Schweiz
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Thomas N. links, und Renate Senn, rechts,  Pflichtverteidigerin beim Prozess um den Vierfachmord von Rupperswil vor dem Bezirksgericht Lenzburg in Schafisheim (AG) am Dienstag, 13. Maerz 2018.  (KEYSTONE/Sibylle Heusser)

Thomas N. mit seiner Pflichtverteidigerin Renate Senn. Bild: KEYSTONE

Sie muss Thomas N. verteidigen – der schwierige Job der Renate Senn

Wer einen mutmasslichen Vierfachmörder verteidigt, kriegt keine Sympathiepunkte. Selbst dann, wenn man nur in die zugedachte Rolle schlüpft. So ergeht es der Pflichtverteidigerin von Thomas N., die aber auch von einem Berufskollegen kritisiert wird.



Renate Senn, 47, Pflichtverteidigerin von Thomas N. Ihr Job: Einen mutmasslichen Vierfachmörder in Schutz nehmen. Ihr Mandant habe es eigentlich darauf angelegt, verhaftet zu werden, sagte Senn vor Gericht. Doch Thomas N. habe nicht damit gerechnet, «dass ihm die Opfer derart in die Karte spielen würden».

Wer einen Vierfachmörder verteidigt, der wird gehasst. Wer den Opfern dabei eine Mitschuld gibt, auf den prasselt noch mehr Wut. Senn wird derzeit heftig kritisiert. Auf Facebook wünscht ein User Verteidigerin und Mandant unverblümt den Tod, und auch auf Twitter muss die Anwältin einstecken. 

Doch es sind nicht nur Wutbürger, für die Senn das Letzte ist. Auch der «Blick» übt Kritik, schreibt von einer «Killer-Anwältin», die die Opfer der Gewalttat verhöhne. 

Screenshot Blick Senn

Die «Blick»-Schlagzeile nach Senns Plädoyer. Bild: Screenshot blick.ch

Gehasst werden, weil man einen Mörder verteidigt. Rechtsanwalt Thomas Fingerhuth kennt dies aus eigener Erfahrung. «Damit muss man in diesem Business rechnen», sagt Fingerhuth, für den es gefühlsmässig keinen Unterschied macht, ob er jetzt einen Mörder oder Dieb verteidigt.

Fingerhuth war der Pflichtverteidiger eines 37-Jährigen, der einen ihm unbekannten Mann mit einer Pistole erschoss. Er war der Pflichtverteidiger eines 26-Jährigen, der seine Schwiegermutter mit einer angebrochenen Flasche tödlich verletzte. Und er war Pflichtverteidiger der «Zwillingsmörderin von Horgen», die ihre Kinder getötet hatte.

Thomas Fingerhuth, Verteidiger von Bianca G., vor dem Zuercher Obergericht am Donnerstag, 5. Dezember 2013. Das Obergericht hat die Horgener Zwillingsmoerderin Bianca G. zu einer lebenslaenglichen Freiheitsstrafe verurteilt, verbunden mit einer ambulanten Therapie. Es folgte damit der Vorinstanz. In der Nacht auf Heiligabend 2007 hatte die Schweizerin in Horgen ihre siebenjaehrigen Zwillinge, einen Bub und ein Maedchen, im Schlaf erstickt. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Thomas Fingerhuth verteidigte schon einige schwere Straftäter. Bild: KEYSTONE

«Im Fall Rupperswil ist es für die Verteidigung sehr schwierig, den richtigen Ton zu treffen,» sagt Fingerhuth, der betont, dass er den Fall zu wenig kenne, um das Plädoyer von Senn zu bewerten. Doch ganz generell lasse sich sagen: «Der Strafverteidiger muss einseitig auf der Seite seines Mandanten stehen.» Er müsse das tun, was dem Mandanten am meisten nütze. «Dabei kann man nicht darauf Rücksicht nehmen, dass man keine Befindlichkeiten verletzt.» Auch nicht die der Opfer. «Die haben ihre eigenen Anwälte.» 

«Der Strafverteidiger muss einseitig auf der Seite seines Mandanten stehen.»

