Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ARCHIVBILD ZUR MELDUNG DER INFORMATIONSSICHERUNGSSTELLE MELANI, DASS RUND 70'000 ZUGANGSDATEN ZU INTERNETDIENSTEN GESTOHLEN WURDEN, AM DIENSTAG, 5. DEZEMBER 2017 - A man types command lines into his laptop, pictured on November 26, 2009, posed picture. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Ein Mann tippt Befehlszeilen in seinen Laptop, aufgenommen am 26. November 2009, gestellte Aufnahme. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

3 Monate dauert es mindestens, bis Schweizer Strafverfolgungsbehörden eine Antwort aus den USA erhalten Bild: KEYSTONENeuer Daten-Rekord: Wie die Schweiz dank Google und Apple Kriminelle überführt

Neuer Daten-Rekord: Wie die Schweiz dank Google und Apple Kriminelle überführt

Strafverfolger haben 2017 so viele Nutzerdaten von Apple und Google verlangt wie nie zuvor. Mit Erfolg: Aus den USA fliessen immer mehr Informationen in die Schweiz. In Zukunft soll der Datenstrom aber noch viel grösser werden.

Andreas Maurer / Nordwestschweiz



Ein Musikpirat teilt seine Dateien auf einem Google-Konto. Ein Mädchen mobbt ein anderes auf Snapchat. Ein Islamist kommentiert ein Hinrichtungsvideo auf Facebook. Drei Fälle, eine Gemeinsamkeit: Wollen Strafverfolgungsbehörden Details darüber erfahren, sind sie auf Informationen von US-Konzernen angewiesen. Wer hat das Online-Konto registriert? Von welcher IP-Adresse aus wird es benutzt? Zu welchen Zeiten war der User aktiv?

Die meisten Anfragen für die Herausgabe von Nutzerinformationen stellen Schweizer Behörden an Apple und Google. Bei Apple geht es zum Beispiel um die Lokalisierung von iPhones oder um Geldflüsse auf iTunes, bei Google etwa um die Identifizierung von Gmail-Nutzern oder von Youtubern. Beide Firmen weisen für das erste Halbjahr 2017 einen Schweizer Rekord aus: Apple hat 342 Datenanfragen von hiesigen staatlichen Stellen erhalten. Das sind in einem halben Jahr mehr als im gesamten Jahr 2016 und entspricht fast zwei Anfragen pro Tag. Google weist 150 Schweizer Gesuche für das erste Halbjahr aus. Das sind fünfzig Prozent mehr als in der vorangehenden Periode.

In der Mehrheit der Fälle erhalten die Schweizer Behörden zumindest einen Teil der gewünschten Daten. Apple geht auf vier von fünf Gesuchen aus der Schweiz ein. Google akzeptiert zwei Drittel. Die Erfolgsquoten sind stabil oder steigend.

In regelmässigem Austausch stehen Schweizer Ermittler zudem mit Microsoft. Im ersten Halbjahr 2017 registrierte der Konzern 80 Anfragen aus der Schweiz, zu 50 lieferte er Daten. Facebook publiziert die neusten Zahlen erst in den nächsten Tagen, wies zuletzt allerdings eine sehr tiefe Erfolgsquote für Schweizer Behörden aus. Von 50 Anfragen im zweiten Halbjahr 2016 beurteilten Facebook-Juristen nur jede vierte als gerechtfertigt.

FILE - In this May 16, 2012, file photo, the Facebook logo is displayed on an iPad in Philadelphia. Russia's communications watchdog has threatened to block access to Facebook next year if the company does not store its data locally. Alexander Zharov, chief of the Federal Communications Agency, told Russian news agencies on Tuesday Sept. 26, 2017, that they will work to

Die Facebook-Juristen sehen nur jede vierte Anfrage als gerechtfertigt.  Bild: AP/AP

Digitale Spuren als Beweismittel

Der Absender der Datenanfragen ist in den meisten Fällen das Bundesamt für Polizei (Fedpol). Die Polizeibehörde stellt sie für eigene Ermittlungen, bei denen es um Terror, Staatsschutz, Korruption oder Geldwäscherei geht, sowie als Koordinationsstelle für Verfahren von kantonalen Behörden, zum Beispiel bei Cyberbetrugsfällen. Sprecherin Cathy Maret bestätigt, dass die Gesuche zugenommen haben. Meistens wollten die Ermittler die IP-Adresse zu einem Benutzernamen oder einer Mailadresse wissen, um herauszufinden, wer dahinter stecke.

