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«Chloroform-Unhold» aus dem Aargau wird verwahrt

Der als «Chloroform-Unhold» bekannte Aargauer U.B. wird verwahrt, wie das Walliser Straf- und Massnahmenvollzugsgericht (StIVG) am Mittwoch mitteilte. In den 1970er-Jahren stieg er im Aargau in Häuser, betäubte Teenagermädchen, missbrauchte sie. Dann wurde U.B. (heute 69) geschnappt. Nach abgesessener Haftstrafe verzog er sich ins Wallis – und schlug fortan in dieser Gegend zu.



Chloroform-Unhold (Bild: «Badener Tagblatt», 19.6.80

Zur Verfügung gestellt)

«Badener Tagblatt», 19.06.1980.

Das StIVG hat die Aufhebung der stationären therapeutischen Massnahme verfügt. Dies insbesondere deshalb, weil sich nach Ansicht des StlVG auch nach mehrjähriger Psychotherapie aufgrund der geringen therapeutischen Erreichbarkeit von U.B. keine Verbesserungen eingestellt haben. Eine weitere Fortführung dieser Massnahme wurde vom Gericht als nicht erfolgsversprechend und somit als aussichtslos beurteilt. Deshalb hat das StlVG gegen U.B. ultima ratio die Verwahrung angeordnet, da diesem ein nach wie vor hohes Rückfallrisiko sowie eine unverändert schlechte Kriminalprognose attestiert wird, schreibt das StlVG.

Zielobjekt: Teenager-Mädchen

Schon als junger Mann fiel U.B. wegen voyeuristischer Neigungen auf. 1977 begann er, in Häuser einzusteigen. Oft im Seetal – er wohnte damals in Beinwil am See – aber auch in der Region Brugg, im Wynental, im Freiamt oder im angrenzenden Luzernischen. Er spähte aus, wo junge Mädchen wohnten, schlich sich nachts in die Schlafzimmer. Dort tränkte er Wattebäusche mit Trichloräthylen, einem stark betäubenden Wirkstoff, der wie Chloroform riecht. Diese legte er seinen Opfern vors Gesicht und wartete ab. Manche erwachten. Andere nicht. Es kam zu mindestens fünf Vergewaltigungen sowie weiteren sexuellen Handlungen.

Insgesamt stieg U.B. bis zu seiner Verhaftung 1979 in über 50 Häuser ein. Dafür wurde er vom Obergericht rechtskräftig zu zehn Jahren Haft verurteilt. Der damalige Staatsanwalt betonte: «Dies ist einer der allerschwersten Fälle in meiner über dreissigjährigen Tätigkeit in der aargauischen Justiz.» 1987 kam U.B. vorzeitig frei. Danach hörte man im Aargau nichts mehr von ihm – weil er in Binn VS ein Haus kaufte und fortan in der Westschweiz sein Unwesen trieb.

Erst 2007 erneut geschnappt

In den 1990er- und den Nullerjahren stieg er, «getrieben vom Verlangen, Schamhaare zu sehen», wie er später sagte, wieder in Häuser ein. Ins bekannte «Feriendorf Fiesch», in ein renommiertes Collège im Waadtland, in Privatwohnungen. Auch hier waren mehrere Dutzend Mädchen betroffen, das jüngste erst neun Jahre alt. U.B. leerte Trichloräthylen im Zimmer aus, leuchtete mit der Taschenlampe unter Bettdecken, schnitt Pyjamas und Unterhosen auf, verging sich an einigen Opfern. Bei mehreren wurden Spermaspuren gefunden.

2007 wurde U.B., zwischenzeitlich wieder in Trimbach wohnhaft, geschnappt – vom ehemaligen Oltner Hockey-Spieler Otto Wolfisberg, dessen Tochter er nachgestellt hatte. Erst jetzt erkannten die Ermittlungsbehörden dank eines DNA-Abgleichs das ganze Ausmass der Katastrophe. Das erstinstanzliche Walliser Gericht verurteilte U.B. zu 13 Jahren Haft plus Verwahrung. Das Kantonsgericht hob die Verwahrung auf, reduzierte die Haft auf elf Jahre und acht Monate und ordnete eine stationäre therapeutische Massnahme an. Dies, weil eine Gutachterin ihm grundsätzliche Therapiefähigkeit attestierte.

Dasselbe Mädchen mehrfach missbraucht

Die Strafe fiel unter anderem deshalb so hoch aus, weil U.B. dasselbe Mädchen 1993 und 1998 im Wallis auf brutalste Art vergewaltigte und dann 2007 an der «kleinen Badenfahrt» wieder angegangen haben soll. Die erste Tat war zwar verjährt und für die dritte gab es keinen Strafantrag, aber für die Vergewaltigung von 1998 wurde U.B. verurteilt. Bis heute bestreitet er die Tat vehement. So auch am Dienstag vor dem Walliser Straf- und Massnahmenvollzugsgericht. Dort stand die Frage im Raum: Was wird aus der therapeutischen Massnahme?

Die Walliser Vollzugsbehörde sieht, gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten, eine unverändert hohe Rückfallgefahr ohne Aussicht auf Besserung. U.B. zeige keinerlei Tateinsicht oder Therapiebereitschaft. Die stationäre therapeutische Massnahme müsse demnach wegen Aussichtslosigkeit aufgehoben und die Verwahrung angeordnet werden. (whr/az)

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5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Therealmonti 09.05.2018 16:07
    Highlight Highlight Wie viele sog. Experten haben es eigentlich mit ihren psychiatrischen Gutachten möglich gemacht, dass dieses Scheusal nicht schon bei seiner ersten Verurteilung als untherapierbar eingestuft und für immer weggesperrt wurde? Zur Rechenschaft gezogen wird selbstverständlich keiner, ebenso wenig wie die Richter.
  • Mietzekatze 09.05.2018 15:43
    Highlight Highlight "Die Strafe fiel unter anderem deshalb so hoch aus" Echt jetzt?!? Mehrere Dutzend beim zweiten Mal und über 50 beim ersten? Und die Strafe viel hoch aus???
  • Valon Gut-Behrami 09.05.2018 14:00
    Highlight Highlight Absolut nachvollziehbares und richtiges Urteil!
  • DerSimu 09.05.2018 14:00
    Highlight Highlight "Die Walliser Vollzugsbehörde sieht, gestützt auf ein psychiatrisches Gutachten, eine unverändert hohe Rückfallgefahr ohne Aussicht auf Besserung. U. B. zeige keinerlei Tateinsicht oder Therapiebereitschaft."

    Dem ist wohl nichts mwhr anzufügen. Richtig so. Endlich hat sich ein Richter zu einem hoffentlich wegweisenden Entscheid getraut.
    • Herr Ole 09.05.2018 16:25
      Highlight Highlight Das klingt jetzt als sei noch nie ein Straftäter verwahrt worden. Dem ist aber nicht so.

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