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Zuerst stirbt der Diesel, dann der Benziner: Warum das E-Auto gewinnt

Immer mehr Menschen laden statt tanken.
Immer mehr Menschen laden statt tanken.Bild: Shutterstock

Zuerst stirbt der Diesel, dann der Benziner: Warum das E-Auto nun gewinnt

Europa erlebt einen nie gesehenen Höhenflug des E-Autos. In der Schweiz sind Stromer gar erstmals die beliebteste Antriebsart. Dafür gibt es mehrere Gründe.
31.10.2026, 15:5931.10.2026, 17:53

In Brüssel zanken Politiker weiter über die Aufweichung des Verbrenner-Aus, aber die Kunden laufen der veralteten Technologie in Scharen davon. War 2018 in Europa erst einer von 100 neu zugelassenen Personenwagen ein Elektroauto, ist nun fast jede dritte Pkw-Neuzulassung ein Stromer.

Der Marktanteil vollelektrischer E-Autos in Europa steigt

In Europa ist der E-Auto-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen von Anfang 2018 bis September 2026 von 1 Prozent auf 30,5 Prozent gestiegen.
In Europa ist der E-Auto-Anteil an den Pkw-Neuzulassungen von Anfang 2018 bis September 2026 von 1 Prozent auf 30,5 Prozent gestiegen.grafik: @electric_nick_

Europaweit entschieden sich im September 30,5 Prozent der privaten und gewerblichen Neuwagenkäufer für ein E-Auto, 60 Prozent mehr als im September vor einem Jahr. In einem Monat kamen mehr als 416'000 vollelektrische E-Autos auf die Strassen. Laut dem Datenportal Ember Energy sind aktuell 9,38 Millionen E-Autos in der EU eingelöst.

E-Autos legen bei den Neuzulassungen in der EU zu, Hybride stagnieren und Verbrenner verlieren

Neuzulassungen von 2023 bis 2026: E-Autos dürften Hybridautos bald als beliebteste Antriebsart in Europa ablösen.
Neuzulassungen von 2023 bis 2026: E-Autos dürften Hybridautos bald als beliebteste Antriebsart in Europa ablösen.bild: ember-energy

Während E-Autos 2026 vor dem endgültigen Durchbruch stehen, scheint das Schicksal reiner Benzin- und Dieselautos besiegelt – sie verlieren rasch Marktanteile.

Der Elektroauto-Aufschwung erfasst immer mehr Länder: In Belgien und den Niederlanden machen vollelektrische E-Autos im September erstmals über die Hälfte der eingelösten Neuwagen aus – und in den nächsten Monaten werden Stromer wohl auch in Schweden, Irland und Portugal die 50-Prozent-Hürde überspringen. Noch etwas länger dauert es in Frankreich, Deutschland und auch bei uns.

E-Auto-Anteil an den Neuwagen-Zulassungen im September 2026:

  • Norwegen 99 % (Anteil am Fahrzeugbestand: 35 %)
  • Dänemark: 89 % (Bestand: 24 %)
  • Island: 82 %
  • Finnland: 62 % (Bestand: 8 %)
  • Niederlande: 53 %
  • Belgien: 51 %
  • Irland: 49 %
  • Schweden: 49 % (Bestand: 10 %)
  • Portugal: 48 %
  • Frankreich: 42%
  • Schweiz: 36 % (Bestand: 6 %)
  • Deutschland: 35 %
  • Österreich 34 %
  • Grossbritannien: 28 %
  • Spanien: 19 %
  • Italien: 8 %
  • Polen: 6 %
  • Kroatien: 4 %

Anteil E-Autos an den Neuzulassungen in Europa

In Norwegen entscheiden sich 99 Prozent für ein E-Auto, in Italien erst 8 Prozent.
In Norwegen entscheiden sich 99 Prozent für ein E-Auto, in Italien erst 8 Prozent.bild: Troels Christensen / quelle: ACEA

In der Schweiz waren im September 36 Prozent der neu zugelassenen Autos reine Stromer – ein neuer Rekord. E-Autos waren bei uns erstmals gefragter als Hybridautos (32 %), während reine Benziner (17 %) und Diesel (4 %) ziemlich schnell Auslaufmodelle werden. Jeder zehnte Kunde griff zu einem Plug-in-Hybrid.

