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Eine US-Soldatin beim Impfen mit Moderna.
Eine US-Soldatin beim Impfen mit Moderna. Bild: keystone

Ein Impfstoff der US-Armee könnte zum Game Changer werden

Die US-Armee forscht an einem «Breitband-Impfstoff», der auch gegen neue Varianten des Coronavirus wirken soll. Erste Studien auch mit Menschen verliefen ermutigend.
13.01.2022, 05:54

Die Corona-Pandemie ist nicht vorbei. Sie hat mit Omikron eine neue Dimension erreicht. Die neue Virus-Variante ist hochgradig ansteckend. Sie könnte zu einer erneuten Belastung der Gesundheitssysteme und einer «Durchseuchung» der Gesellschaft führen, die viele scharf kritisieren. Auch Geimpfte und Genesene werden sich infizieren.

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Manche hoffen aber auch, dass der «Spuk» dank Omikron bald vorbei sein könnte, weil die Bevölkerung eine Grundimmunität erlangen werde. Das könnte sich als Illusion erweisen. Zwar schützt die Impfung (plus Booster) wohl auch bei Omikron gut gegen schwere Verläufe. Aber es gibt keine Garantie für eine umfassende Immunität.

Eine bessere Perspektive als die heutigen Vakzine oder eine «schmutzige Impfung» (so Karl Lauterbach) durch Infektion liefern neue Impfstoffe der zweiten Generation. Sie könnten zum Game Changer werden und sollen auch vor Mutationen schützen, die noch gar nicht existieren. Weltweit wird an solchen «Breitband-Impfstoffen» geforscht, auch in Basel.

«Wie wir gehofft haben»

Besonders viel erhofft man sich von einem «Wunderimpfstoff» (so der «Spiegel»), der am Forschungsinstitut des Walter-Reed-Militärspitals im US-Bundesstaat Maryland entwickelt wird. Bei diesem Spike-Ferritin-Nanopartikel-Vakzin (SpFN) handelt es sich um einen Protein-Impfstoff, ähnlich wie das im Dezember in der EU zugelassene Mittel von Novavax.

Die Forscher der US-Armee verwenden vereinfacht gesagt ein «harmloses» Stück des ursprünglichen Sars-Cov-2 sowie den ebenfalls am Institut entwickelten Wirkverstärker ALFQ. Damit soll im Immunsystem eine Abwehr erzeugt werden, die den Körper vor einer Vielzahl von Virusvarianten schützt (die genaue Funktionsweise wird hier geschildert).

Die erste Phase der klinischen Studien, bei der der Impfstoff einer kleinen Gruppe von freiwilligen Gesunden verabreicht wird, ist abgeschlossen. Noch liegen keine Resultate vor. Man warte noch auf Daten mit Omikron, sagte Forschungsleiter Kayvon Modjarrad dem Infoportal Defense One, «aber bislang läuft alles genauso, wie wir gehofft haben».

Bereits vorhanden sind die Ergebnisse von Versuchen mit Rhesusaffen. Demnach erzeugt SpFN «breit immunisierende Antikörper-Reaktionen, die jene anderer wichtiger Impfstoffe übertreffen». Für den Epidemiologen und Gesundheitsökonomen Eric Feigl-Ding, der zu den Corona-Pessimisten gehört, ist dies ein Grund zur Hoffnung, wie er auf Twitter schreibt.

Futter für Verschwörungsszene

Er verweist darauf, dass die für die Zulassung notwendigen Studienphasen II und III noch ausstehen: «Es wird Monate dauern, bis wir mehr wissen.» Feigl-Ding meint auch, der Name mit dem Begriff Nanopartikel könne «verbessert» werden. Wer mRNA-Impfstoffe als «Genspritze» bezeichnet, wird wohl auch auf Nanopartikel allergisch reagieren.

Die Erforschung durch das US-Militär dürfte zudem «Antikörper» bei Corona-Skeptikern und in der Verschwörungsszene erzeugen. Allerdings werden eingeschworene Impfverweigerer ohnehin kaum zu überzeugen sein, auch nicht durch einen «Wunderimpfstoff». Für andere aber ist SpFN ein Hoffnungsschimmer auf eine Rückkehr in ein normales Leben.

Auch für arme Länder

Die Entwicklung eines Impfstoffs verschlingt sehr viel Geld. Dies dürfte im konkreten Fall angesichts des enormen US-Militärbudgets kein Problem sein. Für die Produktion wird die Armee mit der Industrie zusammenarbeiten, doch als staatliche Institution könne sie den Impfstoff auch armen Länder günstig oder gratis abgeben, hofft Eric Feigl-Ding.

SpNF hat als Proteinimpfstoff den Vorteil, dass er bis sechs Monate in einem normalen Kühlschrank gelagert werden kann. Chefentwickler Modjarrad sieht in seinem Vakzin ein enormes Potenzial. Es kann seiner Meinung nach nicht nur vor neuen Covid-Varianten schützen, sondern auch vor anderen Coronaviren wie Sars-1.

Das wäre in der Tat ein Game Changer. Noch steht der Durchbruch aus. Bei den heutigen Impfstoffen dauerte es rund ein Jahr vom Start bis zur Auslieferung. Bis dieses «Wundermittel» oder ein anderes erhältlich ist, bleibt Corona ein Balanceakt.

(pbl)

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Coronavirus: Was du wissen musst

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quelle: ap / zoltan balogh
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Nach diesem Video verstehst auch du, wie Covid-Impfungen funktionieren

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