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Nicht gern gesehen: Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen. 
Nicht gern gesehen: Mütter, die in der Öffentlichkeit stillen. bild: keystone/bearbeitung durch watson

Basler Grossratspräsident schmeisst stillende Politikerin raus – «Das ist unglaublich!»

Eine Basler Grossrätin wurde am Mittwoch vom Grossratspräsidenten aus dem Saal gewiesen, weil sie ihren zwei Monate alten Sohn dabei hatte. Grünen-Nationalrätin Irène Kälin, selbst Mutter von einem fünfmonatigen Sohn, war schockiert über die Szenen.
22.11.2018, 11:3623.11.2018, 05:21

Die Szene erhitzte die Gemüter: Der Basler Grossratspräsident Remo Gallacchi warf am Mittwochnachmittag die grüne Grossrätin Lea Steinle aus dem Saal. Steinle kam kurz zuvor mit ihrem Kind im Tragtuch in den Saal, um abzustimmen. 

Im Grossen Rat sorgte Steinles Saalverweis für tumultartige Szenen. SP-Grossrätin Danielle Kaufmann stellt einen Ordnungsantrag: «Es kann nicht sein, dass ein gewähltes Mitglied nicht im Saal sein darf, weil sie ein Kind hat, das gestillt werden muss», sagt sie aufgebracht. «Wir Parlamentarier sind hier im Saal grundsätzlich unter uns», verteidigte Gallacchi seine Reaktion. 

Die Grüne Nationalrätin Irène Kälin mit ihrem Sohn im Nationalrat. 
Die Grüne Nationalrätin Irène Kälin mit ihrem Sohn im Nationalrat. Bild: KEYSTONE

Für Irène Kälin, Grüne Nationalrätin, ist der Entscheid symptomatisch für die noch immer von Männern dominierte Schweizer Politik. «Die Reaktion von Gallacchi war unglaublich. Das Kind hat überhaupt nicht gestört. Offenbar hat man einfach immer noch ein Problem mit jungen und stillenden Müttern.» Kälin ist selbst Mutter eines fünf Monate alten Buben. Im September nahm sie ihren Sohn mit ins Bundeshaus und stillte ihn. Dafür erntete auch sie Kritik. 

Dass Frauen mit kleinen Kindern genauso das Recht haben, am politischen Prozess teilzuhaben, sei hierzulande noch nicht angekommen, so Kälin. «In der Schweiz fehlt es an Akzeptanz und Entlastungsangeboten für junge Mütter. Andere Länder sind da schon viel weiter.»

Die australische Politikerin Larissa Waters war eine der ersten, die ihre Tochter im Parlament stillte. 
Die australische Politikerin Larissa Waters war eine der ersten, die ihre Tochter im Parlament stillte. Bild: EPA/AAP

Die Grüne Nationalrätin nennt das Beispiel Australien: Seit Mai 2017 ist es australischen Politikerinnen erlaubt, im Parlament zu Stillen. Und auch an der UN-Generalversammlung in New York war der Umgang mit Kleinkindern wesentlich entspannter als in Basel. Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hatte ihre kleine Tochter bei einer Rede zu Ehren von Nelson Mandela mit dabei. Anstatt böse Blicke erntete Ardern nur positive Stimmen und sorgte für eine Auflockerung in New York. 

Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen

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Stillende Mütter: Eine Fotografin verwandelt sie in stolze Göttinnen
quelle: catersnews / / 1086237
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«Nur in der Schweiz tun wir uns unglaublich schwer damit», kritisiert Kälin. Sie wünscht sich, dass junge Mütter in Zukunft noch besser unterstütz werden – auch in der Politik. «Es ist wichtig, dass auch Mütter mit kleinen Kindern Politik machen können, auch wenn es nicht ganz einfach ist.» Die Nationalrätin schlägt eine Stellvertreterlösung vor. «So könnte man die ersten Monate Zuhause bleiben, ohne dass man seinem politischen Auftrag nicht nachkommt.»

Tausende Kolumbianerinnen stillen in der Öffentlichkeit

Video: srf/SDA SRF
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128 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Rainbow Pony
22.11.2018 12:16registriert Februar 2018
Bei allem Verständnis fürs Stillen und die Situation, aber es kann doch nicht sein, dass es zur Regel wird, Kinder zur Arbeit mitzunehmen. Ich bin selber Vater zweier Kinder und kann, auch wenn ich das wirklich möchte, meine Kinder nicht regelmässig zur Arbeit mitnehmen. Ich kann mich beim besten Willen nicht um die Bedürfnisse meines Kindes und diejenigen meines Arbeitgebers kümmern - ich komme unweigerlich in die Situation, wo ich vermutlich beide enttäusche. Das es Ausnahmen geben muss, ist klar - eine Regel und allgemeine Akzeptanz sehe ich nicht. Und jetzt hackt auf dem Kommentar rum.
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RobinBurn
22.11.2018 12:31registriert Dezember 2015
Ich finde die Diskussion geht in die falsche Richtung: Natürluch sollte ein Kind gestllt werden können, allerdings ist genau hierfür auch der Mutterschaftsurlaub gedacht. Anstatt zusätzliche Betreuungsangebote, Sonderbewilligungen etc. zu diskutieren, könnte man sich auch fragen, weshalb in einer solchen Situation (eine Sitzung pro Woche) nicht auch einmal der Vater die Betreuung übernehmen könnte.
Statt die Rolle von Müttern zu diskutieren und Aktzeptanz zu fordern (die es in gewissen Situationen zweifellos braucht), sollten doch auch die Väter mehr Verantwortung übernehmen (können).
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Nubotronic
22.11.2018 13:19registriert Januar 2016
„Es ist wichtig, dass auch Mütter mit kleinen Kindern Politik machen können, auch wenn es nicht ganz einfach ist.„
- NEIN, nicht MIT Kindern am Arbeitsort
Ein Kind hat dort nicht verloren!
Mit einem Kind kann man sich nie 100% auf die Arbeit konzentrieren. Keinen vernünftigen Mensch würde es in Sinn kommen ein Kleinkind ins Büro mitzunehmen.
Es gibt heutzutage genügend Alternativen.
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