Leben
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«Weird City» von Jordan Peele

Die «Linie» teilt Gross- und Kleinbasel. Nein, natürlich nicht Basel. Eine viel, viel grössere Stadt. Bild: YouTube

Review

Al Bundy ist jetzt schwul! Und auch sonst ist die YouTube-Serie «Weird City» cool

Jordan Peele kann nicht nur Horror. Jetzt hat er auch noch eine «Black Mirror»-Persiflage kreiert.



Die Frage ist natürlich: Wer bezahlt das schon wieder? Also das Netflix-Abo plus Amazon Prime plus YouTube Premium? Wie viel macht das pro Monat? Gegen 40 Franken? Nur fürs Streamen? Und brauch ich das wirklich? Kann ich meine Zeit nicht auch mit Lesen, Wandern oder Kochen sinnvoll verbringen? Oder mit der Aufzucht seltener Hunde oder ganz normaler Kinder?

Kann man natürlich. Kostet aber alles auch. Das meiste gar mehr. Und im vorliegenden Fall wäre der Trick eh: Man löse ein Gratismonatsabo für YouTube Premium, schaue sich den Shit an und wende sich vor der kostenpflichtigen Verlängerung wieder schnöde davon ab.

Ein paar Stars von «Weird City»

«Weird City» von Jordan Peele

Laverne Cox. Bild: YouTube

«Weird City» von Jordan Peele

Rosario Dawson. Bild: YouTube

«Weird City» von Jordan Peele

Michael Cera. Bild: YouTube

Der vorliegende Fall heisst «Weird City». Jordan Peele hat die Miniserie für YouTube Premium kreiert. Jordan Peele ist seit seinem smarten Schocker «Get Out», für den er einen Drehbuch-Oscar gewann, der Mann, der alles kann und den alle wollen: In wenigen Tagen kommt sein jetzt schon sagenumwobener neuer Horrorfilm «Us» in die Kinos. Und er produziert neue «Twilight Zone»-Folgen – jene Show über paranormale Phänomene, die vielleicht stattgefunden haben, vielleicht aber auch reine Fiktion sind.

Peele ist der hippe Fachmann für die unendliche Verschiebemasse zwischen Sinn und Wahnsinn.

Jordan Peeles Super-Bowl-Spot für «Twilight Zone»

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Video: YouTube/Trailer Pick

Nun hat Netflix «Black Mirror», Amazon Prime «Electric Dreams» und YouTube Premium jetzt eben «Weird City». Virtuos virtuelle Versuchsanordnungen des Dystopischen, das gar nicht so weit von der Realität unserer Tage entfernt ist.

Im Gegensatz zum Zerstörungs- und Verstörungspotential von «Black Mirror» hat sich Jordan Peele jetzt allerdings für dessen komisches Spiegelbild entschieden: Bei ihm macht die Maschine am Ende nicht den Menschen kaputt.

Der Mensch katapultiert sich aus Protest zurück in einen Zustand, in dem die Technik dem Menschen noch zumutbar ist und keine ihn überwältigende Zumutung.

Der Trailer

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Video: YouTube/YouTube Originals

Schauplatz ist die immer gleiche Metropole, die durch «The line» geteilt wird: «Below the line», also bei den «Armen», sieht es aus wie – sagen wir mal – irgendwo in Berlin, «above the line», bei den «Reichen», herrscht streng designter Futurismus. Die Bewohner der Oberstadt dürfen nur in Drei-Sterne-Restaurants essen und sehnen sich nach dem Junkfood der Unterstadt, die Kinder der Unterstadt wollen ums Verrecken an die Universitäten der Privilegierten.

Boss und Schöpfer aller Privilegien ist ein verrückter Wissenschaftler namens Negari – ihm verdanken wir das erste, von Menschen ausgetragene Emoji-Baby oder das ekelhafteste Smarthouse der Science-Fiction-Geschichte, ein Haus als wahnsinniger, zudem ständig beleidigter Kontrollfreak.

«Weird City» von Jordan Peele

An der Wand sehen wir Screensaver-Kunst. Bild: YouTube

Am Strassenrand stehen Therapie-Automaten und beantworten per Knopfdruck Fragen zu Problemen wie «Daddy Issues».

