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Des enfants mangent dans la creche  garderie Crechendo le jour de son inauguration au siege de La Mobiliere Vie ce lundi 22 octobre 2007 a Nyon. La Mobiliere Vie a transforme une partie de son siege pour y accueillir une garderie, co-financee par la commune de Nyon. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Bild: KEYSTONE

Analyse

4 Gretchenfragen, die wir uns im «Krippen-Entwicklungsland» Schweiz stellen müssen

Wie viele Kita-Plätze braucht die Schweiz und wer soll dafür bezahlen? Darüber streitet derzeit die Politik. Verschiedene Studien bieten Anhaltspunkte, die bei einer Entscheidung helfen könnten.



Die Weichen in der Schweizer Familienpolitik werden gerade neu gestellt: Das Parlament streitet darüber, ob das Förderprogramm für neue Krippenplätze nächstes Jahr gestoppt werden soll.

Gleichzeitig gibt es Bestrebungen, die Eltern bei den Krippenkosten zu entlasten. Wie der Tages-Anzeiger berichtet, wälzt der Arbeitgeberverband Pläne, wonach die öffentliche Hand mehr an die Betreuung der Kleinsten bezahlen soll. Derzeit versucht der Verband, die grossen Parteien ins Boot zu holen.

Der Schweiz stehen emotionale Debatten bevor. Auf folgende Fragen müssen die Politiker dabei Antworten finden:

Gibt es genug Krippen in der Schweiz?

Rund 62’500 Krippenplätze gibt es derzeit in der Schweiz. Auf diese Zahl kommt zumindest eine Studie im Auftrag des Bundes, die vergangenen Dezember veröffentlicht wurde. Forscher der Universität St.Gallen und der Firma Interface haben dafür bei ausgewählten Kantonen und Gemeinden Daten gesammelt, alte Daten des Bundes hochgerechnet und Zahlen des Verbands Kinderbetreuung Schweiz beigezogen. Denn: Eine offizielle Bundesstatistik zum Thema fehlt.

Entsprechend schwierig ist es, die Frage zu beantworten, ob das heutige Angebot ausreicht. Während in grossen Städten wie Zürich gemäss Studie inzwischen für rund jedes zweite Kind ein Vollzeit-Betreuungsplatz zur Verfügung steht, ist das Angebot in ländlichen Regionen ungleich magerer. Schlusslicht ist laut der Erhebung der Kanton Appenzell-Innerrhoden, wo nur jedes 33. Kind an fünf Tagen pro Woche in die Krippe gehen könnte.

Wichtiger als die absoluten Zahlen ist jedoch, ob das Angebot die Nachfrage der Eltern deckt. Und hier zeigt die Studie: Schweizweit kann jede fünfte Familie ihre Kinder im Vorschulalter nicht in dem Ausmass betreuen lassen, wie sie es sich wünschen würde. Allerdings nannten nur zehn Prozent das Fehlen von Betreuungsplätzen als Grund für die unbefriedigende Situation. Weitaus häufiger machten die Eltern einen anderen Grund verantwortlich: die hohen Kosten der Kinderbetreuung. Was uns zur nächsten Frage führt.

ZU DEN THEMEN DER SOMMERSESSION, AM DIENSTAG, 12. JUNI 2018, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG ---- The children's toothbrush cups above a sink at the day nursery

Wie viele Krippenplätze zur Verfügung stehen, ist von Region zu Region unterschiedlich. Bild: KEYSTONE

Wer soll für die Kinderbetreuung bezahlen?

Ist die Betreuung der Kinder Privatsache? Oder müssen der Staat und die Arbeitgeber den Eltern unter die Arme greifen? Die Ansichten dazu gehen in der Schweizer Politik erwartungsgemäss auseinander.

Fakt ist: Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern beteiligt sich bei uns die öffentliche Hand deutlich weniger an den Kosten für die familienergänzende Kinderbetreuung. Dies zeigt eine vom Bund in Auftrag gegebene Fallstudie aus dem Jahr 2015. Sie hat die Situation in den Kantonen Zürich und Waadt mit den Vergleichsregionen Salzburg und Tirol (Österreich), Frankfurt und Dresden (Deutschland) sowie Lyon und Umgebung (Frankreich) verglichen.

Finanzierung KinderkrippenFinanzierung KinderkrippenFinanzierung KinderkrippenFinanzierung KinderkrippenFinanzierung Kinderkrippen

In Frankfurt zahlen Eltern 14 Prozent der Kita-Kosten selber (in der Grafik blau), in Zürich 66 Prozent. grafik: watson/ quelle: bundesratsbericht zur finanzierung von krippenplätzen, 2015

Ergebnis: Die Vollkosten bewegen sich – kaufkraftbereinigt – überall in derselben Grössenordnung. Im Kanton Zürich kostet ein durchschnittlicher Krippenplatz pro Tag 112 Franken. Bei einer Vollzeitbetreuung an fünf Tagen pro Woche belaufen sich die Kosten also auf über 2000 Franken pro Monat.

Dabei müssen Zürcher Eltern im Schnitt rund zwei Drittel der Kosten aus der eigenen Tasche zahlen. In die Untersuchung flossen sämtliche Betreuungsplätze ein, subventionierte genauso wie unsubventionierte. Im Ausland tragen Eltern im Unterschied dazu maximal einen Viertel der Kosten selber, für den Rest kommt die öffentliche Hand, die Arbeitgeber oder Sozialversicherungen auf. 

