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Bund gerät bei Strom-Fragen weiter in die Kritik: «Verschwenden eine Unmenge an Energie»

07.08.2022, 11:4807.08.2022, 13:20

Spätestens seit Russland seine Gaslieferungen in den Westen gedrosselt hat, ist die drohende Energiekrise in der Schweizer Politik eines der ganz grossen Themen. Viele befürchten, dass es aufgrund der Engpässe während der kalten Jahreszeit zu einer Mangellage kommen kann. «Die Schweiz ist keine Insel, die Situation ist unberechenbar», warnte kürzlich auch Bundesrätin und Energieministerin Simonetta Sommaruga.

Energieministerin Simonetta Sommaruga steht derzeit immer wieder in der Kritik.
Energieministerin Simonetta Sommaruga steht derzeit immer wieder in der Kritik.Bild: keystone

Im Gegensatz zu anderen Ländern wird in der Schweiz mit konkreten Massnahmen allerdings gewartet. Während Spanien etwa in der vergangenen Woche das Kühlen oder Heizen an gewissen Orten einschränkte, liess es der Bund zuletzt bei einer Ankündigung, die Bevölkerung Ende August «sensibilisieren» zu wollen. Sommaruga wurde für ihre Politik zuletzt von diversen Seiten kritisiert – SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi etwa warf ihr diese Woche vor, sie mache ihren Job nicht.

Kampagne wird kleiner gefahren als bei Corona

Wie ein Bericht der «NZZ am Sonntag» nun zeigt, ist der Bund bei der Thematik bisher auch in Sachen Budget zurückhaltend. Wie das Bundesamt für Energie (BfE) der Zeitung mitteilte, beträgt das derzeitige Budget für die Kampagne rund 2 Millionen Franken. Damit ist es deutlich tiefer als noch jenes zur Sensibilisierung gegen das Coronavirus – dafür wurden innert zweieinhalb Jahren rund 30 Millionen ausgegeben.

Wie das BfE zudem bestätigte, wird vorerst auf explizite Aufrufe zum Stromsparen verzichtet. Es handle sich in einem ersten Schritt um eine Sensibilisierungskampagne, welche die Bevölkerung mit Tipps zum Stromsparen animieren soll. Dringliche Appelle würden erst in einem zweiten Schritt kommen, sollte dies für nötig empfunden werden.

Plakate mit solchen Aufrufen wird es fürs Stromsparen vorerst nicht geben.
Plakate mit solchen Aufrufen wird es fürs Stromsparen vorerst nicht geben.Bild: KEYSTONE

Strom könnte relativ einfach gespart werden

Für die weitgehend ausbleibenden Massnahmen zum Energiesparen gibt es derweil weiter Kritik. «Wir verschwenden Unmengen von Energie», so etwa Stella Jegher, Abteilungsleiterin Politik von Pro Natura, gegenüber dem «SonntagsBlick». Allein beim täglichen Verbrauch sei es nämlich möglich, einen Drittel des Stroms einzusparen – «ohne es zu merken». Doch auch dafür brauche es Vorgaben und Anreize auf politischer Ebene.

Ähnlich sieht auch Werner Luginbühl, der Präsident der staatlichen Regulierungsbehörde im Elektrizitätsbereich (Elcom), die Situation. Momentan werde «völlig gedankenlos» mit Strom umgegangen, so der oberste Stromaufseher des Landes gegenüber der «NZZ am Sonntag». «Er ist immer da, und wir brauchen ihn einfach. Wenn wir uns nur ein wenig bewusster würden, dass jederzeit fliessender Strom keine Selbstverständlichkeit ist, könnten wir viel erreichen», so Luginbühl.

Werner Luginbühl bei einer Medienkonferenz im Juni.
Werner Luginbühl bei einer Medienkonferenz im Juni.Bild: keystone

Auch er ist der Meinung, der Bund habe das Problem nicht rechtzeitig angepackt. Luginbühl kritisiert, dass die Politik die jahrelangen Warnungen der Elcom vor einer Strommangellage im Winter zu wenig ernst genommen habe. Der Ukraine-Krieg habe die Situation nun aber stärker zugespitzt, als es selbst die Elcom erwartet hatte. «Die Situation in den letzten Monaten hat gezeigt, dass wir das Thema Versorgungssicherheit viel entschiedener und entschlossener angehen müssen», sagte Luginbühl.

Kerzen und Brennholz könnten helfen

Es bestehe das Risiko, dass Europa in eine grossflächige Strom- und Gasmangellage gerate. Das würde auch bedeuten, dass Frankreich – sonst ein Hauptlieferant – als Stromquelle im Winter wegfiele. Je nach Situation würden dann eventuell Deutschland und Italien als Lieferanten infrage kommen, so Luginbühl. Die neuen Notreserven der Schweizer Stauseen reichten nur für die gröbsten Engpässe während zwei bis sechs Wochen.

Luginbühl rät der Bevölkerung somit, auf den Winter hin Sicherheitsvorkehrungen zu treffen. «Da ist es sicher ratsam, genügend Kerzen im Haus zu haben», sagt er. «Und wer einen Holzofen hat, sollte sich mit genügend Brennholz eindecken.» Dennoch sieht er keinen Grund zur Panik. So hält er Vergleiche mit Drittweltländern für unbegründet. Das stundenweise Abschalten des Stroms sei zwar nicht ausgeschlossen, doch er ist überzeugt: Eine solche Situation wäre zu bewältigen. (dab)

Mit Material von Keystone-SDA

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387 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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DieFeuerlilie
07.08.2022 12:23registriert März 2017
"SVP-Fraktionschef Thomas Aeschi etwa warf ihr [Sommaruga] diese Woche vor, sie mache ihren Job nicht."

Und wenn sie der Bevölkerung Vorschriften machen, oder gar Verbote aussprechen würde, dann würde Aeschi garantiert über eine Gängelung des mündigen Bürgers schimpfen..
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Subjekt
07.08.2022 11:58registriert Januar 2022
Und was soll ich mit Kerzen? Licht wird definitiv unser kleinstes Problem darstellen!
So viele unserer Geräte sind auf Strom angewiesen, vom Kühlschrank bis zum Rasierer, und uns wird geraten, Kerzen und Brennholz zu horten wie vor 100 Jahren. 🙄
"Kauft warme Socken und Pullover für den Winter" wäre definitiv ein sinnvollerer Rat.
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Dan Schraubergott
07.08.2022 12:38registriert März 2021
Diese "Informationen" und "Vorkehrungen" (Kauft Kerzen und Holz / spart Strom) an die Bevölkerung/ "Privaten", zeigen doch gut die Hilf- und Planlosigkeit von Regierung sowie den Unwillen der Industrie, auch an sich selber die mahnenden Worte zu richten. Selbstredend kann jeder und jede mit bewusstem Umgang mit "Gas/ Wasser/Strom" einen Beitrag leisten, aber dir Illusion dass alles fällt und steht mit den Privaten/Haushalten ist doch gar etwas kurz gegriffen. Da müsste ALLE rann, vom Bundesrat über die Industrie (auch die Unterhaltung, Künste/Künstler, Sport uvm), bis zum Singelhaushalt.
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