Schweiz
Gesellschaft & Politik

Diese Parteien sind bei nationalen Volksabstimmungen am erfolgreichsten

Ratsweibel leeren die Stimmzettel aus den Urnen auf den Tisch der Stimmenzaehler, bei der Ersatzwahl in den Bundesrat durch die Vereinigte Bundesversammlung, am Mittwoch, 7. Dezember 2022 im im Nation ...
Am 18. Juni 2023 war die erste nationale Abstimmung des Jahres. Bild: keystone

Diese Partei hat seit 2000 die meisten Abstimmungen gewonnen

Zu den nationalen Volksabstimmungen geben alle grossen Parteien ihre Abstimmungsparolen bekannt. Damit sind sie jeweils unterschiedlich erfolgreich. Welche Partei die meisten Abstimmungen «gewinnt», erfährst du hier.
19.06.2023, 10:46
Folge mir
Mehr «Schweiz»

In der direkten Demokratie der Schweiz spielen nationale Volksabstimmungen eine bedeutende Rolle. Eine entscheidende Komponente in diesem Entscheidungsfindungsprozess sind die politischen Parteien, die ihre Standpunkte und Argumente präsentieren, um die Wählerschaft von ihrer Sichtweise und ihren Parteiparolen zu überzeugen.

Aufgrund der Natur der demokratischen Politik können die Parteien natürlich nicht immer gewinnen. Die SP verlor am Wochenende die OECD-Abstimmung, die SVP mit dem Klimaschutz- und Covid-Gesetz gleich zwei. Welche Partei dennoch in fast 80 Prozent der Fälle auf der Seite der Gewinner steht, findest du in der Grafik weiter unten heraus. Doch zuerst, auf welche Partei würdest du tippen?

Was denkst du: Welche Partei hat seit 2000 die meisten Abstimmungen gewonnen?

Hier die tatsächlichen Resultate:

Die Gewinnerinnen

Die Partei, die die meisten Abstimmungen gewinnt, ist nicht nur eine, sondern gleich zwei. Die Mitte (bis 2021 als CVP mitgerechnet) sowie die FDP gewinnen beide 80 Prozent der Volksabstimmungen und liegen damit fast zehn Prozentpunkte über der dritterfolgreichsten Partei, der GLP.

Beide Parteien haben seit der Jahrtausendwende bei 162 von insgesamt 203 Abstimmungen die Parole abgegeben, die am Ende obsiegte. Die dritterfolgreichste Partei, die Grünliberalen, sind erst seit 2008 in der Schweiz aktiv. Auf die drei Mitte- bis Mitte-Rechts-Parteien folgen die SVP, die EVP und die EDU, alle mit einer Erfolgsquote um die 60 Prozent.

Relativ schlecht schneidet mit der SP eine Partei ab, die selbst im Bundesrat vertreten ist. Sie kommt nur auf knapp 50 Prozent und liegt damit deutlich hinter allen Parteien rechts von ihr. Die Grünen, die im Nationalrat noch weiter links sitzen, schneiden mit 46 Prozent schlechter ab als die SP. Als linkste Ratspartei liegt die PdA mit nur 43 Prozent ganze 15 Prozent hinter ihrem rechten Gegenstück, der EDU.

Die Entwicklung

In den letzten Jahren war häufig die Rede von einem Rechtsrutsch in der Schweiz. Lässt sich dieser auch hier feststellen? Im Gegenteil: Die Erfolgsraten der Parteien zeichnen über die Zeit gesehen ein anderes Bild. Die linken Positionen werden in der Schweiz immer populärer.

Die SVP sowie die EDU rutschen seit Anfang der 2000er ab und gewinnen inzwischen weniger Abstimmungen als die Ratslinken. So konnten SVP und EDU seit 2020 in nur noch 53 Prozent der Fälle die siegreiche Parole herausgeben, während die Grünen und die SP im gleichen Zeitraum in 56 Prozent der Abstimmungen siegreich waren. Die PdA erreichte im selben Zeitraum einen Wert von 61 Prozent und liegt damit gleichauf mit der EVP.

Relativ konstant sind hingegen die Parteien, die eher in der Mitte der Schweizer Politik verordnet werden. Die Mitte (CVP) und FDP waren vor 20 Jahren nur leicht erfolgreicher, als sie es heute sind. Die GLP und die EVP blieben hingegen relativ stabil.

