Schweiz
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«Mit Google Maps kann jeder selber herausfinden, wie man ein Kraftwerk anfliegen könnte.»: Luftaufnahme des Kernkraftwerks Mühleberg. bild: screenshot google maps 

Jetzt könnten Schweizer AKWs, Militäranlagen und Gefängnisse von Google Maps verschwinden

In Frankreich, Belgien und den USA werden AKWs, Gefängnisse oder Militäranlagen auf Google Maps verschleiert – aus Angst um die nationale Sicherheit. Das müsse auch die Schweiz prüfen, fordert die CVP-Sicherheitspolitikerin Ida Glanzmann-Hunkeler.



Wer auf dem Kartendienst Google Maps nach dem Militärflugplatz in Payerne VD sucht, landet schnell direkt mitten auf dem Gelände der Schweizer Luftwaffe. Und kann sich dort in Ruhe umsehen. In der Schweiz ist das bisher kein Problem – es gibt kein Gesetz, das Bilder von «sensiblen» Orten auf dem Internet verbietet und auch keine entsprechende Abmachung mit dem Internet-Giganten Google.

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Übersicht dank Google Maps und Google Street View: Aufnahme des Militärflugplatzes im waadtländischen Payerne. bild: screenshot google maps

Anders ist die Lage in Frankreich, Belgien und den USA: Dort muss Google gewisse Aufnahmen von Flugstützpunkten, Atomkraftwerken und Hochsicherheitsgefängnissen verschleiern. Die Regierungen machen den Schutz der nationalen Sicherheit geltend.

«Es kann nicht sein, dass solche heiklen Aufnahmen in einem Klick einsehbar sind.»

Ida Glanzmann-Hunkeler, Vizepräsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates

Der Präsident des Fachverbands Freiheitsentzug Schweiz, Alain Broccard, plädierte kürzlich gegenüber watson für striktere Vorgaben auch in der Schweiz: «Die Politiker sollten das Thema aufgreifen.»

Sein Wunsch wird nun von Ida Glanzmann-Hunkeler (CVP)  erhört. Die Vizepräsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrates will einen entsprechenden Vorstoss für die Wintersession prüfen. «Es kann nicht sein, dass solche Aufnahmen in einem Klick einsehbar sind.» Eine gesetzliche Grundlage, die verankert, dass heikle Anlagen verpixelt oder geschwärzt dargestellt werden müssen, sei deshalb eine Option.

«Mit Google Maps kann jeder selber herausfinden, aus welchem Sektor, mit welchen Hindernishöhen man ein solches Kraftwerk anfliegen könnte.»

Der ehemalige Swissair-Pilot Max Tobler 2016 in einem SRF-Interview

Wie heikel Aufnahmen solcher «sensiblen» Orte sein könnten, liess der ehemalige Swissair-Pilot und heutige Flugsimulator-Instruktor Max Tobler 2016 in einem SRF-Interview durchblicken. Thema war die Sicherheit von Atomkraftwerken als Ziele für Terroranschläge: «Mit Google Maps kann jeder selber herausfinden, aus welchem Sektor, mit welchen Hindernishöhen man ein solches Kraftwerk anfliegen könnte,» sagte er damals.

Belgien reicht Klage gegen Google ein

Eine entsprechende Zensur auf dem Kartendienst – sei es auf gesetzlicher Ebene oder in Absprache mit Google – wäre jedoch schwierig umzusetzen. Der Verantwortungsbereich der «heiklen» Standorte unterliegt verschiedenen Stellen; beispielsweise den Kantonen für die Justizvollzugsanstalten und dem Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport für die Militäranlagen. Ausserdem bieten neben Google Maps auch weitere Unternehmen Satellitenbilder im Internet an.

Google Maps fügt sich zudem nicht immer den getroffenen Abmachungen. Das belgische Verteidigungsministerium hat im Streit über Satellitenbilder von Militäranlagen erst vor zwei Tagen eine Klage gegen den Tech-Riesen angekündigt. Google halte sich nicht daran, Aufnahmen von Flugstützpunkten oder Atomkraftwerken zu verschleiern.

