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Da waren es nur noch sechs: Das rein weisse Grüppchen auf der Debatten-Bühne in Des Moines.
Da waren es nur noch sechs: Das rein weisse Grüppchen auf der Debatten-Bühne in Des Moines.
Bild: AP

Demokraten gegen Trump: Der Formcheck vor der ersten Vorwahl

Wer wird Donald Trump im Herbst herausfordern? Am Dienstag trafen sich sechs demokratische Anwärter zur letzten TV-Debatte vor der ersten Vorwahl in Iowa am 3. Februar. So stehen ihre Chancen.
15.01.2020, 13:5016.01.2020, 06:19

Das einst fast unüberschaubare Bewerberfeld der Demokraten ist auf zwölf Namen geschrumpft. Und nur die Hälfte erfüllte die Kriterien für die Teilnahme an der Fernsehdebatte vom Dienstag in Des Moines, der Hauptstadt des Bundesstaats Iowa. Dort beginnt am 3. Februar, also in knapp drei Wochen, der Vorwahl-Zirkus zur Ermittlung der Kandidatur für die US-Präsidentschaft.

Endlich, möchte man nach dem quälend langen Vorgeplänkel ausrufen. Doch die Begeisterung über die Auswahl bei den Demokraten hält sich bislang in Grenzen. Niemand vermag so richtig aus der Masse herauszuragen. Und nach dem Rückzug von Kamala Harris, Julian Castro und Cory Booker hat auch die ethnische Vielfalt gelitten, und das in einer Partei, die gerade darauf stolz ist.

Diese Demokraten kandidieren gegen Trump

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Diese Demokraten kandidieren gegen Trump
quelle: epa/epa / tannen maury
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Zwei Frauen und vier Männer versammelten sich am Dienstag vor den Fernsehkameras – alle weiss. Dafür war nach der von Präsident Donald Trump befohlenen Tötung des iranischen Generals Ghassem Soleimani erstmals die Aussenpolitik ein zentrales Thema. Trump steht im Ringen mit Iran derzeit als Sieger da, doch sein aggressives Vorgehen ist nicht populär.

Viele Amerikaner fürchten einen neuen Krieg im Pulverfass Nahost. Für die Demokraten ist dies eine Steilvorlage. Wer aber hat vor der ersten Vorwahl die besten Chancen?

Die Favoriten

Joe Biden: Der frühere Vizepräsident liegt in den nationalen Umfragen nach wie vor klar in Führung. Doch die Zweifel, ob er mit seinen 77 Jahren fit genug für die Präsidentschaft ist, wollen nicht verschwinden. Seine Performance am Dienstag war wie immer: solide, aber nicht berauschend. So musste er sich für eine Unterstützung des Irak-Kriegs 2003 rechtfertigen.

Biden hat aber einen grossen Vorteil: Niemand aus dem Bewerberfeld geniesst bei den Schwarzen annähernd so viel Rückhalt wie Barack Obamas Vizepräsident. Das wird ihm in den Südstaaten helfen. Vorerst aber wird im vorwiegend weissen Iowa gewählt. US-Medien gehen davon aus, dass Bidens Kandidatur in Rücklage geraten könnte, wenn er dort keinen Spitzenplatz belegt.

Elizabeth Warren: Im letzten Herbst erlebte die Senatorin aus Massachusetts einen Höhenflug, doch die Kontroverse um ihren sehr teuren Plan für eine staatliche Einheitskrankenkasse hat ihr geschadet. Nun könnte Warren ein Comeback gelingen, dank ihrem Streit mit Bernie Sanders. Er habe ihr letztes Jahr gesagt, eine Frau könne Donald Trump nicht schlagen, behauptet Warren.

Sanders bestreitet dies vehement, doch der «Frauenbonus» könnte Elizabeth Warren helfen. Am Dienstag gelang ihr der beste Spruch des Abends, als sie darauf verwies, dass die vier an der Debatte beteiligten Männer zusammen zehn Wahlen verloren hätten: «Die Einzigen auf dieser Bühne, die jede Wahl gewonnen haben, zu der sie antraten, sind die beiden Frauen.»

Bernie Sanders: Bislang haben sich der parteilose Senator aus Vermont und Elizabeth Warren auffällig geschont. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich dies ändern würde, denn beide jagen sich gegenseitig die Stimmen im linken Lager ab. Sanders sieht dabei nicht vorteilhaft aus, dabei genoss er zuletzt Aufwind wegen seines Rufs als Pazifist und vehementer Kriegsgegner.

