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Die grosse Timeline: Was Trump wann gesagt hat – und wann es ins Gegenteil gekehrt wurde

19.07.2018, 11:26
Dominique Zeier
Dominique Zeier
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Das Schauspiel nimmt seinen Anfang am Montag in Helsinki. Hauptdarsteller: Donald Trump. Er und Russlands Präsident Wladimir Putin beraten sich in einem zweistündigen Treffen unter vier Augen.

Ein zentraler Punkt in den Beziehungen der beiden Länder: Die US-Geheimdienste werfen Russland vor, sich in die Präsidentenwahl vom November 2016 eingemischt zu haben. Putin streitet das vehement ab. 

Hmmm …
Hmmm …
Bild: EPA/ABACA POOL

Wie positioniert sich Trump? Im Vorfeld war von verschiedenen Seiten erwartet worden, dass er Putin deswegen zur Rede stellen wird. Entsprechend gespannt warteten die Medien auf die anschliessende Pressekonferenz.

Was dann folgte: einige der denkwürdigsten Kommunikationspirouetten der US-Geschichte. Aber schön der Reihe nach. Hier die Geschehnisse in der Timeline

Stunde 0 – Die Pressekonferenz

Montag, 18.50 Uhr, Helsinki (Ortszeit)

Nach ihren Gesprächen treten Putin und Trump in Helsinki vor die Medien. Dabei sagt Trump klar, dass er nicht daran glaube, dass Russland sich in die Wahlen 2016 eingemischt hat. Dies liege hauptsächlich an Putins vehementer Versicherung, dass dies nicht der Fall gewesen sei. Trump sagt: 

«Meine Leute kamen zu mir und sagten mir, sie denken dass es Russland war. Ich habe mit Präsident Putin gesprochen, er meinte, es sei nicht Russland gewesen. Ich sage nur eins: Ich sehe keinen Grund, wieso es Russland gewesen sein sollte.»

Dieser letzte Satz ist entscheidend. 

Im Original lautete dieser: «I don't see any reason why it would be Russia.»

Die entscheidende Momente der Pressekonferenz (ab 38:38):

Stunde 27 – Der Rückzug

Dienstag, 15.10 Uhr, Washington (Ortszeit)

Trumps Äusserungen sorgen in den USA für Entsetzen und grosse Kritik in beiden politischen Lagern. Gut einen Tag danach tritt der amerikanische Präsident deshalb erneut vor die Medien. Und meint: Ihm sei am Vortag ein Fehler unterlaufen. 

«Ich habe mir dann tatsächlich auch noch mal das Video von einer Antwort angesehen, die ich (auf der Pressekonferenz) gegeben habe und bemerkt, dass eine Klarstellung nötig ist. […] In einem entscheidenden Satz meiner Bemerkungen sagte ich ‹sein sollte› statt ‹nicht sein sollte›. Der Satz hätte lauten sollen: Ich sehe keinen Grund, warum ich nicht sollte – oder warum es nicht Russland sein sollte. […] So eine Art doppelte Verneinung also.»

Alles nur ein Versprecher, also?

Trumps Klarstellung:

Stunde 49 – Die Verwirrung

Mittwoch, 13 Uhr, Washington (Ortszeit)

Das Spiel geht aber noch weiter. Während einer Pressekonferenz am nächsten Tag wird Trump die Frage gestellt, ob sich Russland weiterhin in den USA einmische. Der Präsident antwortet mit einem deutlichen:

«Nein.»

Dies ergab erneut den Anschein, dass Trump seinem eigenen Geheimdienst widerspricht.

Stunde 52 – Das erneute Missverständnis

Mittwoch, 16 Uhr, Washington (Ortszeit)

Nur drei Stunden später hält die Sprecherin von Trump, Sarah Sanders, eine Pressekonferenz. Dabei wird das Thema nochmals aufgenommen. Sanders erklärt, dass sich Trumps «Nein» nicht auf die Frage der Journalistin bezogen habe, sondern bedeutete, dass er keine weiteren Fragen mehr annehme.

Nur ein Missverständnis, also?

Eine Journalistin hakt nach: «Obwohl wir es auf Video haben und sehen, dass der Präsident ‹nein› auf die Frage der Journalistin antwortet und obwohl mehrere Leute im Raum dies als Antwort auf ihre Frage verstanden haben und obwohl der Präsident noch nie vorher ‹nein, nein› gesagt hat, um Reporter aus dem Raum zu scheuchen, sagen Sie trotzdem, dass er es nicht so gemeint hat?»

«Ich habe mit dem Präsidenten gesprochen, er hat mir gesagt, er habe die Frage nicht beantwortet, sondern vielmehr damit ausgedrückt, dass er keine weiteren Fragen beantworten wolle.»

Die Reporter im Raum scheinen mit Sanders Antwort nicht zufrieden zu sein. Unruhe kommt auf. Nach mehreren Zwischenrufen bohrt die Journalistin weiter: 

«Das ist nun das zweite Mal in drei Tagen, dass der Präsident eine Aussage des Präsidenten umkehrt.»

Sanders erwidert darauf nur: 

«Ich interpretiere, was der Präsident gesagt hat. Ich kehre seine Aussage nicht um. […] «Ich war auch im Raum und ich habe es nicht so aufgefasst wie Sie.»

Die Aussagen von Sarah Sanders (ab 16.35)

Damit endet das Schauspiel. Zumindest vorerst.

Mehr zum Thema:

«Idiot» oder «Fanboy» – Kritik an Trumps Auftritt mit Putin

Video: watson
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