Schweiz Tourismus will Städte mit Sonntagsverkauf retten – Gewerkschaftler wehren sich
Weil in- und ausländische Gäste in den Schweizer Grosstädten fehlen, fordert der Schweizer Tourismusverband die Belebung der Innenstädte auch am Sonntag. «Nicht nur Gastronomie, sondern auch Detailhandel müssen in den innerstädtischen Tourismuszonen auch sonntags offen haben», fordert Schweiz Tourismus in einer Mitteilung.
«Unsere Gäste wollen lebendige Innenstädte erleben. Im Winter verlagert sich das touristische Erlebnis vermehrt nach innen. Damit gewinnt das gemütlich Stadterlebnis ‹Lädele› an grosser Bedeutung. Und das muss auch am Sonntag möglich sein. Sonst sehe ich schwarz für die Stadthotels», stellt Martin Nydegger von Schweiz Tourismus fest.
Gewerkschaftsbund wehrt sich
Von dieser Idee sind aber nicht alle begeistert. Luca Cirigliano, Zentralsekretär für Arbeitsrecht vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund, lehnt den Vorschlag klar ab.
Die Gastronomie könne bereits heute am Sonntag öffnen – das selbe gelte für Läden in Tourismuszonen, jedoch nur mit einem angepassten Sortiment. Es wäre missbräuchlich, Altstädte generell als Tourismuszonen zu definieren und somit Tausende von Arbeitnehmenden zu Sonntagsarbeit zu zwingen. «Sonntagsarbeit führt nachweislich zu gesundheitlichen Problemen und sozialer Vereinsamung», sagt Cirigliano.
Der Nutzen der Forderung wird von Cirigliano in Frage gestellt. Die fehlenden Gäste aus dem Ausland würden auch nicht in die Schweiz reisen, wenn die Läden am Sonntag geöffnet hätten. «Die Forderungen der Detaillisten zur Aufweichung des Arbeitsgesetztes sind nicht neu. Es ist nicht überraschend, dass die Laden-Lobby die Covid-Krise nun missbraucht.» Die Angriffe auf geltende Regeln und die Gesundheit der Arbeitnehmenden werde vom Schweizerischen Gewerkschaftsbund klar bekämpft, so Cirigliano.
Städte verlieren Kampf um Schweizer Touristen
Die Schweizerinnen und Schweizer haben ihre Sommerferien vermehrt in Bergregionen verbracht. Die Übernachtungen von einheimischen Gästen im Voralpen- und Alpenraum ist um ganze 53 Prozent im Vergleich zum Juli 2019 gestiegen. Und die Schweizerinnen und Schweizer bleiben so lange in den Bergferien, wie seit 2009 nicht mehr: durchschnittlich 2,7 Nächte (+ ca. 10 Prozent).
Nicht so bei den Grossstädten: Die Besuche der Einheimischen ist dort um ganze 41 Prozent zurückgegangen. Dies setzt neben dem drastischen Rückgang der ausländischen Touristen besonders zu. Kleinere Städte haben im Juli dagegen durchaus von Schweizer Hotelübernachtungen profitiert (+ 37 Prozent).
Neben den Grossstädten leiden aber auch Regionen mit internationalen Leuchtturm-Destinationen wie das Wallis (-13 Prozent) mit Zermatt und Verbier oder der Kanton Bern (-27 Prozent) mit Interlaken. Auch hier fehlen die Übersee-Gäste.
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