Thomas Fingerhuth

In einem Gerichtsprozess sind die Rollen klar zugeteilt. Doch in der Öffentlichkeit ist man sich dessen teils zu wenig bewusst. Oder wie es die Autorin des wissenschaftlichen Artikels «Strafverteidigung – Grenzen der Wahrung von Parteiinteressen» ausdrückt: Es erstaune wenig, «wenn die Öffentlichkeit die eigentliche Aufgabe des Strafverteidigers verkennt und ihn oft als Gehilfen des Verbrechens betrachtet, welcher den gesellschaftlichen Wunsch nach Vergeltung des getanen Unrechts, nach Ruhe und Ordnung torpediert». Dabei werde allerdings übersehen, «dass der Strafverteidiger einzig den Interessen seines Mandanten verpflichtet ist und gerade dadurch seinen Dienst an der Rechtsordnung leistet».

Auch Rechtsanwalt Urs Huber hatte schon brisante Fälle. So verteidigte er vor Gericht den 29-jährigen Doppelmörder A.K., der in Zollikon 2014 seine Eltern mit 57 Messerstichen umbrachte. Zudem vertrat Huber die Fluchthelferin Angela Magdici.

Der erfahrene Anwalt zeigte sich vom Auftritt der Pflichtverteidigerin Renate Senn wenig überzeugt. Seiner Meinung nach darf man die Opfer nie zu Tätern machen und beim Plädieren müsse man grossen Bedacht darauf legen, welche Formulierungen man verwende. Opferverletzende Aussagen wie ‹der Missbrauch des Sohnes habe nur 20 Minuten gedauert›, seien deplatziert und respektlos. «In Anbetracht des Umstandes, dass Thomas N. den Vierfachmord zugegeben hat, bringt eine derartige Verteidigung sowieso rein gar nichts mehr», sagt Huber.

Die ehemalige Gefaengnisaufseherin Angela Magdici, rechts, und ihr Anwalt Urs Huber, links, vor dem Bezirksgericht in Dietikon, am Dienstag, 24. Januar 2017. Angela Magdici steht am Dienstag vor dem Bezirksgericht Dietikon. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr Entweichenlassen eines Haeftlings, Beguenstigung sowie grobe Verletzung der Verkehrsregeln und Sachentziehung vor. Sieben Monate soll sie absitzen, weil sie einen Haeftling aus dem Gefaengnis Limmattal befreit hatte und mit ihm nach Italien geflohen war. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Urs Huber war auch der Anwalt von Angela Magdici (rechts), die Gefängniswärterin, die einen Häftling freigelassen hatte. Bild: KEYSTONE

Einen Mörder zu verteidigen, empfindet Huber allgemein nicht als belastend. Als Pflichtverteidiger und erbetener Verteidiger übernimmt er solche Mandate, da sie zu seinem Beruf gehören, den er aus Überzeugung gewählt habe.

Einen Fall Rupperswil zu handhaben, sei für einen erfahrenen Strafverteidiger vom Juristischen her nicht besonders anspruchsvoll, erläutert der Rechtsanwalt weiter. «Die übernommene Verantwortung dafür aber sehr gross und die Taktik und Wortwahl muss in einem solch massiven Fall doppelt gut überlegt sein.»

Pflichtverteidiger können die ihnen zugeteilten Fälle ablehnen, tun dies in der Regel aber nicht. Auch Renate Senn nicht. «Die Staatsanwaltschaft hat mir die schwierige Aufgabe übertragen», hielt sie in einer Medienmitteilung 2016 fest, nachdem ihr Thomas N. als Mandant zugeteilt wurde. Sie versprach im Schreiben, sie werde ihre Arbeit «mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen, denen unfassbares Leid angetan wurde». Sie werde dem Beschuldigten nicht als Sprachrohr dienen.

Diese mitfühlende Geste löste in Anwaltskreisen Kritik aus. Ein Verteidiger dürfe sich nicht von seinem Mandanten distanzieren, hiess es von verschiedenen Seiten. Und Fingerhuth kritisierte damals in einem Interview mit der «SonntagsZeitung»: «Wer, wenn nicht sein Verteidiger, ist das Sprachrohr eines Täters?» Im selben Jahr, in einem Online-Artikel der «Aargauer Zeitung», kommentierte ein Leser: «Frau Renate Senn tut mir einfach nur leid. Wie sie es machen wird, wird es nicht recht sein.»