Mit einem ähnlichen Vorwurf sieht sich Google in Frankreich konfrontiert. Dort müsste der US-Tech-Gigant Bilder von Hochsicherheitsgefängnissen laut Gesetz seit Ende 2017 unkenntlich machen – nur sind auch heute noch 49 von 67 Justizanstalten nicht verschleiert, wie das Nachrichtenmagazin «L'Express» berichtete. Google erklärt auf Anfrage, dass liege an externen Nutzern, die unverpixelte Fotos heraufladen würden. Diese unkenntlich zu machen, «werde Zeit brauchen», so ein Sprecher.

Pikant: Es wird vermutet, dass der spektakulärste Gefängnisausbruch der jüngsten Geschichte auch dank dem Online-Kartendienst geglückt ist. Dem Franzosen Redoine Faïd ist im Juli die Flucht aus dem Gefängnis in Réau bei Paris gelungen – per Helikopter. Ermittler gehen davon aus, dass Faïds Gehilfen den Coup mit Google-Maps-Satellitenaufnahmen der Anlage vorbereitet haben.

Häftlinge restaurieren Kult-Spielsachen

Video: srf/SDA SRF

Wie unser Leben ohne Google aussehen würde

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jimmy :D 02.10.2018 23:07
    Highlight Highlight Wenn Jemand wirklich motiviert ist, etwas anzugreifeen, scheut er wohl den Aufwand nicht etwas mehr zu tun als nur so:

    Ahh shit, die Aufnahme ist verpixelt, können wir wohl nichts tun ...
  • Exodus 02.10.2018 21:26
    Highlight Highlight Dann sollte zuerst das Sicherheitskonzept des Gebäudes übergedacht werden.
  • leu84 02.10.2018 18:40
    Highlight Highlight Und dann?! Dann weiss man, wo wichtige Objekte liegen. Die meisten Unternehmen haben Post- und Lieferadressen. Wenn man Kenntnisse von speziellen Anlagen hat, kann man immer noch unauffällig die Objekte ausspähen. In der Vorgooglezeit war es auch möglich, sich zu informieren.
  • rauchzeichen 02.10.2018 18:19
    Highlight Highlight ich hör schon die ersten einfamilienhäuser-besitzer die ihren garten sperren lassen wollen...
  • Ueli der Knecht 02.10.2018 17:59
    Highlight Highlight Der Ansatz ist genau verkehrt rum. So werden Informations-Monopole geschaffen und Ungleichheiten geschaffen.

    Besser wäre, völlige Transparenz zu fordern, und zB. in der Verfassung ein allgemeines Grundrecht für alle auf öffentlich zugängliche, resp. systematisch gesammelte Information zu verankern:

    "Wer systematisch in der Öffentlichkeit Informationen sammelt und weiterverarbeitet, muss alle diese Informationen in geeigneter Form und unentgeltlich der Öffentlichkeit bereit stellen.
    Diese Vorschrift gilt auch für staatliche Organisationen"

    Das heisst: Gleich lange Spiesse für alle.
  • Daniel Caduff 02.10.2018 17:14
    Highlight Highlight Lustig finde ich vor allem, dass man all diese Dinge auch auf dem neuen offiziellen 3D-Modell der Landestopographie erkennt... Just sayin'

    https://www.swisstopo.admin.ch/de/karten-daten-online/karten-geodaten-online/3d-viewer.html
  • Supermonkey 02.10.2018 16:57
    Highlight Highlight Wenn mans unbedingt will und es nicht via google maps möglich ist findet man schon andere wege... Solange man ohne Bedenken über diese Lokalitäten mit dem Flugzeug oder Helikopter drüber fliegen darf oder gar mit dem Auto einmal rund um das Gelände, oder aus der Ferne mit einem guten Objektiv, bringt dieser Vorstoss von der möchtegern sicherheitspolitischen Kommission rein gar nichts...
  • _stefan 02.10.2018 14:53
    Highlight Highlight Die US Air Force liess vor einigen Jahren die "Area 51" verpixeln. Die Aliens beklagten sich danach, dass sie so ihren Landeplatz nicht mehr finden. Seither ist das Areal wieder hochauflösend auf Google Maps sichtbar ;-P
  • You will not be able to use your remote control. 02.10.2018 13:32
    Highlight Highlight Ich habe eine bessere Idee:

    Wir schalten die Kernkraftwerke ab und bauen die Gefängnisse so, dass man nicht mit einem Helikopterlanden kann.

