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In this April 14, 2020 photo, health workers help a patient suffering from COVID-19 disease, inside the field municipal Hospital Gilberto Novaes, in Manaus, Brazil. Federal authorities have recognized Manaus’ critical shortages, and have dispatched a few dozen ventilators, as well as 15 doctors and intensive care specialists from other states. (AP Photo/Edmar Barros)

Nicht immer von Nutzen: Beatmungsgeräte hätten oft keine Verbesserung der Krankheit zur Folge. Bild: AP

Was die Forscher von den Corona-Toten lernen

Das deutsche Robert-Koch-Institut hatte bisher aufgrund der Ansteckungsgefahr der Mediziner von Autopsien der COVID-19-Toten abgeraten. Neu wurden aber die Empfehlungen aufgehoben und die Untersuchungen bringen neue Erkenntnisse.



Das Robert-Koch-Institut in Deutschland hat seine bisherige Empfehlung, Corona-Tote aufgrund der Ansteckungsgefahr nicht zu obduzieren, wieder aufgehoben. Es gehe um den Forschungszweck und darum, im besten Fall Therapieoptionen ableiten zu können – und die Autopsie der Leichen hat viele Erkenntnisse gebracht.

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In der Schweiz wurden schon mehrere Opfer obduziert. Den Untersuchungen zu Folge litten alle Untersuchten unter Bluthochdruck, ein Grossteil war deutlich übergewichtig und die meisten waren männlich. Mehr als zwei Drittel wiesen vorgeschädigte Herzkranzgefässe auf, ein Drittel war an Diabetes erkrankt. Dies sagt Alexandar Tzankov, Leiter des Fachbereichs Autopsie am Uni-Spital in Basel gegenüber der Süddeutschen Zeitung – dort wurden bisher 20 Corona-Opfer obduziert.

Beatmungsgeräte nicht in jedem Fall von Nutzen

Bei der Untersuchung der Lunge ergab sich eine weitere Erkenntnis: Man könne dem Patienten so viel Sauerstoff geben, wie man will, dieser werde dann einfach nicht mehr weitertransportiert. Dies geschehe aufgrund der Lungenschädigung. «Die wenigsten Patienten hatten eine Lungenentzündung», sagt er, «sondern das, was wir unter dem Mikroskop gesehen haben, war eine schwere Störung der Mikrozirkulation der Lunge.» Das bedeute, dass der Sauerstoffaustausch nicht mehr funktioniere, und erkläre die Schwierigkeiten bei der Beatmung von Covid-19-Patienten auf den Intensivstationen.

«Man kann dem Patienten so viel Sauerstoff geben, wie man will, der wird dann einfach nicht mehr weitertransportiert.»

Alexandar Tzankov, Leiter Fachbereich Autopsie Uni-Spital Basel

Klaus Püschel, deutscher Rechtsmediziner, hat im Gespräch mit focus.de über seine Arbeit und die Obduktion der Corona-Toten gesprochen. Die Mitarbeiter der Pathologie seien mit Schutzkleidung ausgestattet und die Infektionsgefahr von Toten sei verhältnismässig klein – deshalb hielt er die Warnungen der deutschen Behörden für völlig übertrieben.

Die Massnahmen, die Deutschland ergriffen hatte, hält der Rechtsmediziner für angemessen. Das Ziel war, das Gesundheitssystem nicht auszulasten und wurde entsprechend erreicht. Nun halte er eine Lockerung für sinnvoll.

Viele Menschen, inklusive Püschel, seien nicht bereit, sich für eine lange Zeit zu isolieren. Deshalb sei es an der Zeit, eine grossflächige Immunität zu schaffen.

«Wir können von den Toten für die Lebenden lernen.»

Klaus Püschel, deutscher Rechtsmediziner

Man dürfe das Virus nun nicht mehr abstrakt betrachten. Stattdessen solle man sich mit der Realität in den Krankenhäusern auseinandersetzen. «Wir haben genug Betten, wir haben genug Kapazitäten, um Menschen zu beatmen», erklärt Püschel.

New Yorker Ärzte berichten das Gleiche

Diese Erkenntnisse der Pathologen decken sich auch mit den Aussagen von Ärzten, welche direkt mit COVID-19-Fällen zu tun haben. Zu Beginn dieser Pandemie hatte man noch nicht genug Kenntnisse, wie man die Corona-Patienten behandeln soll. Die New York Times hat verschiedene Ärzte dazu befragt. Der Tenor: Es sei schwerer als bei jeder anderen Krankheit, eine Entscheidung zu treffen, ob jemand an das Beatmungsgerät angeschlossen werden soll oder nicht – man möchte nicht jemanden beatmen, der es gar nicht nötig hat.

Eine Beatmung birgt nämlich auch Risiken. Es kann zur Schädigung der Lunge durch Druck, einer Lungenentzündung, einer Magenblähung und noch vielen weiteren Nebenwirkungen führen.

Ab wann wird ein Patient normalerweise beatmet?

Eine künstliche Beatmung kommt dann zum Einsatz, wenn der Betroffene nicht oder nur noch unzureichend selbst atmen kann. Die Beatmung ersetzt oder unterstützt die eigene Atmung von Patienten, deren Spontanatmung ausgefallen ist (Apnoe) oder nicht mehr für die Aufrechterhaltung der Körperfunktionen ausreicht. Dabei steigt der Kohlenstoffdioxid-Gehalt im Körper, während der Sauerstoff-Gehalt fällt. Grundsätzlich wird zwischen der nicht-invasiven Beatmung (NIV-Beatmung) über eine Maske und der invasiven Beatmung (IV) über einen Schlauch in der Luftröhre (Tubus) unterschieden. Je nach Krankheitsbild werden verschiedene Beatmungsformen angewandt.

Zu Beginn der Pandemie behandelte man Patienten mit Atemnot nach den Massgaben für die Therapie des akuten Atemnotsyndroms (ARDS). Ausgelöst durch eine Lungenentzündung oder einen Unfall kann die Lunge nicht mehr genug Sauerstoff aufnehmen, um die Organe zu versorgen. Dies sei aber aufgrund der bisherigen Erkenntnisse nicht immer der korrekte Weg.

Nur jeder dritte Patient, der in Grossbritannien auf der Intensivstation infolge COVID-19 beatmet werden musste, konnte lebend entlassen werden. Die Überlebenschancen der Patienten sind deutlich besser, wenn sie keine Beatmung benötigen. Dies zeigt eine Untersuchung des britischen «Intensive Care National Audit and Research Center» (ICNARC). Die Behandlungstechniken wurden nun weitgehend angepasst.

Jeder kann selbst entscheiden

In einer Patientenverfügung kann jeder für sich selbst festlegen, welche medizinischen Massnahmen im Notfall gewünscht sind oder nicht. Beim Coronavirus kann eine künstliche Beatmung notwendig werden. Wer keine künstliche Beatmung will, muss dies in der Patientenverfügung erfassen. Dies kann ohne Notar oder Anwalt jederzeit gemacht werden. Weitere Informationen und eine Vorlage findet ihr hier.

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