International
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bild

Szene aus dem Dokumentarfilm «Kings of Kallstadt» über die deutsche Heimatstadt von Donald Trumps Vorfahren.
screenshot: youtube/Mario Conte

Das war Donald noch peinlicher als seine Frisur: Die Trumps kommen aus Deutschland



Donald Trump ist viele Dinge: Kandidat für die republikanische Präsidentschafts-Nomination, Immobilien-Mogul, Reality-TV-Entertainer. Vor allem aber ist er eine sehr erfolgreiche Marke – da hilft ein Name wie Trump. Kurz, knackig und zu deutsch «Trumpf». Was viele nicht wissen: «Trump» ist ein deutscher Name und aus Deutschland stammen auch seine Vorfahren. Genauer gesagt aus dem pfälzischen Kallstadt. Es gab eine Zeit, da versuchte «The Donald» das zu verheimlichen. Und das kam so:

Die Trumps

Bild

Friedrich Trump (1869-1918) und Frederick «Fred» Trump (1905-1999), Grossvater und Vater von Donald Trump.
bild: pd

1885 wanderte ein gewisser Friedrich Trump aus Kallstadt in die USA aus, vermutlich um dem Wehrdienst zu entgehen. Zunächst arbeitete der 16-Jährige als Friseur in New York, später eröffnete er ein Restaurant in einer Bergbaustadt im äussersten Nordwesten der USA, wo er den Arbeitern währschaftes Essen, hochprozentigen Alkohol sowie Prostituierte anbot. Mit seinen Ersparnissen reiste er nach Deutschland, heiratete die Nachbarstochter Elisabeth Christ und kehrte mit ihr in die USA zurück. Doch seine Frau litt unter Heimweh, weshalb das Paar erneut nach Deutschland umzog. Weil Trump inzwischen Amerikaner war und keinen Militärdienst in Deutschland geleistet hatte, wurde ihm die Einreise verweigert. So siedelten sie endgültig nach New York um. 1905 kam dort Frederick «Fred» zur Welt, Donald Trumps Vater.

«Er hatte viele jüdische Mieter und es war damals nicht gut, Deutscher zu sein.»

Vielleicht abgesehen von der Zuhälterei gibt es in Friedrich Trumps Biografie nichts, wofür man sich schämen müsste. 1923 starb er und hinterliess seiner Frau und seinem Sohn eine beachtliche Summe Geld, womit diese die Immobilienfirma E. Trump & Son gründeten. Dann brachen für die deutschen Einwanderer schwere Zeiten an. Die beiden Weltkriege führten zu einem ausgesprochen deutschfeindlichen Klima. Deutsche Bücher wurden verbrannt, Sauerkraut wurde in «Liberty Cabbage» und Frankfurter in «Hot Dogs» umbenannt.

Aus Kallstadt wurde Karlstad

Frederick Trump merkte schnell, dass seine deutschen Wurzen schlecht fürs Geschäft waren: «Er hatte viele jüdische Mieter und es war damals nicht gut, Deutscher zu sein», sagte sein Neffe und Familienhistoriker John Walter einmal gegenüber der «New York Times». Er behalf sich mit einer Lüge: Fortan behauptete er, seine Eltern seien aus Schweden, genauer aus Karlstad, das wie Kallstadt klang. Seine Mutter allerdings sprach immer noch mit einem typisch deutschen Akzent und bei Familienzusammenkünften buk sie weiter pfälzischen Apfelkuchen.

1946 kam Donald Trump zur Welt. Er pflegte ein sehr enges Verhältnis zu seinem Vater, der ihn in die Geschäftswelt einführte. Dabei muss auch der junge Donald die Deutschland-Lüge verinnerlicht haben, denn noch vierzig Jahre später schrieb er in seinem Bestseller «The Art of the Deal»:

«Fred Trump wurde 1905 in New Jersey geboren. Sein Vater, der als Kind aus Schweden hierhergekommen war, besass ein recht gut laufendes Restaurant, lebte und trank aber auch ausschweifend und starb, als mein Vater elf war.»

Donald Trump
quelle: the art of the deal (1987)

In einem Interview mit dem Magazin «Vanity Fair» auf diese Passage angesprochen, kam Trump 1990 ins Schlittern:

«Mein Vater war kein Deutscher; die Eltern meines Vaters waren Deutsche...Schweden und eigentlich von überall in Europa.»

Donald Trump
quelle: interview «vanity fair» (1990)

Heute «liebt» Trump Kallstadt

Auch wenn es heute keinen Grund mehr gibt, seine deutsche Abstammung zu verheimlichen, ist Trump immer noch vorsichtig. Als ihn die Kallstädter Filmemacherin Simone Wedel vor ein paar Jahren in New York besuchte und von ihrem geplanten Dokumentarfilm «Kings of Kallstadt» erzählte (auch Johann Heinrich Heinz, dessen Sohn den Grundstein für das Ketchup-Imperium legte, stammt aus dem Städtchen) war der Milliardär zunächst sehr zurückhaltend. Erst im weiteren Verlauf des Treffens taute er auf und wurde sehr nachdenklich, als Wendel ihm Fotos vom bescheidenen Elternhaus seines Grossvaters in Kallstadt zeigte.