«Kriminelle kommunizieren wie alle Leute immer öfter digital. Deshalb werden digitale Spuren vor Gericht zunehmend als Hauptbeweismittel verwendet», sagt Maret. Die Fedpol-Spezialisten hätten mit ihren Datenanfragen immer mehr Erfolg, nicht weil die Konzerne besser kooperieren würden, sondern weil die Ermittler mehr Erfahrung hätten: «Sie wissen inzwischen besser, was sie fragen müssen, damit sie eine Antwort kriegen.»

A man uses his mobile phone near a Apple store logo in Beijing, China, Friday, May 13, 2016. Apple Inc. has invested $1 billion in Chinese ride-hailing service Didi Chuxing, the main competitor in China for Uber Technologies Ltd. (AP Photo/Ng Han Guan)

Besonders viele Daten übermittelt Apple.  Bild: AP/AP

Die Amerikaner geben Daten nur für Delikte heraus, die sowohl in der Schweiz als auch in den USA strafbar sind. Ein Problem ist dies bei Ehrverletzungen, die in der Schweiz strafrechtlich verfolgt werden, in den USA aber auf dem Zivilweg gelöst werden. Zudem ist die Meinungsfreiheit in Amerika umfassender und schützt auch Gewaltverherrlichungen, die in der Schweiz verboten sind.

Langsamer Datenfluss

Die transatlantischen Datenlieferungen waren dieses Jahr zwar so umfangreich wie nie zuvor. Bis die Informationen ankommen, verstreicht aber viel Zeit. Stephan Walder, Leiter des Zürcher Kompetenzzentrums für Cybercrime, sagt: «Heute dauert es mindestens drei Monate, bis wir eine Antwort aus den USA erhalten. Dabei würden wir sie innert Minuten oder Tagen benötigen.» Manchmal dauere es sogar anderthalb Jahre. Wenn die Schweiz eine Chance haben wolle bei der Bekämpfung von Cybercrime, müsse die Rechtshilfe vereinfacht und beschleunigt werden.

Der Zürcher Staatsanwalt fordert: «Am besten wäre für uns, wenn wir die Daten bei einer Schweizer Niederlassung der Social-Media-Konzerne in Echtzeit abfragen könnten. Technisch wäre das wohl schon heute möglich.» Doch das Bundesgericht entschied vor einem Jahr, dass Schweizer Vertretungen von Google und Facebook keine Daten herausgeben müssen. Die Ermittler müssen beim Hauptsitz vorstellig werden. SP-Präsident Christian Levrat reichte darauf einen Vorstoss für eine neue Gesetzesvorschrift ein, die der Bundesrat aber ablehnt. Der Vorschlag sei nicht umsetzbar. Derzeit wird er von der Rechtskommission beraten. Sollte er durchkommen, würden die Rekordwerte von heute weit übertroffen. Aus dem Datenfluss würde eine Datenflut werden. 

Das könnte dich auch interessieren:

«Es ist absurd» – der Chef erklärt, was er vom Feminismus hält

Link zum Artikel

Vorsicht, jetzt kommt die Wohnmobil-Rezession!

Link zum Artikel

Du bist ein Schwing-Banause? Wir klären dich rechtzeitig fürs Eidgenössische auf

Link zum Artikel

Zug steckt während 3 Stunden zwischen Grenchen und Biel fest – Passagiere wurden evakuiert

Link zum Artikel

Apples Update-Schlamassel – gefährliche iOS-Lücke steht zurzeit wieder offen

Link zum Artikel

So viel verdient dein Lehrer – der grosse Schweizer Lohnreport 2019

Link zum Artikel

Prügelt Trump die amerikanische Wirtschaft in eine Rezession?

Link zum Artikel

Schweizer Firmen wollen keine Raucher einstellen – weil sie (angeblich) stinken

Link zum Artikel

Liam und Emma sind die beliebtesten Namen der Schweiz – wie sieht es in deinem Kanton aus?

