Trump lästert wieder über die Schweiz – diese 2 Dinge könnten dahinter stecken
Der US-Präsident hat der Schweizer «Premierministerin» immer noch nicht verziehen. In einem am Montag aufgezeichneten Fernsehgespräch beschwerte Donald Trump sich erneut über das «sehr aggressive» Auftreten der Frau, deren Namen ihm partout nicht mehr einfallen will.
«Es hat mir wirklich nicht gepasst, wie sie mit mir gesprochen hat», sagte Trump auf dem Fernsehsender «Fox Business». Auch sei es ihm fast nicht gelungen, das Telefonat zu beenden. Denn die Regierungschefin habe ihn im vergangenen Sommer beharrlich angefleht, die Strafzölle auf importierten Schweizer Gütern zu senken.
Die neuerliche Attacke gegen die damalige Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter, gegen die Trump vor drei Wochen schon am WEF im Davos gewütet hatte, kam ohne Vorwarnung. Trump plauderte im Gespräch mit Moderator Larry Kudlow, einem alten Freund, über seine Wirtschaftspolitik, seinen Kandidaten für den Chefposten der US-Notenbank und seine angeblich unfähigen und dummen Vorgänger — dann erwähnte er plötzlich «den Zwischenfall» mit Keller-Sutter.
Zwei Erklärungsversuche für dieses Nachtreten des Präsidenten drängen sich auf. Der erste: Trump ist unzufrieden mit den laufenden Verhandlungen mit der Schweiz über ein Handelsabkommen. Diese sollen bis Ende März abgeschlossen sein; sonst will der amerikanische Präsident wieder den Zollhammer schwingen und die Importabgabe von derzeit 15 Prozent erhöhen.
Keine Schweizer Präsenz auf TrumpRx
Gerüchteweise heisst es in der Schweiz, dass es Trump in diesen Verhandlungen vor allem auf die Pharmaindustrie abgesehen habe. Dem amerikanischen Präsidenten sind die hohen Preise, die amerikanische Konsumenten für Medikamente aus ausländischer Produktion zahlen müssen, schon lange ein Dorn im Auge. Er will, dass sich die Preisschere zwischen Europa und der USA schliesst.
Das ist natürlich auch den beiden Schweizer Pharmariesen nicht entgangen. Im Dezember kündigten Vertreter von Novartis und der amerikanische Roche-Tochter Genentech deshalb während einer Audienz im Weissen Haus an, Gegensteuer zu geben. Sie versprachen, künftig mindestens zwei Produkte — das MS-Arzneimittel Mayzent (Novartis) und das Grippe-Medikament Xofluza (Genentech) — stark verbilligt über eine neue Internetseite der Regierung Trump direkt an die amerikanischen Konsumenten verkaufen zu wollen.
Allein: Eine Woche nach dem Start dieser neuen Internetseite, die den Namen TrumpRx trägt, ist von den beiden Schweizer Medikamenten noch nichts zu sehen. Unter den 43 Arzneimitteln, die aktuell auf TrumpRx mit Rabatten von bis zu 93 Prozent verkauft werden, befindet sich kein einziges Produkt von Novartis oder Roche. Konkurrent Pfizer ist hingegen bereits mit 31 Medikamenten präsent. Das Angebot wird gemäss der amerikanischen Regierung ständig erweitert.
Ist Trump die Abwesenheit der Schweizer Pharmakonzerne aufgefallen? Vielleicht. TrumpRx ist, wie schon der Name andeutet, ein Prestigeprojekt seiner Regierung. Allerdings erwähnte der Präsident auf «Fox Business» die Pharmaindustrie im Zusammenhang mit dem verunglückten Telefonat nicht.
Nutzt Trump die Schweiz als Prügelknabe?
Deshalb ist auch ein anderer Erklärungsversuch für die neuerliche Attacke gegen die Schweiz möglich: Trump nutzt «den Zwischenfall» mit Keller-Sutter, um sich im Wahlkampfjahr 2026 in Szene zu setzen.
Seine Botschaft an das heimische Publikum lautet: Ländern wie der Schweiz, diese angeblich «ultra-schicke» und «ultra-perfekte» Nation, gehe es nur deshalb so gut, weil sich die USA sich jahrelang über den Tisch hätten ziehen lassen. Dank Trump sei damit nun aber fertig. Er werde es nicht mehr zulassen, dass die grösste Volkswirtschaft der Welt übervorteilt werde, kündigte er an.
Beide Erklärungsversuche erschweren wohl für die Schweiz die laufenden Verhandlungen über ein Handelsabkommen. Trump will echte Zugeständnisse sehen, was letztlich den drohenden Abstimmungskampf über das Abkommen in der Schweiz erschweren könnte. Wo die Verhandlungen gerade stecken, das ist unbekannt. Auf Anfrage von CH Media lehnte es eine Sprecherin des Staatssekretariat für Wirtschaft in Bern ab, den Stand der Arbeiten zu kommentieren. (aargauerzeitung.ch)