Kallstadt, Rheinland-Pfalz, Deutschland

Von seinem Cousin und Familienhistoriker John Walter erfuhr Trump anlässlich dieses Treffens, dass der Grossvater eigentlich zurück nach Deutschland gehen wollte, aber aufgrund der Wehrdienstverweigerung nicht mehr durfte. Darin liegt eine gewisse Brisanz: «Der hat nicht nur die Staatsbürgerschaft aufgegeben, er hat sich weggeschlichen», sagt Roland Paul, Direktor des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde, gegenüber der «Nordwest-Zeitung». Das mache Donald Trump, der Barack Obamas US-Staatsbürgerschaft anzweifelt, zum Enkel eines «illegalen Auswanderers».

In Trump steckt mehr Kallstadt, als ihm vielleicht bewusst ist. Seine Bewohner werden im pfälzischen Dialekt «Brulljesmacher», oder Prahler, genannt. So oder so scheint Donald Trump seinen Frieden mit seinen deutschen Wurzeln gemacht zu haben. In Wendels Dokumentarfilm erklärt er:

«Mein Grossvater, Friedrich Trump, kam 1885 in die Vereinigten Staaten und folgte dem Goldrausch. Er hatte unglaublichen Erfolg. Er liebte dieses Land. Aber wisst ihr was? Ich liebe auch Kallstadt.»

Donald Trump
quelle: «Kings of Kallstadt»

Trailer «Kings of Kallstadt» (2014)

abspielen

Trumps Kallstadt-Zitat folgt am Ende.
YouTube/Mario Conte

In Kallstadt erinnert heute nicht mehr viel an die Trumps. Einzig ein blaues Schild über dem Briefkasten des mehrfach renovierten Elternhauses ist aus jenen Tagen erhalten geblieben. Dort steht: «Gott sieht alles, mein Nachbar noch viel mehr.» Derzeit scheint der Stolz auf die Erfolge der Heinz-Familie zu überwiegen, nicht zuletzt auch wegen einiger Aussagen Trumps, die in Deutschland nicht mehrheitsfähig sind. «Aber wenn er Präsident wird, könnte sich das ändern und dann ist die Trump-Familie wichtiger für Kallstadt», sagt Bürgermeister Thomas Jaworek gegenüber NPR.

Anmerkung der Redaktion

Aufgrund mehrerer User-Meldungen haben wir den ursprünglichen Titel «Endlich eine sympathische Seite Donald Trumps: Er ist deutscher Abstammung und schämt sich ein wenig dafür» noch einmal überdacht und ihn schliesslich geändert. Den aufmerksamen Lesern besten Dank!

Selbst das amerikanische Wappentier ist vor Trump nicht sicher

Link zum Artikel

Trump hat die USA in eine nationale Sicherheitskrise gestürzt

Link zum Artikel

Make America Weak Again: Trump beschleunigt den Niedergang der USA

Link zum Artikel

Trump bleibt Trump: Bei der Richterwahl denkt er nur an sich selbst

Link zum Artikel

«F**k July 4th»: Kritische Stimmen und Proteste gegen Trump am Unabhängigkeitstag

Link zum Artikel

Warum US-Medien besessen sind von Donald Trump

Link zum Artikel

Harry-Potter-Autorin macht sich via Twitter über Donald Trump lustig

Link zum Artikel

Trump kann sein giftiges Erbe auf Jahre hinaus zementieren

Link zum Artikel

Gestern hatte Trump einen «Wow!»-Tag – aber diese Frau könnte ihm den Spass noch verderben

Link zum Artikel

Donald Trump ätzt gegen 2 US-Comedians – und die schiessen so zurück 😅

Link zum Artikel

Harley-Davidson ist nur der Anfang: Wie Trump sich im Handelskrieg verfahren hat

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
Du hast watson gern?
Sag das doch deinen Freunden!
Mit Whatsapp empfehlen

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Biden verschärft Kurs gegen Riad

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Bidens erster Militäreinsatz: US-Jets greifen pro-iranische Milizen in Syrien an

Das US-Militär hat auf Befehl von Präsident Joe Biden hin Luftangriffe im Osten Syriens geflogen. Es war der erste offiziell bekannt gewordene Militäreinsatz unter dem Oberbefehl des neuen US-Präsidenten.

Das US-Verteidigungsministerium erklärte, das Ziel der Angriffe seien «mehrere Einrichtungen» an einem Grenzübergang gewesen. Diese seien von Milizen genutzt worden, die vom Iran unterstützt würden, erklärte Sprecher John Kirby am Donnerstagabend (Ortszeit).

Die Luftangriffe seien eine …

Artikel lesen
Link zum Artikel