Schweiz
Gesellschaft & Politik

«Politik hat nichts mitzureden» Betroffene wehrt sich gegen mehr Regeln bei Schamlippen-Op

Brust operation silikon
Brustoperationen gehören weltweit zu den beliebtesten Schönheitsoperationen.Bild: shutterstock.com

«Hat er überhaupt eine Ahnung?!» – Wermuths Schönheits-OP-Vorstoss kommt nicht gut an

Mit einem politischen Vorstoss fordert SP-Nationalrat Cédric Wermuth die Prüfung von mehr Regeln für Schönheitsoperationen. Das stösst auf harsche Kritik von betroffenen Frauen.
28.06.2018, 09:2228.06.2018, 10:15

Immer mehr Frauen lassen sich die inneren Schamlippen operativ verkleinern. Die Labioplastik boomt und ist laut der internationalen Gesellschaft für ästhetische und plastische Chirurgie (ISAPS) der am schnellsten wachsende OP-Trend weltweit.

Diese rasante Entwicklung schockiert SP-Nationalrat Cédric Wermuth. Mitte Juni reichte er einen Vorstoss im Parlament ein. Wermuth verlangt nicht nur mehr Transparenz bei Schönheits-Ops, sondern will auch, dass der Bundesrat eine zwingende psychosexuelle Beratung durch eine unabhängige Fachperson vor jeder Operation und ein Verbot von Schönheits-OPs für unter 18-Jährige prüft.

«Hat er überhaupt eine Ahnung, wie sich das anfühlt?»

Julia* liess sich vor einiger Zeit die inneren Schamlippen verkleinern. Auch sie kann Wermuths Vorstoss nicht nachvollziehen. «Hat er überhaupt eine Ahnung, wie sich das anfühlt?», erzürnt sie sich. «Bei mir war die Schönheit zweitrangig. Es war vor allem extrem unangenehm beim Velofahren oder mit engen Hosen.» Sie habe jahrelang Slip-Einlagen als Polster getragen, um ihre Schamlippen vor Schürfungen zu bewahren, sagt Julia. «Eine Operation ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Da hat niemand anderes mitzureden, weder Freunde noch der Partner – und zuallerletzt die Politik.» 

Wermuths Forderungen wurden sogar ausserhalb der Landesgrenzen diskutiert. So meldete sich ein plastischer Chirurg aus München per Mail bei watson: «Wenn man sich Wermuths Argumente ansieht, wird schnell klar, dass er nicht wirklich versteht, worum es geht», schreibt Stefan Gress. Auf Anfrage führt der plastische Chirurg seine Aussage aus: «Die Frauen, die zu uns kommen, haben oft grosse physische oder psychische Probleme. Ich kann Herrn Wermuth gerne einmal einladen und mit meinen Patientinnen konfrontieren. Viele junge Frauen sind wegen ihrer Schamlippen extrem gehemmt oder gehandicapt.» 

«Eine Operation ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Da hat niemand anderes mitzureden, weder Freunde noch der Partner – und zuallerletzt die Politik.»
Julia

Auch viele watson-User kritisierten Wermuths Vorstoss. 

Io dänks
Leser-Kommentar von Io dänks
14.06.2018 06:34
Wehrmuth hat recht, es ist absurd. Aber es ist Privatsache und nicht Sache des Staates.. Und eigentlich sehe ich das Problem nicht ganz: was stört Wehrmuth denn bei einer OP im Genitalbereich mehr als wenn jemand die Nase operiert? Als nächstes kommt dann wohl von der SP wie oft jemand zum Coiffeur darf, wieviele Piercings und Tatoos jemand tragen darf etc..
Zu: SP-Politiker Wermuth fordert Regeln für Schamlippen-OPs
deleted_548092310
Leser-Kommentar von deleted_548092310
14.06.2018 06:41
Die Welt ist voller Absurditäten. - Sich Tinte unter die Haut spritzen lassen. - Nach dem Fitnessstudio den Lift benutzen. - Leggins unter einem Kleid tragen. - Aufgrund eines Spielresultats, bei den man nicht mal selbst teilgenommen hat, weinen. - Seinen Körper durchlöchern und manchmal Silberschmuck reinhängen. Was aber noch nicht heisst, dass man Absurditäten gesetzlich regulieren muss.
Zu: SP-Politiker Wermuth fordert Regeln für Schamlippen-OPs
!patrik
Leser-Kommentar von !patrik
14.06.2018 07:29
Völlig absurd... dass sich die Politik damit beschäftigt. Es sollte jedem selber überlassen sein, was er mit seinem Körper anstellt. Warum soll eine Schamlippenoperation staatlich reguliert werden müssen und bspw. eine Nasen-OP nicht? Es ist nicht schlecht für die Gesundheit und es hat keine Auswirkungen auf andere Menschen. Dann braucht es m.E. auch keinen Staat, der mitspricht. Selbst wenn es Bestimmungen geben würde, gäbe es sicherlich Menschen, die dann einfach ins Ausland gingen - ob das dann wirklich besser wäre, bezweifle ich.
Zu: SP-Politiker Wermuth fordert Regeln für Schamlippen-OPs

Auf Anfrage antwortet der SP-Nationalrat: «Die nervöse Reaktion des plastischen Chirurgen zeigt, dass die Branche Angst davor hat, wenn jemand bei ihrer millionenschweren Geldmacherei einmal genauer hinschaut». Er habe mit seiner Interpellation lediglich ein paar Fragen gestellt, auf dessen Antwort er nun warte. Mehr gäbe es dazu nicht zu sagen, so Wermuth. 

*Name der Redaktion bekannt

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