Zu einem ähnlichen Thema erklärte die Politologin Sarah Bütikofer 2014 gegenüber watson: «Die Linke ist in der Schweiz seit jeher in der Minderheit. Wenn es ihr nicht gelingt, entweder die Mitte für ihr Anliegen zu gewinnen oder eine unheilige Allianz mit der Rechten einzugehen, verliert sie die Abstimmung.»

Diese Aussage bewahrheitet sich immer noch oft bei nationalen Abstimmungen, jedoch scheint die Mitte in der Schweiz eine kleine Linksverschiebung vorgenommen zu haben. Dies würde dann auch erklären, wieso die Linken inzwischen gleich oft wie die Rechten bei Abstimmungen «siegen».

Der Nationalrat

Bei den Abstimmungen im Nationalrat zeichnet sich ein ähnliches Bild: Die Mitte und die FDP sind am erfolgreichsten, dann folgen die GLP und die EVP. Interessant ist jedoch, dass die Erfolgsraten der Parteien im Nationalrat höher sind als bei den Volksabstimmungen. Die Mitte und die FDP sind bei deutlich über 80 Prozent der Nationalratsabstimmungen auf der Siegerseite und bei der GLP sowie der EVP liegt die Erfolgsquote nur knapp darunter.

Bei den Polparteien sieht es hingegen ähnlich aus wie bei den nationalen Abstimmungen. Die SP und die Grünen konnten in den letzten vier Jahren die SVP überholen, die inzwischen die Partei ist, die im Nationalrat am häufigsten verliert.

Die Stimmfreigabe

Eine weitere interessante Statistik zu den nationalen Volksabstimmungen ist die Anzahl der Stimmfreigaben, die die Parteien festgelegt haben.

So hat die FDP für alle 203 Abstimmungen über die letzten 23 Jahre hinweg eine Parole ausgerufen. Die CVP und die SVP treten mit zwei, beziehungsweise drei Stimmfreigaben auch meistens geschlossen auf. Die anderen grossen Parteien tanzen auch nicht aus der Reihe und haben in den vergangenen Jahren alle nicht mehr als sieben Stimmfreigaben erteilt.

Die Delegierten der SVP Schweiz folgten dem Antrag des Parteivorstandes und beschlossen am Samstag Stimmfreigabe für die AHV-Steuervorlage.
Einer der drei Fälle, in denen die SVP die Stimmfreigabe beschlossen hat: Am 30. März 2019 bestimmte die Delegiertenversammlung die Stimmfreigabe für die Steuerreform und AHV-Finanzierung.Bild: KEYSTONE

Für eine spezielle Situation sorgten 2003 die SP und die Grünen, als sie ihre Basen dazu aufforderten, das Stimmcouvert leer einzulegen. Bei der Abstimmung ging es um eine Reform des Militärs. Da sie die Armee offen ablehnten, beschlossen sie, nicht darüber abstimmen zu wollen.

DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und unseren Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet, um die Zahlung abzuschliessen.)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
twint icon
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.
Das Ausfüllen der Steuererklärung in leider-ehrlichen Memes
1 / 20
Das Ausfüllen der Steuererklärung in leider-ehrlichen Memes
quelle: watson
Auf Facebook teilenAuf X teilen
Das könnte dich auch noch interessieren:
98 Kommentare
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 24 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
Die beliebtesten Kommentare
avatar
Grüner Kobold
19.06.2023 11:23registriert Oktober 2018
Gibt aber immer noch viele Komiker, die meinen die Linken würden in diesem Land bestimmen wo es lang geht. Frage wie soll dies möglich sein, wenn sie noch nie in der Mehrheit in diesem Konservativen Lande war und die meisten Abstimmungen verliert?

Mir fällt da nur ideologische Einbildung ein.
15028
Melden
Zum Kommentar
avatar
Rodger
19.06.2023 12:02registriert November 2020
Realismus schlägt Populismus und darum Gewinnen halt eher Mitteparteien, da diese viel eher den Konsens finden. Und nein die Mitte ist nicht nur konservativ.
6913
Melden
Zum Kommentar
avatar
banda69
19.06.2023 10:51registriert Januar 2020
Die SVP rutscht ab. Gut so. 😍
7824
Melden
Zum Kommentar
98
Gemäss den Männern ist die Gleichstellung fast erreicht – die Frauen widersprechen
Die Mehrheit der Männer der Generation Z sind der Meinung, die Gleichstellung in der Schweiz sei in fast allen Bereichen erreicht. Wie kommt das?

Das nationale Barometer zur Gleichstellung zeigt: Männer und Frauen bewerten den Stand der Gleichstellung völlig unterschiedlich. Gerade bei der Generation Z sind die Differenzen frappant.

Zur Story