    Militärflughäfen scheinen bis jetzt nicht unbedingt ein Ziel von Terrororganisationen?
  • In vino veritas 02.10.2018 13:29
    Highlight Highlight Das ist ein Kampf gegen Windmühlen. Dann kaufe ich halt Satellitenbilder einer privaten Firma oder lass eine Drohne steigen. Oder ich gehe auf den nächstgelegenen Höger, von dem ich ein paar schöne Aufnahmen machen kann. Militärflugplatz Payerne? Dort finden ja ständig Volksfeste statt. 🤷‍♂️ Wenn ich aufgrund von Satellitenbilder und groben Grundrissskizen ehemaliger Häftlinge ausbrechen kann hat das Gefängnis grundsätzliche Probleme. Sei es veraltete Sicherheitstechnik oder ungenügend Bewaffnetes Personal dass keine Angreifer abwehren kann...
  • LubiM 02.10.2018 13:20
    Highlight Highlight Zum Glück gibt es noch map.geo.admin ... und ist erst noch Staatlich geprüft!
  • Gustav.s 02.10.2018 12:52
    Highlight Highlight Das wird genial, als nächstes kommen Private wegen Einbruchsgefahr und dann war's das mit Gmap, Agis usw
    • _stefan 02.10.2018 14:46
      Highlight Highlight Bei Google Street View funktioniert die Verpixelung von privaten Grundstücken schon.

      Es ist aber auch bekannt, dass Einbrecher vorher tatsächlich GMaps verwenden, um lukrative Quartiere aufzuspüren. Den Swimmingpool deshalb immer mit einer gras-grünen Blache abdecken, dann fällt er nicht auf ;)
  • hugoderhabicht 02.10.2018 12:20
    Highlight Highlight Naja. Ersetzt man in "maps.google.ch" das "google.ch" durch "geo.admin.ch" erhält man qualitativ gleichwertige, wenn nicht sogar bessere, Luftaufnahmen.
  • Madison Pierce 02.10.2018 10:41
    Highlight Highlight Soso, gefährlich. Das böse Google!

    Hat Frau Nationalrätin mal auf map.geo.admin.ch geschaut? Flugplatz Payerne, Justizvollzugsanstalt Pöschwies, KKW Leibstadt, alle zu sehen und das dank Orthofoto in besserer Auflösung als bei Google.
  • qolume 02.10.2018 10:34
    Highlight Highlight «Mit Google Maps kann jeder selber herausfinden, aus welchem Sektor, mit welchen Hindernishöhen man ein solches Kraftwerk anfliegen könnte.» wow... nicht schlecht... aber selbst die meilenweit präziseren Karten von Swisstopo produzieren. Face->Palm.
  • Ökonometriker 02.10.2018 10:30
    Highlight Highlight Weil eine Terrororganisation sich ja keine Drohnen oder Lasermessgeräte leisten kann...
    Bei gewissen Politikern fragt man sich schon, in welchem Jahrhundert sie leben.
    • SemperFi 02.10.2018 10:43
      Highlight Highlight Wieland ees
    • Zitronensaft aufbewahren 02.10.2018 11:14
      Highlight Highlight Ja voll unauffällig so eine Drohne über dem Gefängnis.
    • bokl 02.10.2018 11:24
      Highlight Highlight @Ökonometriker
      Nur weil es auch andere Möglichkeiten gibt, muss man ja nicht gleich den roten Teppich ausrollen ...
    Weitere Antworten anzeigen
  • qolume 02.10.2018 10:30
    Highlight Highlight Jaja... Security by Obscurity... Hat noch nie, tut nicht und wird nie funktionieren.

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