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Wahldebakel in Bern: Die Bürgerlichen schaufelten sich ihr eigenes Grab



Der neue Berner Gemeinderat mit Reto Nause, CVP, Alec von Graffenried, GFL, Ursula Wyss, SP, Franziska Teuscher, GB und Michael Aebersold, SP, von links, posiert im Rathaus, am Sonntag, 27. November 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Haben in Bern das Sagen: Nause, von Graffenried, Wyss, Teuscher und Aebersold Bild: KEYSTONE

Berns Bürgerliche haben in der Stadtregierung nichts mehr zu sagen. Für FDP und SVP ist das ein historischer Tiefpunkt. Überraschend kommt er allerdings nicht: Die beiden Parteien haben so ziemlich alles falsch gemacht, was man falsch machen kann.

In der Minderheit sind die Bürgerlichen zwar schon seit 1992. Damals kam eine Rot-Grün-Mitte-Allianz an die Macht, die das Wahlrecht geschickt ausnutzte und mit einem Wähleranteil von nur 49 Prozent die Mehrheit der Sitze holte. Seither konnte das Bündnis mehrmals zulegen und erreicht mittlerweile fast 62 Prozent.

Die Bürgerlichen behielten aber stets Zugang zum Gemeinderatszimmer. Der stolze Berner Freisinn war dort seit Einführung des Proporzwahlrechts im Jahr 1920 Dauergast. Damit ist jetzt Schluss, ihr letzter Magistrat Alexandre Schmidt wurde am Wochenende abgewählt.

Vorwerfen kann man ihm wenig, der Baselbieter hatte seine Finanzdirektion im Griff und führte einen engagierten Wahlkampf. Doch wenn im Proporz gewählt wird, wie es nur wenige Schweizer Städte tun, dann braucht man Verbündete – und die FDP hatte diesmal nur die praktisch bedeutungslose EDU als Partnerin.

Folgenschwerer Alleingang

Denn die SVP war es leid, nur die Steigbügelhalterin des Freisinns zu sein. Als stärkste bürgerliche Kraft in Bern wollte sie endlich zurück in die Regierung und trat deshalb alleine an. Das war ein ziemlich mutiger Entscheid.

Erich Hess, SVP, verfolgt mit Michelle Renaud, Moderatorin Telebaern, die Abstimmung  des ersten Wahlgang zum Stadtpraesidium, waehrend der Gemeinderatswahlen der Stadt Bern, am Sonntag, 27. November 2016, in Bern. Keiner der Kandidaten erreichten das absolute Mehr und es kommt zu einem zweiten Wahlgang. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nichts zu Lachen: Erich Hess. Bild: KEYSTONE

Für die nötigen Zugewinne beim Wähleranteil hätte die SVP nämlich zweierlei gebraucht: Attraktive Wahlthemen und überzeugende Kandidaten. Aus Sicht vieler Beobachter hatte die SVP weder das eine noch das andere. Der Dauerkampf für mehr Parkplätze und gegen die Reitschule war den Wählern wohl doch zu wenig.

Bekanntester Kandidat war der Rechtsausleger Erich Hess, der letztes Jahr überraschend Nationalrat geworden war. Ein Regierungsamt trauen ihm die Berner aber nicht zu. Dazu kamen ein gut aussehender Ex-Stadtratspräsident, ein aus Deutschland stammender Tierpark-Direktor, ein parteiloser Rocker und ein völlig unbekannter Landwirt – sie scheiterten alle grandios.

Im Nachhinein sei man immer klüger, kommentierte der SVP-Präsident den gescheiterten Alleingang. Es sei halt ein Versuch gewesen. Seinem Amtskollegen von der FDP ist auch klar, dass es den Bürgerlichen mit einer gemeinsamen Liste gereicht hätte. Über partei-interne Konsequenzen des Debakels wollte er aber nicht reden.

Nause machts vor

Wie man es besser macht, demonstrierte Reto Nause: Der CVP-Mann verteidigte seinen Sitz in der Stadtregierung einmal mehr, obwohl seine Partei in Bern praktisch inexistent ist und er von Freisinn und SVP nicht als «klassisch bürgerlich» wahrgenommen wird.

Der wiedergewaehlte Reto Nause, CVP, freut sich ueber seine Wahl in den Berner Gemeinderat, am Sonntag, 27. November 2016, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

CVP-Mann Nause freut sich. Bild: KEYSTONE

Nause kümmerte das wenig, er scharte einfach die Mitte-Parteien um sich, getreu dem Motto: Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen. Die Strategie hatte Erfolg – Nause sicherte sich das Restmandat.

Wie sehr sich die bürgerlichen Wähler von FDP und SVP entfremdet haben, zeigt die Stadtpräsidiumswahl. Viele Bürgerliche gaben lieber dem Grünen Alec von Graffenried ihre Stimme als eine der chancenlosen FDP- oder SVP-Kandidaturen zu unterstützen.

«Angst um Bern»

Er habe nicht Angst um sich, versicherte der abgewählte Freisinnige Schmidt – aber er habe Angst um die Stadt. Ein Teil der Bevölkerung werde nun nicht mehr in der Regierung vertreten sein. Dieses Interregnum dürfe höchstens vier Jahre dauern.

Rechnerisch gesehen müssten die Bürgerlichen 2020 in die Regierung zurückkehren. Aber wenn es jemand schaffen kann, sogar über diese recht tiefe Hürde zu stolpern, dann wohl die FDP und die SVP der Stadt Bern. (sda)

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