Diesen Aspekt konnte der 78-Jährige in der Debatte nur bedingt ausspielen. Dennoch hat Bernie Sanders einen Trumpf: Er verfügt über eine ansehnliche und ihm treu ergeben Anhängerschaft. Sie könnte ihn im Verlauf der Vorwahlen zahlreiche Delegiertenstimmen einbringen, mit denen er das Prozedere beeinflussen kann, auch wenn er die Nomination selber kaum schaffen dürfte.

Pete Buttigieg: Der 37-jährige Bürgermeister von South Bend in Indiana erwies sich am Dienstag einmal mehr als der wohl begabteste Debattierer im Feld. Sein Höhenflug vom Dezember ist aber bereits vorbei. Auch in Iowa, wo er zeitweise klar in Führung lag, ist er abgerutscht. Nun dominieren wieder die Zweifel, ob er nicht zu jung und unerfahren ist für das Weisse Haus.

Sein Schwachpunkt bleibt die praktisch inexistente Unterstützung durch Schwarze und Latinos. Ohne die hat er kaum eine Chance, als Herausforderer von Donald Trump nominiert zu werden. Buttigiegs grösste Hoffnung beruht auf den Zweifeln moderater Wähler an Joe Bidens Eignung für das Präsidentenamt. Aber er ist auf ein starkes Ergebnis in Iowa angewiesen.

Die Verfolger

Amy Klobuchar: Die Senatorin aus Minnesota nahm Elizabeth Warrens Verweis auf die Erfolge der Frauen dankbar auf. Trotz guter Debatten-Auftritte ist es ihr bislang nicht gelungen, zu den vier Favoriten aufzuschliessen. Dabei verfügt sie über ein moderates Profil, und mit ihrer Herkunft kann sie Menschen aus dem «Rust Belt» erreichen, die vor vier Jahren Trump gewählt haben.

Gemäss der «Washington Post» könnte Klobuchar, deren Mutter schweizerischer Herkunft ist, jene Wähler überzeugen, für die Buttigieg zu jung, Biden zu alt und Warren und Sanders zu links sind. Dafür braucht sie ein gutes Resultat in Iowa, sonst ist sie wohl bald weg vom Fenster. Mangelnden Einsatz kann man ihr nicht vorwerfen: Sie hat 96 der 99 Bezirke von Iowa abgeklappert.

Tom Steyer: Der 62-jährige Milliardär, Philanthrop und Umweltschützer hat die Qualifikation für die Debatte vom Dienstag auf den letzten Drücker geschafft. Genutzt hat er die Chance nicht. Seine fehlende politische Erfahrung war nicht nur in der Aussenpolitik deutlich zu erkennen. Neben den anderen Fünf habe Steyer wie ein Fremdkörper gewirkt, bilanzierte etwa CNN.

Die Aussenseiter

Sechs weitere Männer und Frauen halten bislang an ihrer Kandidatur fest. Gewisse Chancen können sich nur zwei von ihnen ausrechnen. Der Unternehmer Andrew Yang nahm bislang an jeder TV-Debatte teil. Am Dienstag schaffte er es erstmals nicht, doch er kämpft unverdrossen weiter und versucht nicht zuletzt mit seinem Profil als «nichtweisser» Kandidat zu punkten.

Michael Bloomberg hat wohl bei Boris Johnson abgekupfert.
Michael Bloomberg hat wohl bei Boris Johnson abgekupfert.
Bild: AP

Der frühere New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg hat sich als Späteinsteiger ins Rennen geworfen, weil er daran zweifelt, dass die anderen Bewerberinnen und Bewerber Donald Trump schlagen können. Der Milliardär will seinen Wahlkampf überwiegend aus der eigenen, üppig gefüllten Tasche finanzieren, doch in den Umfragen zahlt sich das bislang nicht aus.

Weil die Parteiführung eine grosse Zahl von Einzelspendern verlangt, hat Bloomberg kaum eine Chance, an den kommenden Fernsehdebatten teilzunehmen. Im Februar werden drei weitere Vorwahlen in New Hampshire, Nevada und South Carolina stattfinden. Im Vorfeld kommt es jeweils zu einem TV-Duell, bevor am 3. März der grosse Showdown am Super Tuesday ansteht.

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