Bericht deckt auf: ICE soll einen weiteren US-Bürger erschossen haben
Die Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE sorgen weltweit für Schlagzeilen. Vor allem die tödlichen Schüsse auf die beiden US-Bürger Renée Good und Alex Pretti im Bundesstaat Minnesota lösten Bestürzung aus. Wie die New York Times berichtet, waren dies aber nicht die ersten tödlichen Einsätze. So soll schon vor Monaten ein US-Amerikaner durch einen ICE-Agenten erschossen worden sein.
Beim Getöteten handelt es sich um den 23-jährigen Ruben Ray Martinez. Dieser war in der Nacht auf den 15. März 2025 in einem Auto unterwegs, als er auf der Insel South Padre im Bundesstaat Texas in eine Polizeikontrolle geriet. Zunächst soll er sich den Anweisungen der Beamten widersetzt haben, ehe er doch abbremste und sein Auto zum Stillstand brachte. Gemäss dem Bericht umstellten Beamte in der Folge den Wagen und forderten Martinez dazu auf, auszusteigen.
Danach eskalierte die Situation, wie aus Dokumenten von ICE hervorgeht: Martinez soll seinen Wagen plötzlich beschleunigt und dabei einen Beamten getroffen haben, der so auf dem Autodach gelandet sein soll. Ein anderer Beamter feuerte in der Folge diverse Schüsse durch die Windschutzscheibe ab. Martinez wurde getroffen und in der Folge in ein Spital gebracht, wo er aber verstarb.
Der Vorfall machte schon wenig später in lokalen Medien die Runde. Allerdings blieb dabei lange unklar, welche Behörden involviert waren. Erst in dieser Woche brachte Newsweek ICE mit den Schüssen in Verbindung. So wurde aus Dokumenten klar, dass die Behörde in den Fall Martinez involviert war, auch wenn dessen Name nicht explizit genannt wurde. Auch ein Anwalt der Familie bestätigte, dass es sich beim genannten Opfer im ICE-Bericht um Martinez handle.
Behörden und Familie widersprechen sich
Bei den Umständen, die zu den tödlichen Schüssen führten, gibt es derweil verschiedene Darstellungen. Das US-Heimatschutzministerium argumentiert, der Beamte habe die Schüsse aus Notwehr abgegeben. Er habe es getan, um «sich selbst, seine Kollegen und die Öffentlichkeit zu schützen», nachdem der Fahrer einen anderen Beamten «überfahren» habe.
Anwälte der Familie widersprechen der Darstellung von ICE. So gebe es diverse Augenzeugenberichte, die ein anderes Bild von der Situation zeigen sollen. Sie fordern nun gegenüber der «New York Times» eine Aufarbeitung des Falles. «Was die Behörden nun sagen, unterscheidet sich von dem, was sie der Familie erzählt haben, was die Sache noch schlimmer macht», so ein Anwalt. Die Eltern beschreiben Martinez derweil als «guten Jungen» ohne jegliche kriminelle Vergangenheit.
Im Gegensatz zu den Todesfällen von Renée Good und Alex Pretti gibt es im Fall Ruben Ray Martinez bislang keine öffentlichen Videoaufnahmen der tödlichen Schüsse. Der Beamte, der beim Vorfall verletzt wurde, soll das Spital mittlerweile verlassen haben. Er soll Verletzungen am Knie erlitten haben.
Abgeschlossen ist der Fall auch fast ein Jahr nach dem Tod Martinez' somit nicht. Derzeit untersuchen die Texas Rangers den Vorfall. Es handelt sich hierbei um eine Behörde, die Schusswaffengebrauch durch Polizeibeamte untersucht und die Grenzsicherheit für das texanische Ministerium für öffentliche Sicherheit überwacht. Die Ermittlungen dauern an, wie eine Sprecherin gegenüber der «New York Times» erklärte. Weitere Details gibt sie nicht preis. (dab)
