DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Bundespraesident Alain Berset, Vorsteher des Eidgenoessisches Departement des Innern EDI, spricht anlaesslich der Nationalen Konferenz Gesundheit 2020, am Montag, 29. Januar 2018, in Bern. (KEYSTONE/Marcel Bieri)

Bundesrat Alain Berset an der Nationalen Konferenz Gesundheit 2020. Bild: KEYSTONE

Alain Berset prangert Arztlohn von 1 Million Franken an – «Fake News» rufen Mediziner

Bis zu einer Million Franken sollen Ärzte verdienen, sagt Bundesrat Alain Berset in einem Interview und erzürnt damit Mediziner. Darunter der Schweizerische Berufsverband der Ärzte.



Alain Berset ist wütend. Seine Gefühlsregung kann er im Interview mit der Tagesschau des Westschweizer Fernsehens RTS nicht verstecken. «Wer kann ein solches Gehalt auf dem Rücken der Prämienzahler rechtfertigen?», fragt er, spricht von inakzeptablen Löhnen.

Wütend gemacht hat Berset eine Aussage des Genfer Gesundheitsdirektors Mauro Poggia an der Nationalen Konferenz Gesundheit 2020. Poggia geht davon aus, dass einige Fachärzte, zum Beispiel Chirurgen, bis zu einer Million Franken im Jahr verdienen. 

Der genervte Alain Berset im Westschweizer Fernsehen

Kaum hatte Berset die Zahl von Poggia über das Fernsehen weiterverbreitet, meldete sich die Ärzteschaft zu Wort. Ihrerseits wütend, aber nicht auf die Grossverdiener unter den Medizinern, sondern auf den Bundesrat.

«Das ist skandalös», sagte Jean-Marc Heinicke, Chirurg und Präsident des Verbands der Genfer Chirurgen gegenüber RTS. Er sei sehr überrascht, dass der Gesundheitsminister einen solchen öffentlichen Schnitzer begehe und die hohen Gehälter von Fachleuten für die Erhöhung der Prämien verantwortlich mache, sagte Heinicke.

Und für die Waadtländer Ärztegesellschaft war das kurze Interview Anlass genug, um eine zweiseitige Medienmitteilung zu publizieren. Darin bezichtigen sie Berset, «Fake News» zu verbreiten und fordern ihn auf, seine Aussagen öffentlich zurückzuziehen.

«Seit Jahren fehlt von den Leistungserbringern Transparenz über ihre Einkommen.»

Sprecher von Alain Berset

Der Schweizer Berufsverband der Ärzte (FMH) ist mit der Waadtländer Ärztegesellschaft einig, wie er gegenüber watson mitteilt. «Die Aussage von Bundesrat Alain Berset bezüglich Lohn von Spezialärzten von einer Million Franken allein aus dem obligatorischem KVG-Bereich kann nicht korrekt sein.» Rein rechnerisch sei eine solche Summe nur mit Tarmed-Tarif-Leistungen gar nicht zu erwirtschaften, so der Verband.

Der Sprecher von Alain Berset geht auf Nachfrage von watson nicht auf die Vorwürfe der Ärzte ein, sondern unterstreicht die Forderung, die der Bundesrat bereits im Interview äusserte. «Seit Jahren fehlt von den Leistungserbringern Transparenz über ihre Einkommen.»

Tatsächlich. In der Schweiz weiss derzeit niemand, wie viel die Ärztinnen und Ärzte eigentlich verdienen. Die letzten Zahlen stammen aus dem Jahr 2009, wobei das methodische Vorgehen dieser Studie kritisiert wird.

So kann man sich nur auf Insider-Informationen beziehen. Gegenüber der NZZ bezifferte der Geschäftsführer von Klingler Consultants den Normallohn eines Oberarztes zwischen 120'000 und 360'000 Franken. Am besten bezahlt würden Radiologen, Intensivmediziner, Kardiologen, Urologen und Gastroenterologen.

Ein wenig Licht ins Dunkel könnte eine Studie bringen, welche das Bundesamt für Gesundheit für den kommenden Frühling angekündigt hat.

Video der Woche: «Nichts ist gratis, ausser Schneeflocken. Und Sch**ssquitten»

Video: watson/Rafi Hazera, Emily Engkent

Augenblicke – Bilder aus aller Welt

1 / 66
Augenblicke – Bilder aus aller Welt
quelle: epa / zoo berlin handout
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Wie sich die Menschheit selbst zerstört – 10 Bilder aus Madagaskar

Auf Madagaskar herrscht die schlimmste Dürre seit 40 Jahren. Tausende Menschen stehen kurz vor dem Hungertod. Der Klimawandel, Brandrodungen und eine korrupte Regierung zerstören die extreme Artenvielfalt auf der Insel.

Madagaskar ist die viertgrösste Insel der Welt. Sie gilt als tropisches Naturparadies mit gewaltigen Landflächen an Regenwäldern, Steppen, Wüsten, Bergregionen und Hochebenen, Mangrovenwäldern und mit 5000 Kilometern Küste mit Palmenstränden. Der biologische Reichtum an Pflanzen auf der Insel ist mit kaum einem anderen Fleck auf der Erde vergleichbar. Die Tierwelt ist ausgesprochen vielfältig und einzigartig.

Doch seit vielen Jahren ist diese unvergleichliche Natur und Artenvielfalt bedroht. …

Artikel lesen
Link zum Artikel