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Eine Frau mit FFP2-Maske beim Einkaufen.
Eine Frau mit FFP2-Maske beim Einkaufen.Bild: shutterstock.com
Analyse

Das Masken-Déjà-Vu: Wieso will das BAG keine FFP2-Masken empfehlen?

Zu Beginn der Pandemie wollte das Bundesamt für Gesundheit (BAG) keine Maskenpflicht einführen, weil es der Bevölkerung nicht zutraute, diese richtig zu tragen. Die Geschichte wiederholt sich nun mit der FFP2-Maske.
13.01.2022, 17:51

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) ist eigentlich nicht die erste Anlaufstelle, wenn es um Gesundheitsfragen geht. Ende Dezember machte es allerdings Nägel mit Köpfen. In einem Merkblatt, das noch nicht offiziell veröffentlicht wurde, erklärte es FFP2-Masken in gewissen Situationen bei der Arbeit zur Pflicht.

Demnach müssen Arbeitnehmende in Risikosituationen, in denen keine anderen Massnahmen möglich sind, künftig FFP2-Masken tragen. Dazu gehören Situationen wie Kundenkontakte, Sitzungen, Orte mit schlecht belüfteten Räumen oder Personentransporte.

Das Seco handelt dabei ohne Empfehlung des Bundesamtes für Gesundheit (BAG). Dort konnte man sich bis heute nicht zu einer Empfehlung durchringen. Mittlerweile schreibt das BAG zwar auf seiner Website, dass es jedem frei stehe, eine FFP2-Maske zu tragen. Eine wirkliche Empfehlung ist dies allerdings nicht. Bis Ende März 2021 riet es sogar vom Tragen von FFP2-Masken ab, während es selbst genähte Masken empfahl.

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Das BAG argumentiert, dass die Bevölkerung nicht wisse, wie man FFP2-Masken richtig trage. Aus diesem Grund würden diese potenziell mehr Schaden anrichten, als dass sie nützten.

Erinnerungen an Daniel Koch werden wach

Diese Begründung hat das BAG bereits zu Beginn der Pandemie verwendet. Damals ging es um normale Hygienemasken und ob diese in Zügen und anderen Innenräumen zur Pflicht werden sollten. Daniel Koch, damaliger Delegierter des BAG für Covid-19, erklärte: «Die Bevölkerung kann sich mit Masken nicht wirksam schützen.»

Koch sagte ebenfalls, dass die Bevölkerung nicht wisse, wie man Masken richtig anziehe. Dieser Umstand hätte eine Diskussion über eine Maskenpflicht obsolet gemacht.

Studien sagen etwas anderes

Selbst wenn Herr und Frau Schweizer es nicht schaffen sollten, die FFP2-Maske korrekt aufzusetzen, so ist sie immer noch besser, als eine richtig sitzende Hygienemasken (von denen auch heute noch viele nicht korrekt getragen werden).

Zu diesem Schluss ist das deutsche Max-Planck-Institut gekommen. Bei einer Studie im Labor wurde nachgewiesen, dass das Risiko einer Infektion vier Prozent beträgt, wenn man sich mit einer schlecht sitzenden FFP2-Maske 20 Minuten lang in einem schlecht belüfteten Innenraum aufhält. Bei richtiger Tragweise betrug das Risiko rund 0.1 Prozent, mit Hygienemaske 10 Prozent, ohne Maske 90 Prozent.

Es sei davon auszugehen, dass im täglichen Leben ausserhalb des Labors die Infektionswahrscheinlichkeiten nochmals 10- bis 100-mal tiefer seien, schreiben die Studienautorinnen.

Auch die Armee setzt auf FFP2-Masken

Die Zurückhaltung des BAG mag also irritieren. Zumal der Bund selbst als Arbeitgeber FFP2-Masken vorschreibt. In der Armee zum Beispiel.

Auf Weisung von Oberfeldarzt Andreas Stettbacher gilt in der Armee neu ein FFP2-Maskenobligatorium. Davon betroffen sind Rekrutinnen und Rekruten, Teilnehmende von Wiederholungskursen, Armeekader sowie die zivilen Mitarbeitenden der Gruppe Verteidigung im Verteidigungsdepartement VBS, welche nicht im Homeoffice sind. Dazu gehören etwa die Mitarbeitenden der Logistikbasis der Armee.

«Der Oberfeldarzt hat das FFP2-Maskenobligatorium mit Verweis auf die bessere Übertragbarkeit der Omikron-Variante angeordnet», sagte Armeesprecher Daniel Reist zu watson. Schutzmassnahmen müssten so effektiv wie möglich ausgestaltet sein, um Übertragungen zu verhindern.

Das sieht nun auch das Seco so. Und wenn sich die Geschichte wiederholt, dann in naher Zukunft vielleicht auch das BAG.

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