DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
epa06827612 Pilgrims wait for Holy Mass of Pope Francis, inside the Palexpo hall, in Geneva, Switzerland, 21 June 2018. Pope Francis visit the World Council of Churches on 21 June as centrepiece of the ecumenical commemoration of the WCC's 70th anniversary.  EPA/JEAN-CHRISTOPHE BOTT

Aufregung in der Palexpo-Halle in Genf. Bild: EPA/KEYSTONE

Jung und fromm: So fiebern die Papst-Groupies ihrem Helden entgegen 

Sie sind jung, gläubig und heute an der Papst-Messe in Genf. Was treibt diese Menschen an, die Schule zu schwänzen, extra bei der Arbeit freizunehmen oder ewig lange mit dem Auto im Stau zu stehen, um hierher zu kommen? 

Camille kündig, genf 



Habemus Papam. Seit heute Morgen 10 nach 10 atmet der heilige Vater Schweizer Luft. Franziskus kam mit dem Flugzeug und ist nun zu Fuss unterwegs, ohne sein Papst-Mobil. 

Fromme Katholiken sind ganz aus dem Häuschen. Ist es doch schon 14 Jahre her, seit ein katholisches Oberhaupt, damals Papst Johannes-Paul II, in der Schweiz eine Messe abhielt. Nun wird Franziskus um 17.30 Uhr in der Genfer Palexpo-Halle die Eucharistiefeier halten.

Die 41'000 Plätze für die Gläubigen waren im Nu vergeben. Für die insgesamt erwarteten 50'000 Besucherinnen und Besucher setzen die SBB gar neun Extrazüge ein – und das in Zeiten, wo sich die Kirchen immer mehr leeren. Der Kostenpunkt dieser grossen Aufregung: Rund zwei Millionen Franken. Ausgaben, die das Bistum Freiburg an den Rand des Ruins treiben, wie SRF berichtete.

Franziskus gilt als liberaler als seine Vorgänger. Doch mit seiner Definition des Familienbegriffs sorgte der Pontifex erst wenige Tage vor seinem Schweiz-Besuch für Aufsehen. Seiner Ansicht nach können nur Männer und Frauen eine Familie sein – er schliesst damit homosexuelle Paare klar aus. Zudem lobte er Frauen, die ihren fremdgehenden Männern vergeben. Auch sein Vergleich von Abtreibungen mit Programmen der Nationalsozialisten erregte Aufmerksamkeit.

Nota bene ...

watson hätte gerne mit Papst Franziskus über diese und andere Themen gesprochen. Der Pressedienst des Kirchenoberhaupts schlug ein Interview jedoch aus und antwortet trocken einzig mit den Worten: «It is not possible.»

Die Fans interessieren die Kontroversen um das Kirchenoberhaupt jedoch wenig. Wenn Franziskus auf die Bühne tritt, schwingen sie Fahnen und Banner, klatschen, juchzen, rufen seinen Namen. Warum die Kritik an ihrem Oberhaupt an ihnen abprallt, erzählen die Papst-Groupies selbst. 

Florian (19) aus Genf

Bild

«Ich nehme jede Woche an der Messe teil. Das ist für mich ein zentraler Aspekt meines Lebens. Ich stehe ganz auf der Papst-Linie. Auch in Bezug auf das Familienbild und Abtreibungen. Gott liebt alle, das ist klar. Aber eine Familie entsteht nun einfach aus einer Beziehung zwischen Mann und Frau. Sex vor der Ehe? Wir sündigen ja alle. Aber eigentlich bin ich der Meinung, dass wir warten sollten. Ich habe das jedenfalls vor.»

Mendonça (31) aus Brasilien

Bild

«Ich bin momentan zu Besuch in der Schweiz und die Papst-Messe konnte ich mir als gläubige Christin natürlich nicht entgehen lassen. Für mich wird das ein bewegender Moment. Den Papst zu sehen ist für mich einer der prägendsten Momente meines Lebens. Ich finde, die Kirche hat sich in den letzten Jahren bereits sehr geöffnet und ist viel toleranter geworden. Das sollten die Leute schon auch sehen.»

