So blau wie die Wesen in «Avatar» waren wir nicht mal nach unserer Weihnachtsfeier
Es ist keine leichte Aufgabe, die James Cameron hier zu bewältigen hat. Mit «Avatar: Fire and Ash» veröffentlicht der Regisseur den dritten Teil seiner Fantasy-Reihe rund um die blauen Schlakse mit den gelben Augen. Und die Erwartungen sind hoch, allen voran Camerons eigene sowie die des Disney-Konzerns, dem die Franchise inzwischen gehört.
Denn die «Avatar»-Filme sind teuer. So teuer, dass sie nur dann als Erfolg gelten können, wenn sie «in den Top-Ten der erfolgreichsten Filme aller Zeiten» landen, wie Cameron jüngst gegenüber CH Media erklärte. Ein Geschäftsmodell, das der Regisseur selbst als «tatsächlich sehr dumm» beschreibt, das bislang aber funktionierte.
Kein Film hat mehr Geld eingespielt als die stolzen 2,9 Milliarden US-Dollar, die «Avatar» (2009) einnahm, der erste Teil der Reihe. Die Fortsetzung «The Way of Water» (2022) kommt auf Einnahmen von 2,3 Milliarden, was sie zum dritterfolgreichsten Film aller Zeiten macht. Allerdings hatten diese beiden ersten «Avatar»-Filme Vorteile, die dem neuen Teil «Fire and Ash» abgehen.
Der erste Teil faszinierte wegen der damals spektakulären Effekte und weil Cameron dafür die 3D-Technik entscheidend weiterentwickelt hatte. Man glaubte, den aufwendigen Computer-Dschungel berühren zu können, durch den die Figuren streiften.
Dafür liess sich auch die flache und latent rassistische «Pocahontas»-Story aushalten, die «Avatar» erzählte: Im Jahr 2154 beuten habgierige Menschen den paradiesischen Himmelskörper Pandora aus. Dabei bedrohen sie das indigene Volk der blauhäutigen Na’vi, die im Einklang mit der Natur Pandoras leben. Erst der weisse Ex-Soldat Jake (Sam Worthington), der sich den Indigen anschliesst, kann diese «edlen Wilden» zum Sieg führen.
Der zweite Teil «The Way of Water» hatte wenig Neues zu erzählen, sondern spann den Kampf zwischen bösen Weissen und guten Blauen weiter. Doch Cameron verlegte die Story zu einem Grossteil unter Wasser und lieferte dazu grossartige Bilder einer Fantasie-Meer-Welt.
Damit bedienten die ersten zwei Teile eine Eskapismus-Sehnsucht. Sie entwarfen mit viel Rechenleistung eine fiktive heile Erde, in die man sich hineinträumen konnte, während die echte Welt nicht nur in einer Umweltkrise steckte. Der erste Film erschien ein Jahr nach der Finanzkrise von 2008, der zweite am Ende der Covid-Pandemie und kurz nach Russlands Überfall auf die Ukraine.
Dem dritten Teil fehlt nun der ursprüngliche 3D-Hype, den der erste Film ausgelöst hatte, und ihn umwabert nicht die Spannung, mit der die Fortsetzung erwartet worden war. Zwischen dem ersten und zweiten «Avatar»-Film lagen 13 Jahre, während der sich auch die Technik gewaltig verbessert hatte. Zwischen dem zweiten und dritten Teil liegen jetzt nur drei Jahre, weshalb die Unterschiede in punkto Spezialeffekte eher klein sind.
Was also bietet James Cameron mit dem neuen «Avatar»-Film, abgesehen von der Gelegenheit, mal wieder eine 3D-Brille zu tragen? Die Bilder, natürlich, sind erneut beeindruckend. Erhaben, wie das Licht sanft durch ein Computer-Farnblatt fällt, das dem Publikum ins Gesicht weht. Vorzüglich, wie das Wasser durch die Luft spritzt.
Auch gibt es einige neue Wesen, die toll anzusehen sind. Fliegende Blubber-Rochen, die Luftschiffe durch den Himmel ziehen, oder tintenfischartige Wassertiere mit scharfen Zähnen. Dazu kommt ein neuer Clan von Indigenen, das sogenannte Asche-Volk, das der Natur abgeschworen hat und deshalb schon bald Probleme macht.
Doch wirklich Neuartiges zeigt Cameron diesmal nicht. Das wäre auch kein Problem, wenn er dafür eine interessante Geschichte vorlegte, aber sein Drehbuch kommt über den Grundkonflikt der ersten beiden Filme nicht hinaus.
Wieder greifen die Menschen an, um Pandora zu unterwerfen, diesmal verbündet mit den machthungrigen Indigenen des Asche-Volks. Und wieder wehren sich die anständigen Indigenen rund um den Ex-Soldaten und blaugewordenen Häuptling Jake, bis sie einen dramatisch erkämpften Sieg erringen. Allerdings scheinen die besonders bösen Figuren zu überleben, denn Cameron würde gern noch einen vierten und fünften Teil von «Avatar» drehen.
Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen bleibt in «Fire and Ash» trotz einer ermüdenden Länge von über drei Stunden aber kaum Platz, um in der noch immer faszinierenden Computer-Welt Pandoras innezuhalten. Ständig ist Krieg, ständig wird geschossen, ständig muss jemand in letzter Sekunde gerettet werden. Auf ruhige Momente folgt zuverlässig die nächste Kampfszene. Den Eskapismus, den die ersten zwei Teile anboten, opfert Cameron so einer Flut von Bildern, die das zeigen, was in der echten Welt den Wunsch nach Eskapismus auslöst: Krieg, in 3D.
«Avatar: Fire and Ash» läuft jetzt im Kino. Dauer: 197 Minuten.
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