Barbara Loppacher, 43, Staatsanwältin im Fall Rupperswil. Ihr Job: Die Anklage vertreten – dafür sorgen, dass der mutmassliche Täter Thomas N. bestraft wird. Auch sie ist derzeit Thema auf den sozialen Medien. Ein User schreibt: «Hoch lebe Frau Loppacher!»

watson-Reporter William Stern am 2. Prozesstag

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Gerichtsverhandlung Vierfachmord Rupperswil

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43Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Fulehung1950 16.03.2018 21:53
    Highlight Highlight „Die Verteidiger der Angeklagten - häufig Pflichtverteidiger - mußten vom vorsitzenden Richter genehmigt werden. Eine wirkungsvolle Verteidigung war nicht erwünscht und daher - auch durch gezielte Behinderungen sowie durch Einflußnahme der Verteidiger - kaum möglich.“

    So war die Rolle der Pflichtverteidiger vor dem deutschen Volksgerichtshof.

    Ich bin froh, dass bei uns Pflichtverteidiger noch die Freiheit haben, ihren Jpb nach bestem Wissen und Gewissen zu tun. Und sei es au h nur, um den Mandanten vor der lebenslangen Verwahrung zu bewahren.

    Ich bin aber froh, dass ihr das nicht gelang.
    • Fulehung1950 17.03.2018 15:42
      Highlight Highlight Ich meinte, dass sie die „normale“Verwahrung verhindern wollte. Das ist ihr nicht gelungen. Die „lebenslange“ war wohl kein Thema mehr, als die Gutachter mit der Therapierbarkeit übereinstimmten.
  • Platon 16.03.2018 17:19
    Highlight Highlight Als ich gestern, natürlich bloss aus Versehen, den Blick aufschlug, musste ich fast kotzen, welche Schmutzkampagne gegen die "Killeranwältin" Senn aufgefahren wird. Wir leben hier in einem Rechtsstaat. Das Recht auf einen fairen Prozess mit Verteidigung stellt dabei eines der fundamentalsten Prinzipien dar. Dieser Prozess gegen Thomas N. hat unserem Rechtsstaat grossen schaden zugefügt, vor allem durch die Medien. Jedes Detail wird bis aufs Letzte ausgelutscht, alle geben ihren doofen Senf dazu, es fühlt sich an wie im Mittelalter. Unwürdige Zustände, für unseren Rechtssaat wie für die Opfer.
  • Sherelock 16.03.2018 14:03
    Highlight Highlight Ein Verteidiger spricht aus Sicht des Klienten. Dies hat Frau Senn getan. Sie hat die Opfer nicht verhöhnt, wenn schon hat es Thomas N. getan. Die Aussage der Verhöhnung vom Blick ist Unterstellung, falsche Interpretation, Verleumdung und Rufmord.
    Keiner der hasserfüllten Kritiker und Hobby-Juristen - angestiftet von der Hetzjagd von Blick auf die Pflichtverteidigerin - würde hinstehen und diesen Job machen. Respekt an Frau Senn, obwohl ich auch nicht alles so gesagt hätte. Hat nicht der Blick im Vorfeld einen falschen Täter verdächtigt? Meine Antwort: Blick ignorieren.
  • Baba 16.03.2018 11:00
    Highlight Highlight Zum Glück kennt unser Rechtssystem die (Pflicht-)Verteidigung. Frau Senn ist definitiv für diesen Job nicht zu beneiden und sie hat klar die Aufgabe, für ihren Mandanten zu schauen.
    Mit ihrer Aussage, dass der Missbrauch ja 'nur 20 Minuten gedauert' und nicht 'außerordentlich grausam' (sinngemäss) gewesen sei, hat sie mMn aber eine ethische Grenze überschritten. Das ist eine Verharmlosung eines unsäglichen Verbrechens und eine Verhöhnung des Opfers! Nicht gut.
    Inzwischen ist das Urteil des Bezirksgericht Lenzburg bekannt und ich hoffe, Herr N. hat den Anstand, das Urteil nicht weiterzuziehen!
  • drüber Nachgedacht 16.03.2018 09:49
    Highlight Highlight Wie kann jemand einem Pflichtverteidiger den Tod wünschen???

    Hätte diese Person auch den Mut dies zu schreiben, wenn sie es nicht anonym machen könnte? Wie würde wohl der Arbeitgeber dieser Person reagieren?
    Wie ernst würden wir die Aussage der Person nehmen, wenn wir sie kennen würden?

