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Die Schweiz hat eine neue Late-Night-Show: 10 Gründe, wieso «Deville» Erfolg haben könnte

Ab Freitagnacht hat das SRF eine neue Late-Night-Show. Wir haben die Aufzeichnung der ersten Sendung besucht. Und – Überraschung! – das kommt gut. 

Benno Tuchschmid / Nordwestschweiz



Dominic Deville

Dominic Deville ist ein Punk, der seine Do-it-yourself-Attitüde bewahrt hat. Bild: srf/Stefan Kubli

Punk!

Dominic Deville ist ein Punk. Genauer: Er war mal ein Punk. Doch die Do-it-yourself-Attitüde und die Freude an der Imperfektion hat der Luzerner behalten. Er hasardiert ohne Moderationskärtchen und Knopf-im-Ohr durch die Sendung, schreit in die Kamera und wirft Früchte durchs Studio. Eine Wohltat im Vergleich zur sandgestrahlten Dutzendware im TV. PS: Bei der ersten Aufzeichnung generierten die Sendungsmacher Material für fast zwei Stunden. Die Sendung dauert aber bloss eine halbe.

«Deville» ist mehr als Deville

Dominic Deville ist der unbestrittene Star dieser Late-Night-Show. Sie trägt seinen Namen, ist dem Comedy-Punk auf den Leib geschnitten. Aber «Deville» ist keine One-Man-Show. Hinter der Sendung steht ein Team junger, wilder Humoristen, angeführt von Patrick Karpiczenko, Chefautor und Regisseur der Sendung. Diese homogene, eingeschworene Gruppe sorgt dafür, dass «Deville» wirklich anders klingt und ausschaut, als alles, was sonst so über die Service-Public-TV-Sender läuft.

Stahlberger!

«Deville» orientiert sich an den amerikanischen Late-Night-Shows. Hat alle traditionellen Elemente: Gäste, Monologe zu aktuellen Themen, Einspieler. Da darf ein Sidekick natürlich nicht fehlen, der dem Moderator als Sparringpartner für den verbalen Schlagabtausch dient. Mit der Verpflichtung von Manuel Stahlberger ist Deville ein Coup gelungen. Der Ostschweizer ist alles, was Dominic Deville nicht ist, ein trockener Satiriker, der ohne grosse Effekte stoisch zu seinen Pointen schlafwandelt. Schon nach der ersten Aufzeichnung ist klar: Stahlberger hat Kultpotential. 

Kein Leutschenbach-Mief

Comedy ist Showbusiness. Showbusiness ist Oberfläche. Und die sieht bei Deville gut aus. Die Sendungsmacher zeichnen die Late-Show im Zürcher Club Corso auf. Fernab vom Leutschenbach-Mief. Das Studio ist im Retro-Chique eingerichtet: Extravagante 60er-Jahre-Stühle, eine 80er-Jahre-Bühne und ein Anzug, der Dominic Deville einer Figur der Kult-Serie «Mad Man» ähneln lässt. Gut, andere haben das auch schon getan, aber für Schweizer Verhältnisse ist es frisch.

Die Distanz zu Giaccobbo 

Viktor Giaccobbo stand bei der ersten Aufzeichnung von Dominic Deville im Publikum. Aber auf der Bühne erinnerte nur wenig an den Übervater der Schweizer TV-Comedy. Gut so. Denn im Vergleich mit «Giaccobbo/Müller» liegt für «Deville» die grösste Gefahr. Abheben, statt ähneln muss das Motto sein.

Abheben statt ähneln muss das Motto der neuen Late-Night-Show auf SRF sein. Dominic deville

Abheben, statt ähneln muss das Motto der neuen Late-Night-Show auf SRF sein.  bild: srf/Jorma Müller

Die Geduld

Das SRF behauptet, «Deville» Zeit geben zu wollen. Die werden die Sendungsmacher brauchen. Denn eine landesweite Comedy-Sendung (selbst um 23.45 Uhr) ist Neuland für sie alle. Und das wird man phasenweise merken. Behält das SRF Geduld, dann kann da was entstehen. Vier Test-Sendungen waren abgemacht, das SRF hat sie bereits auf zehn ausgedehnt.

Ein gutes Händchen für Gäste

Late-Night-Shows leben von ihren Talk-Gästen. Das ist ein Problem. Gefühlt 80 Prozent der Deutschschweizer Prominenten sind SRF-Moderatoren oder Ex-Missen. Beide sind meist langweilig. Mona Vetsch, erster Gast in der ersten «Deville»-Sendung, war da eine wohltuende Ausnahme, weil mindestens so punkig unterwegs wie der Gastgeber. Wir wünschen «Deville» weiterhin ein gutes Händchen. Aber Achtung: Das Reservoir bleibt klein. Und bitte, bitte nicht Christa Rigozzi oder Gilbert Gress einladen.

Die Macher sind jung

Frontmann Dominic Deville hat Jahrgang 1975. Kreativkopf  Patrick Karpiczenko Jahrgang 1986. Das sind gute Voraussetzungen, um ein Zielpublikum anzusprechen, mit dem SRF klassischerweise Mühe hat: Menschen, die nicht alt sind. Hier dürfte Deville noch etwas mehr Moderne wagen, als bloss Sprüche zu Presse-Schlagzeilen aus dem Internet zu klopfen. Das taten der Viktor Giacobbo und Mike Müller nämlich auch schon. Und die haben Jahrgang 1952 und 1963.

