Schweiz
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Brisant: Der Alarmknopf, mit dem Patienten um Hilfe rufen können, ist momentan in zahlreichen Schweizer Heimen ausser Betrieb. bildmaterial: shutterstock bildbearbeitung: ohe

Mega-Panne mit Notrufsystem weitet sich aus: Auch Altersheime betroffen

In rund 400 Schweizer Spitälern, Alters- und Behindertenheimen funktioniert seit dem Jahreswechsel der Notrufknopf an den Spitalbetten nicht mehr richtig. Die Panne könnte noch Tage andauern.



Die Vorstellung ist schrecklich. Man liegt hilflos im Spitalbett, drückt den Notfallknopf neben dem Bett – und nichts passiert, kein Alarm geht los. Wie watson berichtete, ist genau dies schweizweit seit der Silvesternacht in zahlreichen Kliniken passiert. Schuld für den Ausfall ist ein Software-Fehler. Teilweise schlagen Patienten und Bewohner nun per Babyphone oder Glocke Alarm. In den Spitälern sorgte die Panne für heikle Situationen. Lois*, auf Besuch bei einem Verwandten im Kantonsspital Aarau, sagt zu watson: «Der Patient im Nebenbett röchelte und drückte den Alarmknopf mehrfach – doch niemand kam.»

Jetzt zeigen weitere Recherchen das Ausmass der massiven Panne: Das System fiel laut dem Hersteller in circa 400 Institutionen aus. Auch zahlreiche Alters- und Behindertenwohnheime sind betroffen.

Die Tertianum Gruppe etwa, einer der grössten Betreiber von Seniorenheimen in der Schweiz: «Bei zwei Betrieben funktionieren die Notrufsysteme noch nicht», sagt Sprecher Roger Zintl.

«Der Patient im Nebenbett röchelte und drückte den Alarmknopf mehrfach – doch niemand kam.»

Spitalbesucher

Auch in mehreren Alters- und Pflegezentren der national tätigen Stiftung Senevita sind die Notfallknöpfte derzeit ausser Betrieb, genauso wie in zwei Pflegezentren der Stadt Zürich. In Zürich konnten die Probleme laut einer Sprecherin inzwischen aber grösstenteils behoben werden. Alle Heim-Anbieter geben an, ihre Betreuer würden zusätzliche Patrouillen machen und regelmässig prüfen, ob bei den Bewohnern alles in Ordnung ist. Gewisse Institutionen haben zusätzliches Personal aufgeboten, an vielen Orten werden die Zimmetüren offen gelassen.

«Zahlreiche Bewohner haben schlaflose Nächte aus Angst, man hört sie nicht.»

In den Wohnheimen Rossfeld für Menschen mit körperlicher Behinderung in der Stadt Bern ist das System laut Informationen von watson ebenfalls down. Man habe den Bewohnern Babyphones verteilt, für alle habe es aber nicht gereicht: «Zahlreiche Bewohner haben schlaflose Nächte. Aus Angst, man werde sie bei einem Problem nicht hören», so eine Person aus dem Umfeld des Heims. Die Stiftung Rossfeld war für eine offizielle Stellungnahme bisher nicht erreichbar.

Panne dauert bis nächste Woche an

Der Software-GAU ereignete sich um am 1. Januar um 0.01. Die Panne trat also durch den Jahreswechsel 2018/19 auf und erinnert so an den befürchteten Millenium-Bug, die Angst vor dem Crash diverser Informatiksysteme an der Jahrtausendwende. Der akutelle Softwarefehler bewirkte, dass die LED-Anzeigen der Displays mehr Strom bezogen. Dadurch brach das Datenübertragungssystem teilweise zusammen.

Der Hersteller des fehlerhaften Systems ist die Firma Gets MSS SA in Lausanne. Von der Panne betroffen sind laut einer Sprecherin schweizweit rund 400 Institutionen.

Das Unternehmen gibt an, am 2. Januar ein «fehlerbehebendes Update» aufgeschaltet zu haben. «Damit war das Notruf-System einen Tag später in vielen Spitälern und Wohnheimen wieder zu 90 Prozent funktionsfähig.» Wegen der grossen Anzahl Unternehmen, die das Gets-System nutzen, würden sich gewisse Institutionen aber bis nächste Woche gedulden müssen.

*Name geändert.

700'000 Patienten infizieren sich jährlich im Spital

Video: srf

Statistiken zu Transplantationen in der Schweiz

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