Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Die Parteien bewegen sich beim Thema Vaterschaftsurlaub –  5 Vorschläge und ihre Chancen

Der Bundesrat will keinen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub. Doch im Parlament findet ein Meinungsumschwung statt. Wir zeigen alle bestehenden Ideen – und bewerten deren Chancen.



Zu teuer, für Firmen organisatorisch nicht verkraftbar und ausserdem Aufgabe der Kantone und Gemeinden: Der Bundesrat lehnte letzte Woche die 2017 eingereichte Volksinitiative für einen vierwöchigen Vaterschaftsurlaub ab. Er will auch keinen direkten Gegenvorschlag dazu ausarbeiten. Die Initiative muss jetzt zur Beratung ins Parlament und wird frühestens im Jahr 2020 zur Abstimmung kommen.

ARCHIVBILD ZUR MELDUNG, DASS DER BUNDESRAT GEGEN VIER WOCHEN VATERSCHAFTSURLAUB IST --- Ein Aktionsteilnehmer kommt mit einer Schachtel mit Unterschriften aus dem Kanton Graubuenden und einem Kinderwagen mit dem Logo zur Initiative zum Bundesplatz, bei der Einreichung der Unterschriften fuer die Volksinitiative

Ein Aktivist bei der Einreichung der «Volksinitiative für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub» im Juli 2017. Bild: KEYSTONE

Im Parlament ist derweil Bewegung ins Dossier geraten. Gestern etwa hat die FDP-Fraktion, der die Initiative zu weit geht, ihr Modell für eine 16-wöchige Elternzeit vorgestellt. Es ist nicht der einzige Vorschlag auf dem politischen Parkett.

Die Parteien – die grosse Ausnahme ist die SVP – geben sich nicht damit zufrieden, dass Väter vom Gesetz her bei der Geburt ihres Kindes nur gerade einen freien Arbeitstag erhalten. Und auch im Volk hat die Idee eines bezahlten Vaterschaftsurlaubs Rückhalt. 2015 unterstützen laut einer Umfrage vier von fünf Schweizern das Anliegen. Welcher Vorschlag sich am Ende durchsetzen wird, ist unklar. Je nach Ausgestaltung steigen oder sinken die Chancen, im Parlament bzw. in einer Volksabstimmung eine Mehrheit zu gewinnen. 

Welche Vorschläge gibt es – und welcher hat die besten Chancen?

Volksinitiative «für einen vernünftigen Vaterschaftsurlaub»

Babyflaschen Icons Vaterschaftsurlaub

Gegenvorschlag CVP

Babyflaschen Icons Vaterschaftsurlaub

Gegenvorschlag FDP

Babyflaschen Icons Vaterschaftsurlaub

Vorschlag Kathrin Bertschy (GLP)

Babyflaschen Icons Vaterschaftsurlaub

Vorschlag Aline Trede (Grüne)

Babyflaschen Icons Vaterschaftsurlaub

Welchem Vorstoss gibt die Expertin die besten Chancen?

«Ein Patentrezept für die Einführung des Vaterschaftsurlaubs gibt es nicht», sagt Politologin Isabelle Stadelmann-Steffen. Mit Aussagen über die konkreten Erfolgschancen der einzelnen Varianten hält sie sich zurück. «Generell braucht es in der Schweiz oft eine Politik der kleinen Schritte.» Umfassenden, teuren und weitreichenden Varianten räumt sie keine Chancen ein. Konkret brauche es ein Modell, «das arbeitsmarkt- und arbeitgebertauglich ist und somit auch für gesellschaftsliberale, bürgerliche Kräften tragbar ist.»

Warum hat die Schweiz im Jahr 2018 noch keinen Vaterschaftsurlaub?

Die 28 Länder der EU kennen alle entweder einen Vaterschaftsurlaub oder Elternzeit – wobei die Modelle sehr unterschiedlich ausgestaltet sind.

Elternurlaub

Der Europavergleich beim Elternurlaub. Bild: watson

Das Hinterherhinken der Schweiz erklärt Professorin Stadelmann-Steffen mit zwei Faktoren. Einerseits verfüge die Schweiz «über sehr konservative gesellschaftliche Einstellungen». Dies zeige sich besonders im Bereich Familienpolitik und bei geschlechterspezifischen Normen und bei der Arbeitsteilung. Hier sei die Situation grundsätzlich ähnlich wie etwa in Deutschland.

Erschwerend hinzu komme in der Schweiz die institutionelle Struktur. «Vor allem Föderalismus und direkte Demokratie haben sich in der Vergangenheit schon als hinderlich für die wohlfahrtsstaatliche Entwicklung erweisen», sagt die Professorin und verweist auf das Beispiel des Mutterschaftsurlaubs.

Elternurlaub

Der Europavergleich beim Vaterschaftsurlaub. Bild: watson

Ein Papa wie kein Anderer. Oder doch?

Video: watson/can

Die besten Geschenke von Kindern an ihre Eltern

Das könnte dich auch interessieren:

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Der Wochenstart wird kalt, feucht und garstig

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

46 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
mrgoku
07.06.2018 10:07registriert January 2014
Ein super Thema um die Engstirnigkeit und das konservative Denken der CH aufzuzeigen. Genügend Länder beweisen dass es absolut möglich ist hier etwas anständiges aufzubauen. Herr und Frau Schweizer wollen das aber nicht...immer nur Geld Geld Geld Geld. Kostet zu viel, verdiene dann weniger... Familienunfreundlicher als in der CH geht es fast nicht.
Schweden oder Dänemark kriegt das problemlos hin und sind in der Wirtschaft kein Stück schlechter dran... eher im Gegenteil....
11821
Melden
Zum Kommentar
Patho
07.06.2018 10:39registriert March 2017
Solange es für die Wirtschaft kein Problem ist, das wir Männer praktisch ein Jahr im Militärdienst versauern, kann mir niemand sagen, dass ein Mann nach einer Geburt nicht ein paar Wochen für die Familie zu Hause sein kann!
Und: Elternurlaub statt Vaterschaftsurlaub, wenn wir es schon von Gleichberechtigung haben;)
966
Melden
Zum Kommentar
pascii
07.06.2018 09:19registriert January 2015
Die 0.06 Lohnprozente die der Vaterschaftsurlaub kostet sollte es dem Schweizer Volk wert sein.
8711
Melden
Zum Kommentar
46

Vergiftete Böden und Kinderarbeit – was sich Schweizer Firmen im Ausland alles erlauben

Am 29. November stimmt die Schweiz über die Konzern-Initiative ab. Sie soll Schweizer Unternehmen bei Rechtsverstössen im Ausland stärker haftbar machen. Höchste Zeit also, um sich ein paar Beispiele von bis jetzt ungeahndeten Menschenrechts- und Umweltvergehen anzusehen.

Nach der Abstimmung ist vor der Abstimmung: Bereits am 29. November kann das Schweizer Stimmvolk erneut wählen gehen. Zum Beispiel über die Konzernverantwortungsintiative. Diese fordert, dass globale Konzerne mit Sitz in der Schweiz einem zwingenden Regelwerk unterstellt sind, wenn es um die Beachtung von Menschenrechten und Umweltschutz bei ihren weltweiten Tätigkeiten geht.

Oder einfach gesagt: Schweizer Unternehmen und ihre Tochterfirmen könnten für ihre Tätigkeiten im Ausland rechtlich …

Artikel lesen
Link zum Artikel