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Video: watson/Emily Engkent

6 Gründe, warum die Waffengegner in den USA jetzt gewinnen könnten

Hunderttausende vorwiegend junge Menschen haben in den USA gegen Waffengewalt demonstriert. Einige denkwürdige Momente – und Gründe, warum der Protest nicht verpuffen wird.



Nach Amokläufen mit Schusswaffen fand in den USA stets in etwa das gleiche Ritual statt. Anfangs war die Betroffenheit gross, wobei sich die Republikaner auf «Gedanken und Gebete» für die Opfer beschränkten. Nach einer «Schonfrist» meldete sich die mächtige Waffenlobby und verhinderte jede noch so kleine Verschärfung der Gesetze. Und die Menschen wandten sich apathisch ab.

Das Schulmassaker in Parkland (Florida), bei dem 14 Jugendliche und drei Erwachsene am 14. Februar von einem Ex-Schüler erschossen wurden, war vielleicht die eine Bluttat zu viel. Erstmals hat sich eine breite Protestbewegung gebildet. Ihr vorläufiger Höhepunkt war der «March for Our Lives», der am Samstag in zahlreichen Städten in den USA und weltweit stattfand.

Massendemo gegen Waffengewalt

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Massendemo «March for Our Lives» gegen Waffengewalt
quelle: epa/epa / jim lo scalzo
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Zur Hauptkundgebung in Washington erschienen Hunderttausende vorab jugendliche Demonstranten. Immer mehr junge Amerikaner haben es satt, wegen der laxen Waffengesetze in permanenter Furcht leben zu müssen. Die National Rifle Association (NRA) behauptete, «Schusswaffen hassende Milliardäre und Hollywood-Eliten» hätten die Kinder manipuliert und instrumentalisiert.

Gemeint waren unter der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg oder die Ehepaare Clooney und Spielberg, die je 500'000 Dollar für den «Marsch für unsere Leben» gespendet hatten. Einiges spricht jedoch dafür, dass diese Bewegung nicht einfach verschwinden wird, sondern die politische Kultur in den USA beeinflussen könnte. Ein Rück- und Ausblick:

Das dröhnende Schweigen

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Video: YouTube/CNN

Emma Gonzalez hat das Massaker an der Marjorie Stoneman Douglas High School in Parkland überlebt. An einer Kundgebung wenige Tage danach hatte die 18-Jährige bereits mit einer Wutrede gegen US-Präsident Donald Trump Aufsehen erregt. Am Samstag war sie in Washington für den emotionalen Höhepunkt besorgt, indem sie während ihres Auftritts minutenlang schwieg. Nach 6 Minuten und 20 Sekunden sprach sie wieder – so lange hatte der Amoklauf gedauert.

Mit ihrer Kürzesthaar-Frisur und als Bisexuelle ist Gonzalez ein perfektes Feindbild für Rechtsradikale. Sie versuchten, die Schülerin mit einer plumpen Fake-Animation zu diskreditieren. Weil sie eine Kuba-Flagge am Ärmel ihrer Jacke trug, wurde Emma Gonzalez zudem als «Kommunistin» verunglimpft. Dabei erinnerte sie damit nur an ihre Herkunft. Ihr Vater war aus Kuba in die USA ausgewandert.

Der kneifende Präsident

Nach dem Massaker in Florida versuchte Donald Trump, so etwas wie Mitgefühl zu zeigen. Am «March for Our Lives» blieb er stumm, auch auf Twitter. Das Weisse Haus teilte einzig mit, man applaudiere «den vielen mutigen jungen Amerikanern», die ihr Recht auf freie Meinungsäusserung ausübten. Der Schutz der Kinder sei «eine Top-Priorität des Präsidenten».

Trump selbst verbrachte den Samstag in Florida – allerdings nicht am Tatort, sondern beim Golfen. Auf der Rückfahrt in seine Residenz Mar-a-Lago in Palm Beach nahm seine Autokolonne einen Umweg. An der üblichen Route standen sich zahlreiche Menschen, die für schärfere Waffengesetze demonstrierten. Ihnen wollte der Präsident offensichtlich aus dem Weg gehen.

