Schweiz

Überraschende Studie: Neun von zehn Schweizern gehen abstimmen

Überraschende Studie: Neun von zehn Schweizern gehen abstimmen

16.02.2016, 10:0616.02.2016, 10:22

Neun von zehn Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger gehen zumindest ab und zu an die Urne. Der Anteil an Politikverdrossenen ist damit relativ gering, wie eine neue Studie zeigt. Gleichzeitig gibt es nur wenige «Musterdemokraten», die immer abstimmen gehen.

«Wenn wir zwanzig Abstimmungen betrachten, gehen über 90 Prozent mindestens ein Mal an die Urne»

«Die Schweizer und Schweizerinnen gehen relativ regelmässig an die Urne», sagte Studienautor Simon Lanz am Dienstag in der Sendung «HeuteMorgen» von Radio SRF1. Das Bild von der Schweiz als Land mit tiefer Stimmbeteiligung müsse überholt werden.

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Zwar lag die Stimmbeteiligung bei den eidgenössischen Abstimmungen vergangenes Jahr gemäss Bundesamt für Statistik nur bei knapp 43 Prozent. «Wenn wir zwanzig Abstimmungen betrachten, gehen aber über 90 Prozent mindestens ein Mal an die Urne», sagte Lanz. Über fünf Jahre gesehen, gebe es also nur 10 Prozent, die kein einziges Mal abstimmten.

«Wenn eine Kampagne intensiv und die Themen sehr eingängig sind, dann sind die selektiv Teilnehmenden sehr stark mobilisiert und gehen überdurchschnittlich an die Urne.»

Die Politologen legen die Latte allerdings tief – ein Mal in fünf Jahren an die Urne zu gehen, ist sehr wenig. Doch es zeige, dass diese Stimmbürger nicht komplett politikverdrossen seien, sagte Lanz. «Sie sind mobilisierbar und gehen von Zeit zu Zeit – auch wenn das nur ganz selten ist – an die Urne.»

Abstimmungen 2016

Gleichzeitig gibt es laut der Studie nur wenige Schweizer, die immer abstimmen gehen. Die Mehrheit hingegen nimmt an gewissen Abstimmungen teil und an anderen nicht. Diese Gruppe umfasse Junge und Alte sowie Frauen und Männer gleichermassen, schreiben die Politologen von der Universität Genf in einer Kurzfassung ihrer Studie auf dem Onlineportal DeFacto.

Eingängige Themen mobilisieren

Tendenziell haben diese sogenannt «selektiv Teilnehmenden» ein geringeres Interesse an Politik, keine Parteipräferenz und eher wenig politisches Wissen. Ihr politisches Profil ähnelt damit den Abstinenten, wie die Politologen schreiben.

Laut Lanz wird diese Gruppe stark durch einzelne Kampagnen beeinflusst. «Wenn eine Kampagne intensiv und die Themen sehr eingängig sind, dann sind die selektiv Teilnehmenden sehr stark mobilisiert und gehen überdurchschnittlich an die Urne», sagte Lanz. Als Beispiel nannte er die Asylpolitik.

Schule ist gefordert

Dass es in der Schweiz relativ wenig komplett Politikverdrossene und gleichzeitig auch nur wenige Musterdemokraten gibt, seien nicht zwingend schlechte Neuigkeiten, schreiben die Politologen. Interesse an Politik und politisches Wissen könnten etwa im Schulunterricht gefördert werden. Und das, so zeige die Analyse, könnte sich positiv auf die Stimmbeteiligung auswirken.

Die Politologen Pascal Sciarini, Fabio Cappelletti, Andreas C. Goldberg und Lanz stützten sich für die Studie auf Daten des Kantons Genf und auf die Schweizer Wahlstudie SELECTS aus dem Jahr 2011. Ihre Studie wird im «Swiss Political Science Review» erscheinen. (whr/sda)

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22 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Maon
16.02.2016 10:15registriert September 2014
Ich fände es super wenn es an den Schulen ein Pflichtfach Politik gäbe. Leider finden viele Klassenkameraden Politik uninteressant und langweilig. So nerven sie sich, weil ich sie mobilisieren will und ich nerve mich, weil sie sich nicht interessieren.
Ich habe immer die Einstellung besser eine Meinung (und wenn sie mir überhaupt nicht entspricht), als gar keine Meinung.
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seventhinkingsteps
16.02.2016 11:33registriert April 2015
Politik ist so lange uninteressant bis es das eigene Leben irgendwie beeinflusst. Länge deiner RS? Politik. 13ter Lohn? Politik. Parkbusse? Politik. Geschwindigkeitsgrenze? Politik. Manche Leute haben echt das Gefühl, Gesetze seien irgendwie gottgegeben.
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atomschlaf
16.02.2016 10:31registriert Juli 2015
Finde ich jetzt nicht dermassen überraschend. Ich finde es durchaus nachvollziehbar, dass es Leute gibt, die nur dann abstimmen gehen, wenn sie ein Thema interessiert und bewegt.
Allerdings verstehe ich auch diese immer wieder aufflammende Obsession mit der Stimmbeteiligung nicht ganz. In meinen Augen ist es besser, wenn nur jene Leute abstimmen, die sich auch mit einer Vorlage auseinandergesetzt und eine Meinung gebildet haben, statt blind Parteiparolen zu folgen.
Ich habe auch schon bewusst Abstimmungen ausgelassen, weil ich mich nicht für ein Ja oder Nein entscheiden konnte.
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