Die folgende Grafik zeigt es: Die Blütezeit der Hybridautos war wohl nur von kurzer Dauer, die Zukunft gehört den Stromern.

E-Autos sind nun bei den Neuzulassungen die beliebteste Antriebsart in der Schweiz

Bei Neuwagen sind E-Autos erstmals beliebter als alle anderen Antriebsarten.
Bei Neuwagen sind E-Autos erstmals beliebter als alle anderen Antriebsarten. bild: ember ev sals data tracker

Europa erlebt 2026 eine neue E-Auto-Welle – und diesmal sind es nicht primär Technikenthusiasten oder Umweltbewusste, die aufs E-Auto umsteigen, sondern Unternehmen und pragmatisch denkende Menschen. Konsumenten also, die rational entscheiden und anscheinend vermehrt zum Schluss kommen, dass das E-Auto die finanziell klügere Wahl ist.

Es sind Benzinpreise jenseits von 2 Franken, günstigere E-Autos und tendenziell sinkende Strompreise, welche die Enscheidung zugunsten des Stromers bei uns begünstigen. Es gibt aber noch weitere Gründe, die vielleicht weniger offensichtlich sind.

Gründe für den E-Auto-Höhenflug

E-Autos sind im Betrieb günstiger und hohe Benzinpreise vergrössern den Vorteil

Im Betrieb waren E-Autos in Europa im Jahr 2025 im Durchschnitt 33 Prozent günstiger als vergleichbare Verbrenner. Dies hat die umweltorientierte Organisation International Council on Clean Transportation (ICCT) für die EU berechnet (PDF). Wird das E-Auto privat und öffentlich geladen, entstanden im Schnitt Kosten von 7,40 Euro auf 100 Kilometern, beim Benziner 11,00 Euro.

Mit den stark gestiegenen Benzinpreisen im laufenden Jahr weitet sich der Kostenvorteil der E-Autos nochmals aus. Und es gilt: Je öfter das Auto zu Hause günstig lädt und je seltener teure Schnelllader angesteuert werden, desto grösser fällt der Vorteil des Stromers aus. In den nächsten Jahren könnte der Preisabstand weiter wachsen, da mit der Verschärfung des EU-Emissionshandels Benzin teurer wird.

Eine aktuelle Vollkostenrechnung von TCS und Energie Schweiz rechnet vor, dass man hierzulande mit einem E-Auto gegenüber einem vergleichbaren Verbrenner jährlich über 1000 Franken sparen kann (bei 15'000 gefahrenen Kilometern pro Jahr). Und selbst mit der vom Bundesrat geplanten Steuer auf E-Autos würde ein Stromer weiterhin billiger fahren.

Günstige E-Autos werden besser

Auch wenn das E-Auto in einer Gesamtkostenrechnung fast immer gewinnt, verzögerten höhere Anschaffungspreise seinen schnellen Siegeszug. Doch dies ändert sich. Laut Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) sanken die Preise neuer Elektroautos zwischen 2020 und 2025 inflationsbereinigt um 18 Prozent, gleichzeitig wurden Verbrenner leicht teurer.

Die Preisschere zwischen E-Auto und Verbrenner schliesst sich zuerst in der Ober- und Mittelklasse, aber auch die Auswahl an preiswerten und guten Elektrokleinwagen steigt. Immer mehr Modelle für etwa 20'000 bis 30'000 Franken drängen auf den Markt – und sie werden laufend besser. Dies zeigt das Preis-Leistungs-Ranking der Einstiegsmodelle im aktuellen «Electricar E-Auto-Report.» Dieser regelmässig erscheinende Report setzt den Preis ins Verhältnis zu Reichweite, Verbrauch, Ladegeschwindigkeit, Motorleistung und Kofferraumvolumen.

Das wichtigste Ergebnis: Die neuesten Einstiegsmodelle bieten mehr fürs Geld als frühere Elektro-Kleinwagen, die den Kunden zu viele Kompromisse abverlangten.

Wische auf dem Handy auf der Tabelle nach links, um alle Spalten zu sehen.

Auf den ersten Rängen finden sich nicht zwingend die günstigsten Modellvarianten, sondern jene, die das beste Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Beispielsweise gibt es den Skoda Epiq auf Rang 2 inzwischen mit einem kleineren Akku bereits ab 25'900 Franken, aber dieses ganz neue Basismodell wurde im Ranking noch nicht berücksichtigt oder es hat sich nicht in den Top 10 platziert.