Am «March for Life» der Abtreibungsgegner am 19. Januar hatte Trump weniger Hemmungen. Als erster amtierender US-Präsident nahm er persönlich teil und hielt eine Rede. Womit er einmal mehr bekräftigte, dass Amerikas Konservativen der Schutz des ungeborenen Lebens mehr bedeutet als der Schutz des geborenen Lebens, und seien es Schulkinder.

Das ist zum K...n!

Für einen Höhepunkt der besonderen Art an der Kundgebung in Washington sorgte Samantha «Sam» Fuentes. Sie ist eine Parkland-Überlebende im wahrsten Sinne des Wortes, denn sie wurde an beiden Beinen von Kugeln getroffen und von einem Splitter am Auge verletzt. Während ihrer Ansprache musste sie plötzlich innehalten und hinter dem Rednerpult ihrem Brechreiz nachgeben.

Fuentes reagierte schlagfertig auf den Aussetzer: «Ich habe mich gerade am internationalen Fernsehen übergeben, und es fühlt sich toll an», rief sie unter dem Jubel des Publikums ins Mikrophon. Nach dem Massaker hatte sie einen Anruf von Donald Trump erhalten. «Ich war noch nie so unbeeindruckt von einer Person», kommentierte sie das Gespräch in der «New York Times».

Das Statement der Promis

Zahlreiche Prominente haben sich mit dem Protest solidarisiert. Zwei ragten dabei heraus. Ariana Grande gehörte neben Miley Cyrus, Rapper Common und anderen zu jenen Stars, die die Demo in Washington mit einer Gesangseinlage «veredelten». Im Mai letzten Jahres hatte Grande selbst erlebt, was brutale Gewalt anrichten kann. Am Rande eines Konzerts in Manchester sprengte sich ein islamistischer Attentäter in die Luft. 23 Menschen starben, darunter auch Kinder.

Bild

Megastar Taylor Swift trat nicht persönlich auf, doch sie unterstützte die Kampagne mit einem Statement auf Instagram. Das ist eine mittlere Sensation, denn bislang hat sich Swift aus Rücksicht auf ihre Fans jeglicher politischer Stellungnahme verweigert. Dafür wurde sie mehrfach heftig kritisiert, denn weisse Rassisten verehren die Sängerin als eine Art «arische Gottheit».

Die Enkelin der Ikone

Für den vielleicht anrührendsten Auftritt in Washington sorgte die neunjährige Yolanda King. Sie ist die Enkeltochter des Bürgerrechtlers Martin Luther King, der am 4. April 1968, also vor ziemlich genau 50 Jahren, einem Attentat zum Opfer fiel. In ihrem Statement liess Yolanda King dessen Washingtoner Rede von 1963 aufleben: «Ich habe einen Traum ... eine Welt ohne Waffen

Das Suburb-Problem

Werden die Anti-Waffen-Proteste sich auf die Kongresswahlen im Herbst auswirken? Das scheint durchaus möglich. An den Kundgebungen vom Samstag im ganzen Land wurden die jungen Leute wiederholt aufgefordert, sich registrieren zu lassen und an der Wahl teilzunehmen. Tausende füllten laut dem Fernsehsender NBC an Ort und Stelle ein entsprechendes Formular aus.

«Die Waffenlobby hat Ihre Eier in einer Geldscheinklammer»

Video: watson

Die «New York Times» schreibt, dass die Republikaner sich beim Thema Waffen erstmals seit Jahrzehnten «in der Defensive befinden». Ihre Besorgnis richtet sich vor allem auf Wahlkreise in den Suburbs, den Vororten der grossen Städte. Dort ist die Wut über die Waffengewalt besonders gross. Die Demokraten könnten deshalb die Mehrheit im Repräsentantenhaus erobern.

«Der Enthusiasmus der Demokraten ist schon jetzt sehr gross, und die Waffenthematik verstärkt ihn noch», sagte Jim Hobart, ein Meinungsforscher der Republikaner, der «New York Times». Die Märsche seien ein Indiz für einen Generationenwandel, mit dem die Republikaner zu kämpfen hätten.

Und die Jungen wollen nicht locker lassen: Am 20. April, dem 19. Jahrestag des Massakers an der Columbine High School in Colorado, sind weitere Protestaktionen an Schulen geplant.

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