Link zum Artikel

AfD-Politikerin Alice Weidel ist heimlich wieder in die Schweiz gezogen

Link zum Artikel

Mein Horror-Erlebnis im Militär – und was ich daraus lernte

Link zum Artikel

2 mal 3 macht 4! – Das wurde aus den Darstellern von «Pippi Langstrumpf»

Link zum Artikel

Greta Thunberg wollte Panik säen, erntet nun aber Wut

Link zum Artikel

Pasta mit Tomatensauce? OK, wir müssen kurz reden.

Link zum Artikel

«Es war die Hölle» – dieser Schweizer war am ersten Woodstock dabei

Link zum Artikel

Oppos Reno 5G ist ein spektakuläres Smartphone – das seiner Zeit voraus ist

Link zum Artikel

MEI, Minarett und Güsel: Das musst du zum Polit-Röstigraben wissen

Link zum Artikel

Ich hab die 3 neuen Huawei-Handys 2 Monate im Alltag getestet – es gab einen klaren Sieger

Link zum Artikel

Keine Hoffnung auf Überlebende nach Unwetter im Wallis ++ Gesperrte Pässe in Graubünden

Link zum Artikel

Immer wieder Djokovic – oder Federers Kampf gegen die Dämonen der Vergangenheit

Link zum Artikel

QDH: Huber ist in den Ferien. Wir haben ihn vorher noch ein bisschen gequält

Link zum Artikel

YB-Fan lehnt sich im Extrazug aus dem Fenster – und wird von Schild getroffen

Link zum Artikel

10 Tweets, die zeigen, dass in Grönland gerade etwas komplett schief läuft

Link zum Artikel

Wahlvorschau: Die Zentralschweiz ist diesmal nicht nur für Rot-Grün ein hartes Pflaster

Link zum Artikel

Sogar Taschenrechner verwirrt: Dieses Mathe-Rätsel macht gerade alle verrückt

Link zum Artikel

Die bizarre Geschichte der Skinwalker-Ranch, Teil 4: Die Zweifel des Insiders

Link zum Artikel

Uli, der Unsportliche – warum GC-Trainer Forte in Aarau unten durch ist

Link zum Artikel

Die Bloggerin, die 22 Holocaust-Opfer erfand, ist tot, ihre Fantasie war grenzenlos

Link zum Artikel

Google enthüllt sechs Sicherheitslücken in iOS – das solltest du wissen

Link zum Artikel

Der neue Tarantino? Ist Mist. Aber vielleicht seht ihr das ganz anders

Link zum Artikel

Wohin ist denn eigentlich die Hitzewelle verschwunden? Nun, die Antwort ist beunruhigend

Link zum Artikel

Gewalt und Krankheiten – die Bewohner der ersten Steinzeit-Stadt lebten gefährlich

Link zum Artikel

Ab heute lebt die Welt auf Ökopump – und diese Länder sind die grössten Umweltsünder

Link zum Artikel

ARD-Moderatorin lästert über «Fortnite»-Spieler und erntet Shitstorm – nun wehrt sie sich

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

11
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Retro99 07.12.2017 13:35
    Highlight Highlight Habe von einem Anwalt, der auch Richter ist gehört dass ein Rechtshilfeersuchen vor allem bei solchen Angelegenheiten (Ehrverletzungen etc. welche nicht Verbrechen sind), bei den Sozialen Medien mind. 1 Jahr dauere, bis man etwas erhält. Vor allem Facebook lehnt bei solchen Angelegenheiten fast immer eine Anfrage. Naja, kann man als Opfer solcher Taten kaum was machen.
  • RatioRegat 06.12.2017 11:02
    Highlight Highlight Bei Ehrverletzungsdelikten fehlt es für die Rechtshilfe oftmals am Erfordernis einer Strafe von mind. einem Jahr. Das Strafmass der üblen Nachrede beträgt 180 Tagessätze. Bei der Verleumdung liegt das Strafmass hingegen höher.
  • Rolf Meyer 06.12.2017 08:02
    Highlight Highlight Ich dachte Apple hilft den Behörden nicht mal beim Entsperren eines Geräts. Da gab es doch mehrere Fälle in der USA. Gezielte Datenanfragen werden dann wohl beantwortet. Jedoch nur wenn ein Strafbefehl vorliegt, ja? Oder auch bereits bei einer Anzeige?
    • Madison Pierce 06.12.2017 09:08
      Highlight Highlight Apple hat (oder sagt das zumindest) keine Hintertüren bei den Geräten eingebaut. Sie können den Behörden also keine Geräte entsperren und weigern sich auch, Hintertüren einzubauen.