    Wenn wir einen Verwirrten auf einem Platz sehen, der üble Parolen von sich schreit, können wir uns ein Bild von ihm machen.
    Dies ist bei all den anonymen Kommentaren nicht der Fall. (Könnte ja sein, dass die bewusst von Medien geschrieben werden, um daraus eine Story zu machen...)
  • Karl Bukowski 16.03.2018 09:20
    Highlight Highlight Dieser Fall hat schon viele Opfer. Und Frau Senn macht sich zum nächsten...
  • fandustic 16.03.2018 09:06
    Highlight Highlight Klar ist es eine undankbare Aufgabe. Nur hätte sie sich bei ihrem Plädoyer einfach auf ihren Mandanten und die Anträge der Staatsanwaltschaft fokussieren sollen und nicht noch die Opfer miteinbeziehen. Den die Taten kann man nicht relativieren oder in ein anderes (besseres) Licht rücken, indem man z.Bsp. beim Missbrauch von einer Dauer von „nur“ 20min spricht und auch das Verhalten der Opfer anspricht, welche sehr kooperativ und keine Gegenwehr geleistet haben sollen. Dies hätte ihr eigentlich auch klar sein sollen. Klassisches Eigentor und dafür darf man sie auch kritisieren.
  • Pia Loosli 16.03.2018 08:55
    Highlight Highlight Frau Loppacher macht ihren Job- wenn auch PR mässig etwas fragwürdig, recht gut und sie wird nicht gewinnen. Der Teufel wird zu lebenslanger Haft (früher Zuchthaus) verurteilt. Eine Verwahrung wäre in diesem Fall wohl leider illegal. Was hingegen ziemlich sicher erwartet werden darf ist dass das Urteil weitergezogen wird- schätze mal durch die Staatsanwaltschaft. Ziel wird sein 2 Gutachten zu erzeugen die eine Verwahrung ermöglichen. Ein solcher Teufel wie dieser Thomas N. hat meines erachtens keinerlei Rechte mehr und gehört weggeräumt. Für alle Zeiten!
    • Gar Manarnar 16.03.2018 09:06
      Highlight Highlight Du weisst aber schon, dass es auch noch die ordentliche Verwahrung gibt? Eine solche kann immer noch verhängt werden.
  • Citation Needed 16.03.2018 08:54
    Highlight Highlight Man kann die Wortwahl kritisieren. Ich wäre wohl diplomatischer. Aber gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man zu schwammig wird und Prägnanz einbüsst, wenn man die Worte auf die Goldwaage legt.

    Darum finde ich soll man nicht mit dem Elektronenmikroskop jede Nuance ihrer Aussagen analysieren, sondern sie auch mal ihren Job machen lassen.

    Zudem würde ich erwarten, dass Juristen, die sie kritisieren, dies direkt, sachlich-fachlich und konstruktiv tun statt via Medien. Das ist billig und unkollegial.
  • flyingdutch18 16.03.2018 08:53
    Highlight Highlight Sie macht ihre Arbeit nicht gut. Zuerst, nach der Verhaftung des Angeklagten, hatte man den Eindruck, sie stehe nicht voll hinter seiner Verteidigung, und jetzt im Prozess verhöhnt sie die Opfer und Angehörigen.
  • Citation Needed 16.03.2018 08:46
    Highlight Highlight Unsere Rollenerwartungen an Frauen beinhalten traditionellerweise Empathie, Mitgefühl, Fürsorge.., generell Emotionalität. Bei der Rolle, die Senn am Gericht innehat darf sie aber diese Eigenschaften nicht vertreten, sondern sie muss sachlich sein und Erklärung/Entlastung für den Täter bringen, nicht Mitgefühl für die Opfer.

    Ich bin sicher dass, wäre sie ein Mann, die Leute nicht so heftig auf ihre Aussagen reagieren würden.