Unverbrauchte Show-Gäste

Jede Late-Night-Show hat Show-Gäste. Die ersten Gäste auf der Bühne von «Deville» hiessen «Rächt Extrem». Eine Neo-Nazi-Band. Jedenfalls kündigte Deville sie so an. In Tat und Wahrheit ist es ein Rock-Trio aus Biel, das unter normalen Umständen niemals in einer TV-Show auftreten dürfte. Sie sind unbekannt, unflätig und absolut massenuntauglich. Mit anderen Worten: toll. Es ist das erklärte Ziel der «Deville»-Crew weitere unverbrauchte Kleinkunst-Perlen auf den Schirm zu bringen.

Theoretisch gibt's sonst nichts zu lachen

Einen grossen Vorteil hat «Deville» jetzt schon: Konkurrenzlosigkeit. «Müslüm-TV» spielt in einem nicht vergleichbaren Genre, «Headhunter» funktioniert nicht, «Giacobbo/Müller» treten Ende Jahr ab. Und sonst gibt es bei SRF nicht einmal theoretisch etwas zu lachen. Das sind mal gute Voraussetzungen. 

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18
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    Alle Leser-Kommentare
  • Fonzie 28.05.2016 08:52
    Highlight Highlight Hat mir gut gefallen. Einige Grinser dabei, viel E-Community-Humor und ... Der Music Act war Bombe :-)
  • 8004 Zürich 28.05.2016 00:55
    Highlight Highlight Da hatte eine mal pinke Haare und benahm sich so, wie sie wohl dachte, dass sich "so Freakige" halt benehmen. Sie lebt seit immer vom Mainstream. Und Ihr nennt sie "punkig". watson, watson...
  • TanookiStormtrooper 27.05.2016 13:47
    Highlight Highlight Schaue ich doch mal rein, mit meinen niedrigen Erwartungen werde ich vielleicht positiv überrascht...
  • Tscheggsch? 27.05.2016 11:38
    Highlight Highlight Klingt etwas nach CH-Adaption von Circus Halligalli, mit einem Moderator und einem Sidekick. Interessant, interessant, muss ich mir mal anschauen. Pedro Lenz wäre bestimmt auch ein toller Sidekick gewesen ;)
  • chandler 27.05.2016 11:28
    Highlight Highlight Also schlechter als Headhunter kann es ja nicht sein ;-)
  • Rafi Hazera 27.05.2016 11:07
    Highlight Highlight Es wird ja gemunkelt, dass nächste Woche der Zukkihund eventuell, unter Umständen, vielleicht bei Deville zu Gast sei.
    • Luca Brasi 27.05.2016 11:27
      Highlight Highlight Ist das nicht schamlose Eigenwerbung wie es schon letzthin Herr Baroni mit seiner Musikband betrieben hat?
      I like ;)
    • Rafi Hazera 27.05.2016 11:50
      Highlight Highlight Doch. Aber opportunistische. Von diesem Artikel wusste ich vorher nicht, believe it or not. :)
    • User01 27.05.2016 12:27
      Highlight Highlight Ist das der mit dem weissen Hund (Labrador glaube ich)?
    Weitere Antworten anzeigen
  • mostindianer 27.05.2016 10:55
    Highlight Highlight Sehr empfehlenswert: Live Krimi-Hörspiele mit Dominic Deville, Patrick Karpiczenko: http://www.suspekt-krimi.ch/ (auch als Podcast hörbar).
    Diese Art von Humor ist das, was ich mag, ich werd mir das auf jeden Fall anschauen.
  • Hayek1902 27.05.2016 10:40
    Highlight Highlight Punkt 11: Meine Erwartungshaltung ist do tief, dass eine negative überraschung fast ausgeschlossen ist.
  • Bastian Zuberbuehler 27.05.2016 10:37
    Highlight Highlight mascotte, nicht corso
  • Driver7 27.05.2016 10:35
    Highlight Highlight ich schaus mir mal an.. dann habe ich doch mal 30 min SRF geschaut, für die 400.- Stutz die ich jedes Jahr abdrücke.. (ok, habe auch ein paarmal online Müslüm geschaut, aber fand es sehr mittelmässig.. musste ein paar mal schmunzeln, aber nie lachen)
    • SanchoPanza 27.05.2016 13:53
      Highlight Highlight das du mit dieser Einstellung nichts zu lachen hast, glaube ich dir aufs Wort.
    • Driver7 27.05.2016 14:37
      Highlight Highlight öh, und was für eine Einstellung soll ich denn haben? Bin ja offen für neues, und gucks mir an.. Müslüm finde ich toll, als Rolle die er verkörpert und als Musiker.. aber seine TV-Show war trotzdem eher lahm.. und das ich einfach mal jedes Jahr "TV-Steuern" zahle, und eigentlich nahezu nichts davon konsumiere, ist keine Einstellung, kein Politikum usw, sondern schlicht ein Fakt. Und das Ändert sich auch nicht mit den Blitzen hier :-)
  • Crecas 27.05.2016 09:59
    Highlight Highlight Ich muss wohl das SRF wieder in meine Favoritenliste aufnehmen. Das werd ich mir mal anschauen!
  • Louie König 27.05.2016 09:22
    Highlight Highlight Na, dann schauen wir doch mal, ob es effektiv eine gelungene Late-Night-Show ist oder nicht. Wäre jedenfalls sehr zu wünschen.

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