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Alain Berset am 24. November in Bern: «Aktuell ist die Belastung mit Corona-Patienten auf den Intensivstationen relativ tief.»
Alain Berset am 24. November in Bern: «Aktuell ist die Belastung mit Corona-Patienten auf den Intensivstationen relativ tief.»Bild: keystone

Was der Bundesrat vor einer Woche sagte – und wie es heute aussieht

Noch vor einer Woche sagte der Bundesrat, die Lage auf den Intensivstationen sei unter Kontrolle. Jetzt häufen sich Berichte von dramatischen Zuständen.
02.12.2021, 14:5102.12.2021, 15:04

Das sagte der Bundesrat vor einer Woche:

Rund eine Woche ist es her, da klang es in Bern noch so, als habe man in den Spitälern alles unter Kontrolle. Der Bundesrat verzichtete darauf, weitere Massnahmen im Kampf gegen das Coronavirus zu ergreifen.

Der Massstab des Bundesrates seien die «Spitalkapazitäten», sagte Berset am 24. November an der Pressekonferenz in Bern. Aber mit 20 Prozent Covid-Patienten auf den Intensivstation «kann man nicht sagen, dass die Lage ausser Kontrolle ist». Berset meinte: «Aktuell ist die Belastung mit Corona-Patienten auf den Intensivstationen relativ tief.»

Das war die Bundesrats-PK vom 24. November:

Da es grosse regionale Unterschiede gebe, müssten die Kantone Massnahmen ergreifen, so Berset. Man sei sich bewusst, dass die Strategie Risiken berge und viel von den Menschen in den Spitälern verlange. Aber: «Das ist eine Strategie, die sich bewährt hat.»

Berset verneinte an jenem Mittwoch, dass das Abwarten mit Massnahmen etwas mit der Abstimmung zum Covid-Gesetz zu tun habe, das am 28. November deutlich angenommen wurde.

Das sagte die Taskforce vor einer Woche:

Einen Tag bevor der Bundesrat beteuerte, dass die Lage unter Kontrolle sei, veröffentlichte die Covid-Taskforce des Bundes ein wissenschaftliches Update. Dieses steht im scharfen Kontrast zu den Aussagen der Landesregierung. Bereits am 23. November schrieb die Taskforce, dass bei gleichbleibender Dynamik im Dezember die gewohnte Behandlungsqualität nicht gewährleistet werden könne und Triage stattfinden müsste.

Ab 200 Covid-Intensivpatientinnen und Covid-Intensivpatienten werde es zur Verschiebung von Eingriffen kommen, warnte die Taskforce. Weit davon entfernt war man zu diesem Zeitpunkt nicht. Für den 24. November gab der Bund 184 Covid-Intensivpatientinnen und Covid-Intensivpatienten an.

Das wissenschaftliche Update der Taskforce vom 23. November:

Das sagen die Ärzte heute:

Nicht einmal eine Woche, nachdem der Bundesrat gesagt hatte, dass man die Lage unter Kontrolle habe, erzählen diverse Ärzte von dramatischen Situationen in den Spitälern.

Stephan Jakob, Chefarzt bei der Insel Gruppe in Bern, berichtete am 30. November von Personalengpässen. «Von 38 Betten können wir 28 betreiben. Im kommenden Monat noch 26. Wir haben zu wenig Personal, viele haben gekündigt, viele sind krank, auch länger krank. Grund dafür sind die letzten 21 Monate mit Covid. Die können einfach nicht mehr», so Jakob gegenüber SRF.

«Die Triage wird sicher kommen. Wenn nochmals eine Welle kommt, werden wir die Situation haben, dass zehn Patienten auf zwei Betten kommen.» In der ersten Welle habe man eine Liste mit 1000 Personen gehabt, die freiwillig ausgeholfen hätten, so Jakob weiter. «Diese Liste ist auf null jetzt». Man könne die Kapazitäten nicht mehr hochfahren wie noch in der letzten Welle. «Es ist ein Albtraum.»

Knapp sind die Ressourcen auch im Kantonsspital St.Gallen: «Wegen Kapazitätsengpässen auf den Intensivstationen müssen vereinzelt Eingriffe verschoben werden, allerdings (noch) nicht systematisch», sagt Philipp Lutz gegenüber CH Media.

Auch im Kanton Aargau ist die Lage äusserst angespannt. Vom Gesundheitsamt heisst es diese Woche: «Die aktuelle Lage zeigt sich als so angespannt wie noch nie. Aus diesem Grund kann das aktuelle Operationsprogramm nicht mehr aufrechterhalten werden und wir müssen beginnen, Eingriffe zu verschieben.»

Im Kanton Zürich waren die Spitäler am Dienstag am Limit. «Patienten, die auf die Intensivstation mussten, hatten kein Bett mehr zur Verfügung», sagte Peter Steiger, Intensivmediziner am Universitätsspital Zürich, gegenüber SRF. «Wir waren wie alle anderen Spitäler im Kanton Zürich voll belegt. Wir konnten die Patienten nicht auswärts verlegen. Es war wirklich schlimm.» (cma)

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