Da mittlerweile auch kleine E-Autos konkurrenzfähig werden und das Laden von Strom meist günstiger als das Tanken ist, rechnet sich der Umstieg umso schneller.

Einschränkend gilt: Selbst diese kleinen E-Autos sind weiterhin für viele zu teuer, aber die heute verkauften Elektromodelle sind die günstigen Elektro-Occasionen von morgen.

Renault Twingo E-Tech Electric
Renault verkauft den Twingo Electric für knapp 20'000 Franken. In einigen Jahren ist er gebraucht für unter 10'000 Franken zu haben.Bild: Renault

Galt bis vor wenigen Jahren, dass die Auswahl im Einstiegssegment sehr überschaubar war, so trifft dies heute nicht mehr zu.

Kleine Elektromodelle (Auswahl):

Die Modellauswahl wächst

In der Vergangenheit griffen viele zum Benziner oder Hybrid, teils schlicht weil die Modellauswahl weit grösser war. Auch dies ändert sich. 2026 können Konsumenten in der Schweiz aus über 100 verschiedenen E-Autos bzw. über 300 Modellvarianten auswählen. Nebst den bekannten Marken sind es chinesische Hersteller wie BYD, Geely und Leapmotor, welche die Modellvielfalt spürbar vergrössern.

Mit Blick auf die Ankündigungen der Hersteller wird deutlich, dass die Modellpalette bis Ende des Jahrzehnts nochmals massiv wachsen wird. Dies ist wichtig, da manche Kunden weiter Verbrenner fahren, solange es für ihren Benziner kein Stromer-Pendant gibt. Wer beispielsweise seiner Marke treu bleiben möchte, dort aber keinen Elektro-Kombi findet, wird halt wieder einen Verbrenner-Kombi kaufen. Die Modellvielfalt wird daher zentral, um in den kommenden Jahren auch die besonders skeptischen und zögernden Kunden zu überzeugen.

Parallel werden die Hersteller aus Kostengründen ihre Verbrenner-Auswahl stark zurückfahren. Zuerst werden die Diesel-Varianten verschwinden, danach die Benziner. Den neuen 3er-BMW gibt es beispielsweise nicht mehr als Diesel, da die Nachfrage laut BMW zu gering sei.

Staatliche Förderung wirkt

Ein zentraler Grund für den Stromer-Boom in Europa sind staatliche Anreize. Die aktuellen Förderprogramme in Deutschland, Frankreich oder Spanien entfalten ihre gewünschte Wirkung.

Auch in Frankreich und Spanien kommt das E-Auto dank staatlicher Förderung in Fahrt.
Auch in Frankreich und Spanien kommt das E-Auto dank staatlicher Förderung in Fahrt. grafik: @electric_nick_

In Portugal war im September jeder zweite eingelöste Neuwagen ein E-Auto, in Dänemark fuhren gar neun von zehn Neuzulassungen rein elektrisch. Der Grund: Die hohe Registrierungssteuer macht in Dänemark Verbrenner fast doppelt so teuer wie vergleichbare elektrische Modelle. Neue Benzinautos werden folglich kaum noch gekauft, weil es sich finanziell schlicht nicht lohnt.

Ein weiterer Grund für den Aufschwung des E-Autos sind die immer strengeren Flottengrenzwerte in der EU, also Vorgaben für die Hersteller, wie viel CO₂ ihre verkauften Fahrzeuge durchschnittlich ausstossen dürfen. Die Autobauer konnten die CO₂-Vorgaben zunächst mit Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen einhalten, aber nun können Strafzahlungen nur noch mit schnell steigenden E-Auto-Verkäufen verhindert werden. Genau darum hat Subaru vergangene Woche angekündigt, in Europa alle Verbrenner aus dem Programm zu nehmen und ab 2028 nur noch E-Autos anzubieten.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Die staatliche Förderung ist der Türöffner, aber die dauerhaft niedrigeren Betriebskosten, der Wettbewerbsdruck und somit sinkende Preise sowie die grössere Auswahl an immer besseren E-Autos sind die nachhaltigsten Treiber des Stromer-Wachstums.

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