    Wahrscheinlich hätte man bei einem Fall, der so grausam ist, einen Mann als Verteidiger stellen sollen, damit die Leute nicht so durchrasten.
    • Raudrhar 16.03.2018 09:18
      Highlight Highlight Eben deswegen gerade nicht, finde ich. Bzw. eben gerade deswegen "völlig egal ob m oder w"
    • Citation Needed 16.03.2018 10:49
      Highlight Highlight hehe, wiedermal chli Blitzli sammeln.
      ;-)

      Finde ich auch, Benji, sonst ändert sich nie was. Nur kommen Pionierinnen mächtig unter die Räder. Und jede muss entscheiden, ob sie den Job machen will UND sich massiv exponieren.
      Klar, auch ein Mann würde bei einem so aufwühlenden Fall kritisch beäugt. Dennoch werden Frauen medial stärker sanktioniert als Männer, immer wenn sie in nicht weiblich konnotierten Rollen erscheinen. Männer kommen auch dran, wenn sie die Rollenerwartungen verlassen, liebe Blitzies! Conchita schon vergessen? ;-)
  • irgendwie so: 16.03.2018 08:32
    Highlight Highlight Juristische Urteile dürfen bei aller Betroffenheit nie von Emotionen bestimmt werden, sonst haben wir bald wieder die Lynchjustiz.
    Schön, wenn Watson darauf hinweist.
    Gänzlich unverantwortlich ist es, wenn Emotionen geschürt werden, auch in einem Fall wie hier.
    Ich werde das Gefühl nicht los, es gehe medial bei diesem Emotionalisieren nur noch um Unterhaltung auf Kosten der Opfer und der Täter
  • HeforShe 16.03.2018 08:30
    Highlight Highlight Die wenigsten haben ein Problem mit ihrem Beruf und den folgenden Konsequenzen: das bestmögliche Resultat aus juristischer Sicht für ihren Mandanten herausholen.

    Trotz ein paar Ausreissern habe ich nicht den Eindruck, als ob die Bevölkerung Selbstjustiz verüben will, sie verfolgt einfach aufmerksam diesen Fall - der aufgrund der Grausamkeit, aber auch der Bedrohung nunmal emotionale Gespräche auslöst.

    Die Ansprechpartner sind hierbei jedoch Medien und Politik, die Justiz macht ihre Arbeit unbeeinflusst und das ist unglaublich wichtig. 1/2
  • Citation Needed 16.03.2018 08:29
    Highlight Highlight Es gibt ja diese Werbung in der Feuerwehrleuten, Hebammen, Müllmännern, Kassierern, Kindergärtnern, usw gedankt wird und sie antworten "aber ich mach ja nur min Job."
    Bei Leuten, die wie Senn eine sehr unpopuläre Aufgabe haben, sollte man sich genauso bewusst sein, dass sie nur ihren Job machen. Einen schwierigen, hässlichen Job. Sie muss versuchen, jedes potentiell entlastende Element für den Angeklagten einzubringen. Tut sie es nicht, DANN macht sie ihren Job nicht. Ihre einzige Chance im Moment nicht medial gehated zu werden ist ihren Job NICHT zu machen. Das ist aber keine Option.
  • lilie 16.03.2018 08:29
    Highlight Highlight Frau Senn hat eine sehr anspruchsvolle Aufgabe. Als Pflichtverteidigerin muss sie das Beste für ihren Mandanten herausholen - in einem Fall, der durch die mediale Aufmerksamkeit von allen mit der Lupe durchleuchtet wird. Und dabei wird vermutlich niemand den Täter in Schutz nehmen.

    Das in einem solch emotionalen Prozess auch einmal falsche oder missverstänfliche Worte fallen, ist fast unvermeidlich. Kein Mensch ist perfekt.

    Trotzdem, einiges hätte man sicher geschickter formulieren können. Das wichtigste aber ist immer noch, dass es zu einer angemessenen Strafe kommt.
  • N. Y. P. D. 16.03.2018 07:55
    Highlight Highlight ..sie werde ihre Arbeit «mit allem Respekt und mit Würde gegenüber den Opfern und den Hinterbliebenen wahrnehmen, denen unfassbares Leid angetan wurde»