Cen (58) aus Rolle VD

Bild

«Wissen Sie, ich bin IV-Bezüger. Seit Jahren habe ich mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen – und Gott gibt mir dabei Kraft. Papst Franziskus bewundere ich besonders. Er ist der Papst der Armen, lebt selbst simpel und lehnt jegliche Privilegien ab. Ich komme ursprünglich aus einem Land, in dem es viele Muslime gibt. Auch ihnen gegenüber zeigt sich Papst Franziskus offen und tolerant. Das ist wichtig für mich und zeigt mir, was für ein guter Mensch er ist.»

Célia und Julien (17) aus Genf

Bild

«Wir sind in erster Linie hier, weil mein Vater sehr gläubig ist, und es ihn freut, dass wir das hier als Familie zusammen erleben. Wir beide sind zwar katholisch, aber nicht streng gläubig. Uns stört die konservative Haltung der Kirche. Es wäre Zeit, dass sie sich unserem Zeitalter anpasst. Ganz besonders in Bezug auf die Homo-Ehe.»

Julien.

Claire, Oriane und Magalie (16) aus Saint-Maurice VS

Bild

«Wir sind mit unserer Schule da. Freiwillig. Viele blieben lieber in den Klassenzimmern, wir waren aber sofort begeistert und wollten unbedingt an der Messe teilnehmen. So etwas erlebt man vielleicht nur einmal im Leben. Wir hoffen, dass es ein intensives und schönes Erlebnis wird. Zwar geht keine von uns regelmässig in die Kirche, aber der Glauben ist ein wichtiger Teil von uns.»

Ein lockerer Priester (35) aus Frankreich

Bild

«Ich bin dem Papst schon durch die ganze Welt gefolgt. Heute bin ich mit 60 Personen aus meiner Gemeinde hier. Mit meinem Look falle ich oft auf, aber eigentlich erhalte ich nur positive Feedbacks. Die Leute kommen immer weniger in die Kirche, also müssen wir sie halt dort abholen, wo sie sind. Deshalb gehe ich auch oft an Partys und ein Glas Bier liegt ebenfalls gut drin.»

Touristen aus England

Bild

«Wir sind nur hier, weil wir auf den Abflug unseres Flugzeugs warten und neugierig waren zu sehen, wer an ein solches Event geht. Die Abflugsbahn ist ja nur ein paar Meter von der Palexpo-Halle entfernt. Schon lustig, dass sich so viele Leute für die Papst-Messe begeistern. Aber wenn sie Freude daran haben, na gut. Schadet ja niemandem.»

Nathan (15) aus dem Wallis

Bild

«Ich freue mich mega, heute hier zu sein. Das wird ein einmaliges Erlebnis. Kritik am Papst und der Kirche allgemein ist mir egal. Ich finde Papst Franziskus super und glaube, dass sich dank ihm auch wieder mehr Junge für die Religion interessieren.»

Die vietnamesisch-katholische Gemeinde der Schweiz

Bild

«Von unserem Verein sind heute 400 Leute hier. Für uns ist es ein solch grosses Privileg, dass der Papst hierher kommt, dass alle teilnehmen wollten. Der Glauben gibt uns Kraft, mit ihm sind wir nie alleine. Heute wollen wir das zelebrieren und Danke sagen.»

Khiet, 50, Vereinspräsident Romandie

Vom Winde verweht: Der Papst wurde mal Opfer eines Photoshop-Battles

1 / 30
Vom Winde verweht: Der Papst wird Opfer eines Photoshop-Battles
quelle: epa/reuters pool / tony gentile / pool
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Maria Valentina rappt für den Papst

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

CO₂-Gesetz könnte kippen: Städte verzeichnen tiefe Stimmbeteiligung

Die Städte melden tiefe Stimmbeteiligungen. Das CO2-Gesetz wird angesichts Umfragewerte durch die Schlussmobilisierung entschieden werden.

Am kommenden Sonntag steht fest, wie sich die Klimapolitik der Schweiz entwickeln wird. Die Stimmbevölkerung entscheidet in einem Referendum über das CO2-Gesetz, dessen Chancen derzeit alles andere als gut stehen. Dies zeigen die repräsentativen Umfragen von gfs.bern und SRF, die vor der Abstimmung veröffentlicht wurden.

Gründe für die schlechten Chancen dürften in der urbanen, städtischen Bevölkerung zu finden sein: Diese befürwortet zwar gemäss jüngsten Umfragen mehrheitlich das …

Artikel lesen
Link zum Artikel