      Daten, die sie haben, geben sie aber selbstverständlich heraus, wenn sie gesetzlich dazu verpflichtet sind.
    • p4trick 06.12.2017 09:46
      Highlight Highlight Das machen alle Firmen genau gleich. Oder denkst du Facebook, Google oder Microsoft würden die Daten ohne weiteres rausgeben? Alle geben genau gleich viele Daten raus, alle unterstehen dem amerikanischen Recht und alle haben sie Anwälte.
    • RatioRegat 06.12.2017 10:52
      Highlight Highlight Es kommt hier auf die Art der Anfrage an. Bei Rechtshilfegesuchen muss die Straftat eine gewisse Schwere aufweisen.
      Strafanzeige und Strafantrag sind hierfür aber keine relevanten Kategorien. Eine Strafanzeige, kann einen hinreichenden Tatverdacht begründen, wenn die Anschuldigugen gut belegt sind. Der Strafbefehl ist ein Urteilsvorschlag zuhanden des Beschuldigten, weshalb er keine Voraussetzung für die herausgabe von Beweisen sein kann - andernfalls würde es um unser Justizsystem schlecht stehen.
    Weitere Antworten anzeigen
  • oXiVanisher 06.12.2017 07:06
    Highlight Highlight Live-Zugriff auf die Daten eines Musik-Piraten... Haben die noch alle Tassen im Schrank? Ich sage nichts bei Terror, Pädophilen usw. Aber ganz offensichtlich (und leider nicht überraschend) sind die Grenzen zwischen den Vergehen sehr verwaschen und wenn das so weiter geht, gibt es keine Privatsphäre mehr. Ich finde das äusserst besorgniserregend.
    • alessandro 06.12.2017 08:06
      Highlight Highlight Sorry für den Blitzer, ich hab mich vertippt. Es ist tatsächlich erbärmlich, genau wie Hausdurchsuchungen aufgrund von Piraterie-Vergehen.
    • word up 06.12.2017 09:13
      Highlight Highlight man kann nicht alles haben, letztes jahr hat das schweizer volk (wir) über mehr überwachung positiv abgestimmt. dass s
      das nommen würde ist nur eine frage der zeit. ob nun gerade eine live überwachung läift oder nicht, können wir nicht wissen. fakt ist, dass auf kosten der privatsphäre auch mehr sicherheit gegeben sein kann...
    • Karl Müller 06.12.2017 09:34
      Highlight Highlight Warum soll das zur "Privatsphäre" gehören, wenn jemand unerlaubterweise Musikdateien mit der ganzen Welt teilt? Würdest du dich auch weigern, beim Schwarzfahren deinen Ausweis zu zeigen, weil du ja kein "Terrorist" bist?

Revolut-Konto gehackt? Schweizer verliert 30'000 Franken

Revolut will das Online-Banking revolutionieren. Doch nun haben Kriminelle einen Schweizer Kunden um 30'000 Franken erleichtert. Die britische Online-Bank untersucht den Vorfall.

Im Minutentakt buchen Unbekannte einem Schweizer Revolut-Nutzer jeweils 5'000 Franken von seinem Konto ab. Nach wenigen Minuten sind so 30'000 Franken verloren. Das Konto bei der Online-Finanzdienstleisterin sei gehackt worden, schreibt der «Tages-Anzeiger» (Artikel kostenpflichtig). Die Kriminellen verschafften sich demnach Zugang zu seinem Revolut-Konto, das mit einer Visa-Kreditkarte der UBS hinterlegt ist. Laut Bericht luden die Unbekannten «die Revolut-Prepaid-Karte mit 5'000er-Beträgen …

Artikel lesen
Link zum Artikel