    ‹der Missbrauch des Sohnes habe nur 20 Minuten gedauert›

    2 Zitate von Pflichtverteidigerin Senn.


    Der erfahrene Rechtsanwalt Urs Huber hat recht. Er ist wenig überzeugt vom Vorgehen von Frau Senn.
    Ersteres Zitat ist sehr unprofessionell, weil sie sich von Thomas N distanziert und ihr zweites Zitat dünkt mich, als käme es direkt von einem Stammtisch.
    • Citation Needed 16.03.2018 08:38
      Highlight Highlight Sie muss ja abgrenzen von Fällen, in denen Opfer z.B. tagelang festgehalten und wiederholt missbraucht wurden. Es gibt eben nicht nur gut und böse, es gibt Schattierungen, die muss sie rausarbeiten. Das Gericht weiss mit solchen Aussagen umzugehen und wird die relevante Information daraus entnehmen.
      Das Problem ist, dass gewisse Revolverblätter nur schwarz und weiss, gut und böse kennen und jeden Fall auf dieses simple Schema runterbrechen. Es ist sensationsgeil, sonst nichts. Und es ist verantwortungslos, wie diese Frau gerade medial angegangen wird.
    • Gar Manarnar 16.03.2018 08:38
      Highlight Highlight Aber wie Herr Huber sagt, sie ist Sprachrohr vom Beschuldigten. Diese Worte sind daher als seine, und nicht ihre persönlichen Worte zu werten.
    • Skip Bo 16.03.2018 08:39
      Highlight Highlight Die Aussage, wonach die, gemäss Verteidigerin, offenbar kurze Zeitdauer (gibt es eine Norm?) des Missbrauchs am 13- Jährigen eine Milderung der Tat darstellt, liess mich erschaudern.
  • Skip Bo 16.03.2018 07:54
    Highlight Highlight Es ist tatsächlich nicht ihr Job sich in die Lage der Opfer zu versetzen, sie muss sich in die Lage des Täters versetzen. Aber der Vorwurf an die Opfer, zuwenig zur Verbesserung der eigenen Situation beigetragen zu haben, bedarf, Angesichts der Ausweglosigkeit, eine gewaltige Portion Gefühlskälte.
    Die Identifikation mit dem Täter geht zu weit.
    • fcsg 16.03.2018 09:52
      Highlight Highlight „Die Identifikation mit dem Täter geht zu weit.“ Es ist ihre einzige Aufgabe sich mit dem Täter zu identifizieren, es ist nicht ihr Job sich mit den Opfern zu identifizieren. Das sagt auch rein gar nichts über ihre persönliche Gefühlslage aus, die muss ein Verteidiger/in ausblenden. Würde sie auf Befindlichkeiten von Opfern Rücksicht nehmen, gerade in so einem dramatischen Fall, ist eine Verteidigung gar nicht möglich.
    • Skip Bo 16.03.2018 12:27
      Highlight Highlight fcsg, die Identifikation darf nicht so weit gehen, den Opfern eine Mitschuld am Ergebnis der Tat zu attestieren.
      Eine völlige Identifikation wäre letztendlich das Akzeptieren der Tat und der Umstände.
      Meiner Meinung nach, hat die Verteidigung die Aufgabe allenfalls positive Umstände einzubringen. Die Dauer des Missbrauchs oder die Tötung ohne unnötige Schmerzen sind KEINE positiven Umstände.
    • fcsg 16.03.2018 13:13
      Highlight Highlight @Skip Bo
      Das tönt brutal, aber doch die Umstände einer Straftat spielen sehr wohl eine Rolle, insbesondere bei der Strafzumessung und die Morde hätten durchaus brutaler ablaufen können. Eine Verteidigerin muss diese Tatsachen hervorheben, völlig egal wie aussichtlos sie sind. Es ist ihre einzige Aufgabe und sie ist nur dem Beschuldigten verpflichtet.
    Weitere Antworten anzeigen
  • LaPaillade #BringBackHansi 16.03.2018 07:52
    Highlight Highlight Vielen Dank Watson,! Musste gestern gross die Augen verdrehen, als ich den Blick gesehen habe. Anscheinend verstehen die dort das schweizer Rechtssystem nicht.
    • El Vals del Obrero 16.03.2018 08:39
      Highlight Highlight Glaube nicht, dass die so ehrlich sind, dass sie es selber nicht verstehen.