Findest du, dass die Eltern bei den Krippenkosten entlastet werden sollten?

Braucht es Finanzspritzen des Bundes?

Genau darüber wird derzeit unter der Bundeskuppel gestritten. Seit 15 Jahren fördert der Bund im Rahmen eines Impulsprogramms die Schaffung neuer Kinderbetreuungsplätze – in dem Zeitraum dürfte sich das Angebot laut den Studienautoren nahezu verdoppelt haben. Nun stellt sich die Frage, ob das Parlament das Programm um weitere vier Jahre bis 2023 verlängern soll oder ob die Förderung nächstes Jahr ausläuft.

Die Befürworter einer Verlängerung stellen sich auf den Standpunkt, die Schweiz sei weiterhin ein «Entwicklungsland», was die Betreuungs-Infrastruktur anbelangt. Die bürgerlichen Gegner wenden ein, dass in Städten und Agglos teilweise bereits ein Überangebot bestehe. Wo weiterhin eine Nachfrage herrsche, sei es an Gemeinden und Kantonen, diese zu befriedigen – ohne Bundesgelder. Nachdem der Nationalrat im Juni einer Verlängerung knapp zugestimmt hat, ist nach der Sommerpause der Ständerat am Zug.

Gerade angelaufen ist zudem ein weiteres Förderprogramm, das nicht auf die Zahl der Betreuungsplätze abzielt, sondern den Bedürfnissen der Eltern Rechnung tragen will.

In den nächsten drei Jahren will der Bund insgesamt 100 Millionen Franken ausgeben, um die Eltern bei den Kita-Kosten zu entlasten. Dies allerdings nur indirekt: Wenn Kantone und Gemeinden ihre Subventionen für Krippenplätze erhöhen, erhalten sie dabei Unterstützung vom Bund. Auch andere Projekte, die das Angebot stärker auf die Bedürfnisse der Familien ausrichten, sollen Geld aus dem Topf erhalten – etwa Betreuungsangebote ausserhalb der üblichen Öffnungszeiten. Seit dem 1. Juli können entsprechende Gesuche eingereicht werden.

Eine zusätzliche Entlastung der Eltern strebt nun offenbar der Arbeitgeberverband an. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie müsse verbessert werden, sagt der Dossierverantwortliche Simon Wey gegenüber dem «Tages-Anzeiger». «Die Finanzierung ist Aufgabe der öffentlichen Hand.» Im November ist ein Treffen zwischen dem Verband und Vertretern der grossen Parteien geplant – nur Zusagen aus der SVP stehen noch aus. Es gehe darum, «eine breite Allianz zu schmieden» und zu zeigen, dass in der Frage Handlungsbedarf besteht, so Wey gegenüber der Zeitung.

Was ist mit anderen Betreuungsmodellen?

28 Prozent der Schweizer Eltern lassen ihre Kinder im Vorschulalter in einer Krippe betreuen. Dies haben die Autoren der eingangs erwähnten Studie auf Basis eines Datensatzes des Bundesamts für Statistik errechnet. Weitaus häufiger kommt in der Schweiz jedoch ein anderes Betreuungsmodell zum Zug: Ganze 45 Prozent der Familien lassen ihre Kinder regelmässig von den Grosseltern betreuen. 

In 15 Prozent der Familien fällt die Wahl auf eine Tagesfamilie, eine Nanny oder die Betreuung durch eine andere Privatperson. Mehrfachnennungen waren in der Befragung möglich – ein Kind kann also beispielsweise sowohl von den Grosseltern als auch in der Kita betreut werden.

grosseltern

Fast in jeder zweiten Familie betreuen Oma und Opa ihre Enkel regelmässig. Bild: shutterstock

Die Studienautoren empfehlen dem Bund, angesichts des «relevanten ungedeckten Bedarfs an familienergänzender Kinderbetreuung» nicht nur die Kitaplätze weiter zu fördern, sondern auch Initiativen zu unterstützen, die zur weiteren Verbreitung von Tagesfamilien beitragen. Diese haben aus Sicht der Forscher den Vorteil, dass sie «räumlich nahe Betreuungslösungen auch in weniger dicht besiedelten Regionen anbieten».

Insbesondere die SVP beklagt regelmässig, dass die Fremdbetreuung von Kindern in der Schweiz gegenüber der Eigenbetreuung bevorzugt werde. Eltern, die die Kinder selber betreuten, hätten das Nachsehen. Zuletzt entbrannte die Diskussion im Mai, als der Bundesrat an seinem Vorschlag festhielt, die Steuerabzüge für die Fremdbetreuung von Kindern auf 25'000 Franken pro Jahr zu erhöhen. Der Bundesrat will damit einem Fachkräftemangel entgegenwirken und verhindern, dass gut qualifizierte Frauen ihren Job nach der Geburt ihres Kindes an den Nagel hängen.

Wo sich die Schweiz in der Familienpolitik sonst noch vom Ausland unterscheidet:

«Ihr müsst mein Kind nicht toll finden, aber ...»

Video: watson/Emily Engkent

Von arm bis reich: Die Lieblingsspielzeuge von Kindern

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