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JAHRESRUECKBLICK 2014 – INTERNATIONAL – The boat carrying George Clooney and his wife Amal Alamuddin, is surrounded by media and security boats as they cruise the Grand Canal after leaving the Aman luxury Hotel in Venice, Italy, Sunday, Sept. 28, 2014. George Clooney married human rights lawyer Amal Alamuddin Saturday, the actor's representative said, out of sight of pursuing paparazzi and adoring crowds. (KEYSTONE/AP Photo/Luigi Costantini)

Paparazziboote auf der Jagd ums beste Bild des Hochzeitspaars George und Amal Clooney. Bild: AP

Auch Stars haben mal einen guten Tag! Deshalb trenden höfliche Paparazzi

Wird die Wolfsmeute der Promifotografen langsam anständig? Unter dem Hashtag #PositivePaps machen zwei Herren Hoffnung. Und dank Justin und Hailey gerade grosse Karriere.



Es gibt Berufsgruppen, deren Ruf ist so low, dass man erst mal drei Meter tief graben muss, um ihn zu finden. Journalisten etwa. Als weniger vertrauenswürdig gelten nur noch – und dies seit vielen Jahren – Menschen, die in Versicherungen, Banken, Werbung oder Politik tätig sind. Und wer ist innerhalb der Journalisten ganz unten? Genau, die Paparazzi. Menschen, die ihre Berufung darin sehen, andere in einem möglichst schäbigen Licht darzustellen. Quasi das Gegenteil jedes Fotofilters. Aggressiv, hinterhältig, erpresserisch.

Brad Pitt, Schauspieler:

«Ein Celebrity zu sein, ist bestialisch. Du fühlst dich wie eine Gazelle, die sich verirrt hat, und der Weg zurück zur Herde ist von Löwen abgeschnitten.»

Höfliche Paparazzi

Barfuss und in Badeschlappen, so mögen Hailey Baldwin und Justin Bieber ihren Strandspaziergang am liebsten. Bild: via Instagram/cesar247paps

Erfunden wurde der Paparazzo ausgerechnet von der Hochkultur, nämlich 1960 im Film «La dolce vita» von Federico Fellini. Da spielt Marcello Mastroianni einen jener ausgelaugten Celebrity-Journalisten samt Ekelfotograf wie es sie damals in Rom bereits gab – auf der Jagd nach Anita Ekberg. Fellini verlieh dem Fotografen die Berufsbezeichnung Paparazzo, es war reine Lautmalerei, der Regisseur verglich ihn mit der sizilianischen Riesenmücke.

Federico Fellini, Regisseur:

«Der Paparazzo stellt für mich ein surrendes Insekt dar, er schwebt, er stürzt sich auf etwas, er sticht zu.»

1961 lief «La dolce vita» in Amerika, und das «Time Magazine» brachte unter dem Titel «Paparazzi on the Prowl» (Paparazzi auf der Jagd) eine entgeisterte Reportage über den in Amerika bis dahin unbekannten Beruf. Paparazzi seien «ein ausgehungertes Wolfsrudel aus Fotografen, die für Geld grosse Namen verfolgen und aus nächster Nähe mit Blitzlicht auf sie feuern.»

JAHRESRUECKBLICK 2015 - OBIT - Marcello Mastroianni zusammen mit Anita Ekberg waehrend der Dreharbeiten von

Marcello Mastroianni als Journalist, Anita Ekberg als Star, der Trevi-Brunnen als Trevi-Brunnen in «La dolce vita».  Bild: KEYSTONE

Lässt sich am Prestige dieses Berufszweigs eigentlich noch irgendwas retten? Oder anders: Sind schäbige Fremdschäm-Bilder, wie sie die Promi-Sondermüllanlagen «TMZ» oder «X17» seit bald 15 Jahren vermarkten, im Zeitalter der Instagram-Beautification überhaupt noch angesagt?

Miles Diggs (23) und Cesar Peña (39) sind Paparazzi-Partner. Ihr Hashtag lautet #PositivePaps und sie sind nicht nur positive, sondern geradezu höfliche Paparazzi. Gerade sind sie zuoberst auf der Welle – Tage, bevor Justin Bieber und Hailey Baldwin ihre Verlobung bekannt gaben, schafften sie es, glücklich verliebte Fotos des Paars zu schiessen. «Stars in happy moments» ist ihr Credo.