      Aber sie verstehen es, sich in die Leser hineinzuversetzen, die es nicht verstehen. So funktioniert Boulevard.
  • Magnum44 16.03.2018 07:50
    Highlight Highlight So ist es doch immer, wenn Laien in der Juristerei ihren Senf dazu geben. Senn vertritt ihren Mandanten und der möchte - oh überraschung - möglichst kurz eingesperrt werden.
    Und einmal Hand aufs Herz: vom Blick und insbesondere seiner Leserschaft kann man auch gar nicht viel mehr erwarten. In deren schwarz-weiss Welt hätte man T ohne Prozess hingerichtet oder unbefristet in ein Loch gesperrt.
    • Willy Tanner 16.03.2018 08:13
      Highlight Highlight Was ist mehr, was ist weniger. Wer hat recht, wer nicht. Was ist besser, was schlechter? Das sind subjektive Meinungen und Gefühle. Da ist keiner besser oder schlechter. Du wertest da sehr selbstgefällig und vom hohen Ross herab!
    • Gar Manarnar 16.03.2018 08:13
      Highlight Highlight Leider sind auch hier die Kommentare in den letzten Tagen oft nicht besser gewesen.
  • HerrCoolS. 16.03.2018 07:48
    Highlight Highlight Kritik an Ihrer Person ist nicht fair - sie ist PFLICHTverteidigerin... Dies ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Justizsystems und muss gewahrt werden.
  • öpfeli 16.03.2018 07:33
    Highlight Highlight In ihrer Haut möchte ich nicht stecken. Ihr Job stelle ich mir als eine sehr schwierige Gratwanderung vor. Wirklich richtig machen kann sie tatsächlich nichts. Aber als Aussenstehende/r ist es wieder einfach zu urteilen. Auch hier fehlt offensichtlich ein differenziertes Denken seitens einiger Blätter / Bürger.
    • Red4 *Miss Vanjie* 16.03.2018 08:38
      Highlight Highlight Da fehlt offensichtlich allgemein das Denken..
  • Mr.Peanutbutter 16.03.2018 07:19
    Highlight Highlight Der Blick hat wiedermal einen sehr unparteiischen Auftritt.

    Danke Watson, dass ihr eine so gute distanzierte Berichterstattung macht. So sieht Journalismus aus.
  • Beggride 16.03.2018 07:08
    Highlight Highlight Danke watson für diesen aufklärenden, differenzierten Artikel! Und genau deshlab lese ich kein Blick mehr 😉
    • Beggride 17.03.2018 16:17
      Highlight Highlight Leider sehen das viele anders wie wir... 😬
      Und tönt ja auch komisch, wenn man schreibt, man schaue keinen Blick mehr... Hihi
  • NichtswissenderBesserwisser 16.03.2018 07:02
    Highlight Highlight Habe mal miterlebt, wie sich zwei Anwälte in einem Prozess so auf den Deckel gegeben haben. Wurde z.T. schon fast persönlich.
    Nach dem Prozess gaben sich die beiden lachend die Hand: "Häsch au Fyrabig? Gömmer no eis go neh?"
    Total gut in die Rollen geschlüpft!
    • Yamamoto 16.03.2018 13:16
      Highlight Highlight Dein Kommentar beschreibt den Eindruck, den ich als hoffentlich zukünftiger Anwalt erhalten habe, sehr gut. Leider habe ich den Eindruck, dass die meisten Menschen die Diskussionskultur, die vielen Juristen eigen ist, verlernt haben. Die Menschen entfremden sich. Es entsteht ein gefährliches Klima zwischen verschiedenen politischen Gruppierungen. Eine Freundin, die mit der SVP sympathisiert und Staatsanwältin werden möchte, und ich geben uns in Diskussionen gerne "uf e Gring" und trotzdem verstehen wir uns gut und sollten wir uns einmal vor Gericht sehen, so werden wir uns nichts schenken. ;)
  • Raudrhar 16.03.2018 07:00
    Highlight Highlight Der Leser in der AZ hat recht: Egal wie sie es macht, es wird falsch sein. Und sie hat imho die mit Abstand schwerste und belastendste Rolle in diesem Fall. Ich könnte es vermutlich nicht.

    Deswegen hat sie auch meinen zutiefst empfundenen Respekt. Punkt.
  • bokl 16.03.2018 06:40
    Highlight Highlight Vielen Dank für diesen Artikel. Leider werden sich wohl viele Kommentarschreiber vor allem auf die Kritik stürzen und sich dadurch bestätigt fühlen.

    Ich bin jedenfalls sehr froh über die Personen, welche sich als Pflichtverteitiger zu Verfügung stellen und finde es nicht angebracht mit der Lupe zu suchen, wo etwas mehr Rücksicht auf die Opfer möglich wäre. Dafür haben sie eigene Anwälte.

Reis zum selber Abfüllen – so sagen die Detailhändler dem Plastik den Kampf an

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