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Blick ins Klassenzimmer: Schülerinnen und Lehrpersonen schützen sich mit Masken gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus.
Blick ins Klassenzimmer: Schülerinnen und Lehrpersonen schützen sich mit Masken gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus.
Bild: keystone

Quarantäne-Chaos in Schulen: «Es fehlt an einer Strategie für schulpflichtige Kinder»

Die Anzahl mit Corona infizierten schulpflichtiger Kinder nimmt zu. Damit landen auch immer mehr Schülerinnen und Schüler in Quarantäne – zum Leid der Eltern. Auch darum fordern immer mehr Ärztinnen und Ärzte die Abschaffung der Klassenquarantäne.
13.09.2021, 05:5914.09.2021, 07:41

Isabella Keller* sitzt seit Montag mit zwei Kindern in Quarantäne. Sie sind nicht die einzigen: Kellers Kinder besuchen die Primarschule in Lenzburg, wo derzeit mehrere Schulhäuser geschlossen und 600 Schülerinnen und Schüler wegen Covid-Ansteckungen aus dem Klassenzimmer verbannt wurden.

«Ich kann meine Kinder nicht einsperren.»
Vater aus Zürich

«Alle sind genervt», sagt Keller. «In der Klasse meiner beiden Kinder gab es keinen positiven Fall, in anderen Klassen schon. Trotzdem schliessen sie das ganze Schulhaus.» Keller arbeite zwar mehrheitlich im Home-Office, gemeinsam mit zwei schulpflichtigen Kindern zu Hause sei das aber eine Herausforderung. «Kommt hinzu, dass sie eine Stunde ‹Auslauf› im Freien zur Verfügung haben, obwohl das weder von der Schule noch in der schriftlichen Quarantäne-Verfügung kommuniziert wurde. Dass man die Kinder so bestraft, finde ich ungerecht», so Keller.

Quarantäne für 1200 Personen in Zürich

Nicht nur im Kanton Aargau, sondern auch in den Stadtzürcher Schulen werden reihenweise Schülerinnen und Schüler in Quarantäne geschickt. Seit dem Schulstart nach den Sommerferien seien 242 Infektionen gemeldet und 1200 Personen in Quarantäne gesteckt worden, schreibt der Zürcher Stadtrat Filippo Leutenegger in einer Mitteilung an Eltern und Erziehungsberechtigte.

«Ich muss zu Hause nicht nur Mutter, sondern auch Lehrerin sein. Das ist auf Dauer nicht nur anstrengend, sondern birgt Konfliktpotenzial.»
Mutter aus Zürich

Auch in Zürich ist man wenig erfreut über das Quarantäne-Chaos: «Ich kann meine Kinder nicht einsperren», so ein Vater aus Zürich und ergänzt: «Und das wird jetzt bis im nächsten Frühling so weitergehen.»

Auch Vivienne Damas* muss derzeit ihre 8- und 10-jährigen Kinder zu Hause betreuen. «Was mich wirklich erstaunt ist, dass die Schule überhaupt nicht auf Kinder in Quarantäne vorbereitet ist.» Sie kriege keine Unterstützung von den Lehrpersonen. «Ich fände es zum Beispiel hilfreich, könnten die Kinder wenigstens per Zoom dem Unterricht folgen. Oder wenn sich ab und zu die Lehrpersonen direkt melden würden. Nun muss ich zu Hause nicht nur Mutter, sondern auch Lehrerin sein. Das ist auf Dauer nicht nur anstrengend, sondern birgt Konfliktpotenzial.»

Ist Quarantäne für Kinder sinnvoll?

Das Quarantäne-Chaos beschäftigt nicht nur die Eltern, sondern auch die Wissenschaft. Die Quarantäneregeln bei Kindern mache momentan wenig Sinn, so Christoph Berger, Kinderarzt und Infektiologe gegenüber SRF. «Das Wichtigste für die Kinder ist, dass sie einen geregelten Alltag haben und in die Schulen gehen können.»

«Es fehlt auch nach fast 1,5 Jahren Pandemie an einer klaren Strategie für den Umgang mit schulpflichtigen Kindern.»
Lulzana Musliu, Mediensprecherin Pro Juventute

In die gleiche Kerbe schlägt Rudolf Hauri, Präsident der Kantonsärztinnen und Kantonsärzte. Nicht der Symptomverlauf, sondern die Ansteckungsfähigkeit sei entscheidend, so Hauri. «Aus unserer praktischen Erfahrung schliessen wir, dass Kinder zur Übertragung im Allgemeinen eher weniger beitragen.»

Bei den Kitas sei man beispielsweise sehr zurückhaltend gewesen mit Quarantäneanweisungen. Die Zurückhaltung habe aber bislang nicht dazu geführt, dass sich das Virus flächendeckend ausgebreitet habe. «Aus dieser ganz praktischen Erfahrung der vergangenen Monate rechtfertigt sich also eine Zurückhaltung bei der Quarantäne für ganze Klassenverbände durchaus», schlussfolgert der Zuger Kantonsarzt.

Psychische Belastung ist gross

Nebst Ärztinnen und Ärzten steht auch Pro Juventute Schulschliessungen und Quarantänen für ganze Klassen kritisch gegenüber. «Diese Massnahmen haben die psychische Belastung von Kindern und Familien nachweislich verschlechtert», sagt Lulzana Musliu, Mediensprecherin der Stiftung.

«Es fehlt auch nach fast 1,5 Jahren Pandemie an einer klaren Strategie für den Umgang mit schulpflichtigen Kindern», kritisiert Musliu. Geht es nach ihr, müsste man beim Schutz der Kinder viel früher ansetzen: «Repetitives Testen oder das Tragen von Masken wären viel weniger einschneidende Massnahmen. Und sie werden von einem grossen Teil der Kinder und Eltern mitgetragen.»

Entschärfung nach Impfung

Auch wenn Schulen repetitiv testen und nur positiv getestete Schulkinder und nicht ganze Klassen in Quarantäne schicken, werden auch in Zukunft zahlreiche Eltern nicht drum herumkommen, ihre Kinder zeitweise zu Hause betreuen zu müssen, Entschärfung könnte einzig eine Covid-Impfung für unter 12-Jährige bringen. Doch noch sind die beiden Impfstoffe von Pfizer/Biontech und Moderna nur für Kinder ab 12 Jahren von der Heilmittelbehörde Swissmedic zugelassen. Mit einer Zulassung für die ganz Kleinen ist voraussichtlich erst im Frühjahr 2022 zu rechnen.

Doch mit der Zulassung alleine sei es noch lange nicht getan, so Musliu von Pro Juventute. Viele Eltern würden sich dann nach Orientierung und Informationen sehnen, um eine Abwägung zu den Nutzen und Risiken für die Kinder machen zu können, sagt Musliu. «Es braucht dann unbedingt spezifische Informationen.»

Zudem müsse die Kampagne auch in jugendgerechter Sprache verfasst sein und es brauche Impfmöglichkeiten vor Ort. «Jugendliche sind nicht per se impfkritischer, wie das Umfragen zeigen. Sie wurden noch zu wenig spezifisch angesprochen. Sie planen ihren Alltag viel unverbindlicher und kurzfristiger. Da sind ein Impfbus direkt vor der Schule ein guter Weg. Entscheidend ist, dass Kinder und Jugendliche ihre Meinung frei bilden und äussern können.»

*Name der Redaktion bekannt

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