Die Leute sind süchtig nach PEJ, ein Granatapfel-Elektrolyten-Getränk. Und nach Zwischenmenschlichem: In «The One» verquickt ein Dating-Algorithmus irrtümlicherweise einen jungen (Dylan O'Brien) und einen deutlich älteren Mann (Ed O'Neill aus «Modern Family» und «Eine schrecklich nette Familie») und startet eine Liebesgeschichte von ungeahnter und unbeabsichtigter Zärtlichkeit.

Die einzelnen Folgen sind voneinander unabhängig, aber einzelne Motive tauchen immer wieder auf, die grünen Kompostwürmer etwa, die Michael Cera in «A Family» züchtet, machen später in einem Weinberg Sinn, der Klempner aus dem Smarthouse hat im grandiosen Metameta-Finale (eine einzige Liebeserklärung an Tarantinos «Grindhouse») einen doppelten Einsatz als Werbefigur.

«Weird City» von Jordan Peele

Smarthouse Xander beobachtet seine Bewohnerinnen. Bild: YouTube

Das ist – im Vergleich zu «Black Mirror» – tatsächlich sehr verspielt und lustig, also leichter, und auch so gemeint, die sechs Folgen sind um die 25 Minuten lang, die letzte gar nur 17, in der Kürze liegt die Würze der Pointe. Und so ist «Weird City» ein brillanter und wohltuend optimistischer Pausensnack, bis es irgendwann weitergeht mit der tragischen Ausweglosigkeit im schwarzen Spiegel einer unmöglichen Zukunft.

Wenn Menschen wie Tiere balzen würden

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Video: watson/Lya Saxer, Angelina Graf

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12Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • TheOnlyZeus 14.03.2019 18:28
    Highlight Highlight Habe die ersten beiden Episoden geschaut und fand's ganz gut. Nicht, dass i h jetzt gleich weiterschauen müsste, aber bei Gelegenheit...

    Finde es übrigens sehr sympathisch, dass die Laufzeit der Folgen individuell ist. Eine fixe Laufzeit ist ja eigentlich ein Relikt aus der Zeit des linearen Fernsehens, kann ja sinnvoll sein, dass ein Thema weniger Zeit als ein anderes benötigt. Hat das sonst jemand auch schon gemacht? Ob sich Netflix das auch mal traut?
  • Mia_san_mia 14.03.2019 06:13
    Highlight Highlight Al Bundy ist sicher nicht Schwul...
    • LaktoseintoleranterVeganerLGBT 14.03.2019 13:49
      Highlight Highlight nein, er ist nicht schwul, keine Angst. Aber er war ein Vorreiter der Body-Posivity-Bewegung wie man hier deutlich erkennen kann:
      Play Icon
    • Silly_Carpet 14.03.2019 14:40
      Highlight Highlight Stell dir nur mal vor! Ist dein kleines homophobes Herzchen fast stehen geblieben...
  • DocShi 13.03.2019 23:08
    Highlight Highlight Mit jetzt 44 Jahren habe ich gelernt dass immer wieder Gutes Zeug rauskommt. Seien es Bücher, Filme, Serien oder Spiele.
    Und zwar mehr als der Mensch Zeit hat. Selbst wenn man Millionär wäre, auf Familie und soziale Kontakte (real oder Net) verzichtet.
    Darum habe ich nur einen Streamingdienst und schaue nicht jeden Tag.
    Lebe sehr gut damit und glaube dass mich meine Kinder und Frau immer noch deshalb lieben weil ich für sie mehr Zeit aufwende als für Serien.
    Nur meine Ansicht und Lifestyle.
    😎
  • dommen 13.03.2019 21:56
    Highlight Highlight Ich gebe dir beim meisten Recht, aber Youtube Premium gebe ich nicht mehr her. Man gewöhnt sich einfach zu schnell daran 😅
  • Caturix 13.03.2019 21:05
    Highlight Highlight Ist es nur auf Englisch ? wenn ja dann wird das nichts für mich.
    • 1337pavian 13.03.2019 21:36
      Highlight Highlight Wird irgendwann alles synchronisiert. Bis dahin könnten Sie etwas Nietzsche lesen, nein?
    • Findolfin 13.03.2019 22:11
      Highlight Highlight Es gibt deutsche Untertitel. Hab's auch damit geschaut, ging tiptop.
    • Caturix 14.03.2019 07:58
      Highlight Highlight Warum blitzen war ja eine Frage, muss man Englisch können ? ich glaube nicht.
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