Diggs und Peña wollen niemanden kompromittieren, ihre Bilder sind Komplimente.

Bild

Oooooohhh, Bieber-Baldwin feiern ihre Liebe. Bild: via Instagram/cesar247paps

Natürlich gehen ihren Beutezügen auch detektivische Nachforschungen und Verfolgungsfahrten voraus. Aber sie fotografieren Stars nicht, wie sie von Paparazzi provoziert ausflippen, was sich dann als «Shocking Meltdown!» verkaufen lässt, sie versuchen es mal ohne Zynismus. In ihrer Welt sind Celebrities nie hässig oder hässlich. Auch Justin Bieber darf einfach mal glücklich sein. Die Folge? Allgemeine Begeisterung. Die Stars sind entspannt und entzückt, die Security Guards räumen Diggs und Peña auch schon mal den besten Platz für den besten Schuss frei.

Unvorstellbar, dass die beiden einmal ein Unglück verursachen könnten wie jene Männer, die 1998 Diana und ihren Lover im Alma-Tunnel unter Paris zu Tode hetzten.

People gather for a vigil around the makeshift monument for Diana, Princess of Wales, in Paris Monday, Aug. 31, 1998. Diana died last August 31 when the car crashed at high speed inside the Pont de l'Alma tunnel. (KEYSTONE/AP Photo/Jacques Brinon)

Paris, 31. August 1998, am Tag nach Dianas Todesfahrt. Bild: AP

Ihr einziges Problem, sagen sie dem «New Yorker», der ihnen einen begeisterten Beitrag widmet, seien die andern Paparazzi. Die mit ihrem üblichen Gekläffe, den Erpressungen und richtiggehenden Kriegsformationen, aus denen es kein Entrinnen gibt, die Stars weiterhin in den Wahnsinn zu treiben versuchen.

Natürlich geht es auch ihnen am Ende ums Geld, und siehe da: Weniger Desaster führt zu mehr Zaster! Ein bisschen Anstand, eine Spur mehr Abstand – und schon lässt sich ein Job zurück erobern, den es so eigentlich gar nicht mehr bräuchte.

Vor Plattformen wie Instagram lebten Stars und ihre medialen Multiplikatoren in einer Symbiose: Ohne Stars keine Paparazzi – und oft auch umgekehrt. Heute ist die Selbstbild-Kontrolle dank der sozialen Medien erheblich gewachsen, und Stars sind oft die erste und zuverlässigste Informationsquelle in eigener Sache. Der klassisch fiese Paparazzo, der die Nullerjahre dominierte, wird daher zunehmend überflüssig. Es sei denn, er operiert neu unter strenger Nettiquette.

Höfliche Paparazzi

Rechts: Cesar Pena. Links: Bruce Springsteen. Laune: blendend. Bild: via Instagram/cesar247paps

Und? Ist dieses «Weniger Dreck» jetzt symptomatisch für unsere restriktionsverliebte Zeit? Sind Leute wie Diggs und Peña sowas wie die veganen, glutenallergischen Nichtraucher ihrer Zunft? Vielleicht ein ganz klein wenig? Vielleicht.

Oder sie weisen einen Weg zurück in eine Zeit, als Stars noch über die Massen erhaben sein durften und eine Greta Garbo oder Marlene Dietrich nur Bilder in die Öffentlichkeit entliessen, über die sie totale Kontrolle hatten. In eine Zeit, als Stars noch Sterne waren. Und Sterne sind für uns Normalsterbliche eben nie ganz erreichbar.

P.S. Der Begriff «Höfliche Paparazzi» wurde übrigens ab 1999 von einer Künstlergruppe um Tex Rubinowitz, Hermes Phettberg, Kathrin Passig und Wolfgang Herrndorf geprägt: Sie beschrieben (und beschreiben noch, allerdings sehr selten) unter hoeflichepaparazzi.de auf liebevolle Art ihre Begegnungen mit den Superpromis dieses Erdballs. Ohne Bilder. Köstliche Lektüre.

«I am soooo in love» - Bieber und Baldwin bestätigen Verlobung

Video: srf

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