punkten. Und der Höhenflug von Elizabeth Warren ist abgeflaut. Ihr Konzept einer staatlichen Einheits-Krankenkasse stösst bei vielen Amerikanern, die mit ihrer privaten Versicherung zufrieden sind, auf Ablehnung.

Nummer eins in den Umfragen

Vom schwächelnden Spitzentrio profitiert Pete Buttigieg. Der erst 37-jährige Bürgermeister von South Bend (Indiana) hat schon in der frühen Phase des Wahlkampfs mit Charisma und Eloquenz gepunktet. Er erinnerte viele an Barack Obama. Nun gelingt es ihm zunehmend, sich als Alternative zu Joe Biden bei moderaten Wählerinnen und Wählern zu positionieren.

In Iowa und New Hampshire, wo im Februar die ersten Vorwahlen stattfinden, liegt Buttigieg in den Umfragen an der Spitze. Und bei den Demokraten gilt die Devise: Wer in Iowa gewinnt, hat die Nomination (fast) in der Tasche. Barack Obama schaffte dies 2008, Hillary Clinton vor vier Jahren. Allerdings sind Iowa und New Hampshire Bundesstaaten mit überwiegend weisser Bevölkerung.

Als Millennial «verkleideter» Boomer?

In Nevada (viele Latinos) und South Carolina (viele Afroamerikaner), wo anschliessend gewählt wird, liegt Buttigieg abgeschlagen auf Platz 4. Darin zeigt sich sein grösstes Problem: Er schafft es trotz viel Aufwand nicht, Angehörige von Minderheiten zu überzeugen. Vor allem Schwarze haben Vorbehalte, wegen seiner Homosexualität oder wegen Fällen von Polizeibrutalität in South Bend.

Kritisch beäugt wird auch Buttigiegs dreijährige Tätigkeit für den als «Jobkiller» verschrienen Unternehmensberater McKinsey. Und ausgerechnet bei jungen Progressiven stösst der jüngste Kandidat auf teils vehemente Ablehnung. Für sie ist Buttigieg wegen seiner moderaten Positionen «ein Boomer in den Kleidern eines Millennials», so die feministische Website Jezebel.

Zwei altbekannte Neue

Ein klarer Favorit oder eine Favoritin zeichnet sich weiterhin nicht ab. Deshalb sind zwei neue Kandidaten aufgetaucht, die allerdings altbekannt sind: Deval Patrick, der erste schwarze Gouverneur von Massachusetts, sowie der frühere New Yorker Bürgermeister und Milliardär Michael Bloomberg. Er hat bereits Millionen in eine umfassende Werbekampagne investiert.

Mike Bloomberg speaks to the media, Tuesday, Nov. 26, 2019 in Phoenix. Bloomberg, a late entrant in the already crowded race for the Democratic presidential nomination, was set Tuesday to file to run in Arizona's presidential primary. (AP Photo/Rick Scuteri)

Michael Bloomberg hat sich spät ins Rennen eingeschaltet. Bild: AP

Für die Dezember-Debatte hat es beiden nicht gereicht, und vor allem Bloomberg stösst auf Vorbehalte. Vielleicht eröffnet sich eine Chance für Amy Klobuchar (die Favoritin von Kollege Löpfe) oder Andrew Yang, den Querdenker im Bewerberfeld. Andere Namen wie Michelle Obama beflügeln die Fantasien vieler Demokraten, doch eine Kandidatur lehnt die frühere First Lady kategorisch ab.

Vielleicht kommt Bewegung in die Sache, wenn das unsäglich lange Vorgeplänkel zu Ende geht und das Vorwahlprozedere am 3. Februar in Iowa beginnt. Vielleicht bleibt den Demokraten nur die Hoffnung, dass eine Mehrheit der Amerikaner den Typen im Weissen Haus loswerden will – egal wer gegen ihn antreten wird.

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US-Demokraten messen sich in dritter Debatten-Runde

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