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origin of the world courbet

Gustave Courbe: «L'origine du monde», 1866, 46 x 55 cm. bild: wikipedia/ musée d'orsay

Der skandalöseste Unterleib der Kunstgeschichte gehört ...



Seit ganzen 152 Jahren rätselt die Welt: Wer ist die Dame, die auf Gustave Courbets Gemälde «L'origine du monde» («Der Ursprung der Welt») einzig aus ihrem Unterleib besteht? Wer zeigte sich dem Maler so und warum? War es dessen Geliebte, das irische Modell Joanna Hiffernan? Die mit dem flammenden roten Haar – jedenfalls auf dem Kopf? Und wie korrespondierte Hiffernans Haarfarbe dann mit ihrem Schamhaar? War es etwa gar nicht Hiffernan? Wer dann?

	
Gustave Courbet: Le Sommeil, 1866

Gustave Courbet: «Le sommeil», 1866, die Rotblonde ist Joanna Hifferman. Bild: wikipedia/ petit palais

Das Gemälde, das auch von Facebook oft und gern zensiert wurde, wurde vom türkisch-ägyptischen Diplomaten Halil Sherif Pasha in Auftrag gegeben. Und der hatte in Paris eine Geliebte: Constance Queniaux, 34, eine ehemalige Tänzerin der Opéra. Sie war berühmt für ihr schwarzes Haar und besonders für ihre vollen Augenbrauen.

Jetzt hat der französische Kunsthistoriker Claude Schopp den Briefwechsel zwischen der Schriftstellerin George Sand und dem Schriftsteller Alexandre Dumas (dem jüngeren Dumas, der das Prostituiertendrama «Die Kameliendame» schrieb und sich mit der Pariser Halbwelt blendend verstand und auskannte) für eine Publikation aufgearbeitet.

George Sand (1804 – 1876).

George Sand (1804 – 1876). Bild: wikipedia

Alexandre Dumas, der Jüngere (1824 – 1895).

Alexandre Dumas, der Jüngere (1824 – 1895). bild: wikipedia

Dabei stiess er bei Dumas auf eine Stelle, die von Queniaux handelte: «Man malt nicht mit seinem Pinsel das delikateste und zugleich lauteste (im Sinne von «auffällig», d. Red.) Interview mit Mlle Queniault aus der Oper.» Interview? Queniault? Wer den Namen einer prominenten Dame falsch schreibt, dachte sich Schopp, der ist auch sonst für Rechtschreibefehler anfällig. Hätte «Interview» nicht «Intérieur», also das Innere heissen sollen? 

André-Adolphe-Eugène Disdéri (28 Mar 1819 - 4 Oct 1889)
Mlle Constance Queniaux, de l'Opéra

Constance Queniaux ist die Dame im weissen Kleid links aussen (oben und unten).  Bild: Musée d' orsay

Als Constance Queniaux 1908 starb, fand sich in ihrem Nachlass ein Gemälde, das Courbet ihr geschenkt hatte. Darauf fanden sich Blumen – als Bouquet und in Töpfen. Primeln, Tulpen und andere Frühlingsblumen. Vor allem aber Kamelien – die Blume, die Herren in ganz Frankreich seit Erscheinen von Dumas' «Kameliendame» (1848) ihren Mätressen schenkten. Was das nun wieder bedeuten mag, liegt auf der Hand.

Die genauen Forschungsresultate von Schopp erscheinen am 4. Oktober unter dem Titel «L'Origine du monde, vie du modèle» bei Phébus.

(sme)

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Video: srf

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10Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dani B. 25.09.2018 21:51
    Highlight Highlight Dann ist die These überholt, man habe den "Kopf" zum Bild, aus derselben Leinwand geschnitten, gefunden?
    Benutzer Bild
  • amazonas queen 25.09.2018 15:53
    Highlight Highlight Ich Frage mich, ob der Frau bewusst war, dass auch über ein Jahrhundert später das Bild noch betrachtet wird. Respektive warum sie da mitgespielt hat.
    • Garp 25.09.2018 18:48
      Highlight Highlight Ich denke nicht, dass ihr das bewusst war. Heut wird es sie auch nicht mehr kümmern. Was heisst mitspielen? Vielleicht hatte sie Freude daran, gemalt zu werden, an ihrem Körper und ihre Grenzen auszuloten.
  • Satanite 25.09.2018 12:55
    Highlight Highlight Das Bild ist ja noch heute skandalös, wenn man bedenkt, dass es in eine hintere Ecke des Musée d'Orsay verbannt wurde. Finde ich persönlich sehr schade, da es einen hohen kunsthistorischen Wert hat. Interessant ist auch das Gegenstück der Künstlerin Orlan "L'origine de la guerre".
    • Garp 25.09.2018 14:15
      Highlight Highlight Ich denke eher, dass es an der behaarten Scham liegt, das finden so manche Leute heutzutage eklig ^^ .

      Na ja, manche verwechseln halt Nacktheit mit Pornografie.
    • Garp 25.09.2018 14:43
      Highlight Highlight Dazu gehört dann übrigens auch noch das Bild "The origin of war" von Orlans.
    • Garp 25.09.2018 15:01
      Highlight Highlight Ironie ist ne schwierige Sache im Netz.
  • Triumvir 25.09.2018 12:00
    Highlight Highlight Was genau soll an diesem Bild denn "skandalös" sein? Sind primäre Geschlechtsorgane einer Frau denn ein Skandal?
    • Garp 25.09.2018 12:56
      Highlight Highlight 1866 war das ein Skandal. Wüsste man, wenn etwas Ahnung von Kulturgeschichte hätte.
    • Fumia Canenero 25.09.2018 21:49
      Highlight Highlight Kultur ist doch schon lange Geschichte.

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