Schweiz
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Schweiz Tourismus will die Schweiz mit Hilfe von Influencern hip machen

Annika Bangerter / Nordwestschweiz



Im Gepäck von Rich McCor ist ein Dalmatiner in die Schweiz geflogen. Einer aus Papier. McCor hat ihn vor ein paar Tagen in London ausgeschnitten. Vor einem Gebäude in Münchenstein BL hält er ihn diesen Mittwochnachmittag in die Luft und drückt auf den Auslöser seiner Kamera.

Mit seinen Scherenschnitten reist der 31-Jährige rund um den Globus und verwandelt auf seinen Fotos Gebäude in Gegenstände, in Tiere, in Menschen. Der Arc de Triomphe in Paris wird zum Playmobil-Männchen, die Stadthalle von Chemnitz zum Schaf oder das Neon-Museum in Las Vegas zum Kleid von Marilyn Monroe. Das gefällt.

So sehen McCors Bilder auf Instagram aus:

Auf Instagram – wo er seine Bilder unter dem Namen Paperboyo zeigt – hat er fast 400 000 Follower. McCor ist inzwischen ein Werbekanal, seine Reisen sind bezahlte Projekte. Er gehört zu jenen Influencern, die Firmen buchen, um ihre Produkte zu bewerben. In seinem Fall sind es primär Tourismusanbieter.

Deshalb ist der Engländer einer der 29 Influencer, die Schweiz Tourismus eingeladen hat. Am vergangenen Sonntag sind sie in Flugzeugen aus 21 verschiedenen Ländern gelandet. Sie kamen aus Australien, aus China, aus Russland, aber auch aus Frankreich oder Deutschland.

Laut eigenen Angaben ist Schweiz Tourismus die erste nationale Tourismusorganisation, die zu einer Influencer-Konferenz geladen hat. Dies, um «längerfristige Beziehungen zu relevanten und passenden Influencern aufzubauen», sagt Sprecher Markus Berger.

Um sie zu locken, gab es Workshops mit Referenten von Instagram, Tourismus-Hochschulen oder Fotografen. Auch Michael Kauer, Touristiker an der Fachhochschule Chur, war an der Konferenz in Vevey. Er sagt, dass die Posts von Influencern in der Regel nicht direkt zu Buchungen führen. «Sie machen die Destination bekannt und stimulieren Wünsche und Interessen», sagt Kauer.

Für Anbieter seien sie aber interessant, weil sie bestimmte Themen bearbeiten und dadurch eine Zielgruppe erreichen. Über Instagram, Youtube, Facebook oder eigenen Blogs. Einer von ihnen ist der deutsche Mountainbiker Leo Kast: Obwohl er mit 92'000 Followern auf seinen Kanälen verhältnismässig wenig Personen erreicht, stuft ihn Schweiz Tourismus als einflussreicher Influencer ein. «In der Bike-Community in Deutschland ist keiner so verankert wie er. Das macht ihn für uns sehr interessant», sagt Berger. Nicht die Grösse der Fangemeinde sei entscheidend, sondern die Glaubwürdigkeit.

Das ist ein Bild von Kast aus Montreux:

Ein Beitrag geteilt von Leo Kast (@leo.kast) am

Wie die Schweiz im Ausland wahrgenommen wird, untersucht die Behörde «Präsenz Schweiz» beim Eidgenössischen Departement für Auswärtiges. Für 2017 hat diese erstmals auch die Positionierung auf Instagram analysiert.

Traditionelles Bild aufbrechen

Dabei stiess sie auf fünf Millionen Fotos und Videos, die mit Schweiz-Bezug – also einem entsprechenden Hashtag – gepostet wurden. Dabei dominierten die idyllischen und traditionellen Seiten der Schweiz: Seen, Berge, Chalets, Schoggi. Präsenz Schweiz hält im Bericht fest: «Das kulturelle Erbe unseres Landes erscheint eher unter dem Aspekt der Tradition als der Avantgarde.»

Das will Schweiz Tourismus ändern und hat deshalb zur Konferenz Influencer aus Sparten wie Lifestyle, Kulinarik und Architektur eingeladen. «Wir wollen die einseitige Wahrnehmung der Schweiz aufbrechen», sagt Berger. Das soll auch über die sozialen Medien geschehen – und über Menschen, die das Ferienland Schweiz abseits der Klischees zeigen. «Es braucht seitens der Influencer ein klares Konzept und ein Profil, das unseren Bedürfnissen entspricht», sagt er.

Solche Bilder finden sich auf Instagram zu Haufe:

Das ist bei den meisten Bewerbern nicht der Fall, die sich zahlreich bei Schweiz Tourismus melden, um gratis in einem Hotel übernachten zu können oder eine Region kennen zu lernen.Anders bei erfolgreichen Influencern wie Rich McCor. Die Projekte werden in der Regel an ihn herangetragen, sagt er. Der Trick sei: eine Nische zu finden und einen eigenen Stil zu entwickeln. «Es braucht Glück und eine gute Idee, die viele Leute unterhält, um erfolgreich zu werden», sagt er. Der Engländer verdient inzwischen mehr als in seinem früheren BBC-Job.

Doch was glamourös klinge, sei harte Arbeit. «Von aussen sieht es verlockend aus, wie wir um die Welt reisen. Ist es auch. Gleichzeitig kann es einsam machen, in einem hohen Tempo unterwegs zu sein und stets alleine neue Einfälle zu entwickeln», sagt McCor. Er musste deshalb lernen, Angebote abzulehnen und Pausen einzulegen. Spätestens nach zwei Monaten kehrt er zu seinen Freunden in London zurück. Einen festen Wohnsitz hat er nicht mehr.

Für Tourismus-Experte Michael Kauer sind die Influencer nicht bloss ein neuer Trend im digitalen Marketing. Er ist überzeugt: «Um Dienstleistungen oder Produkte zu positionieren, werden sie als Kommunikationskanal künftig eine noch wichtigere Rolle spielen.» Dies, weil auch im Tourismus ein Überangebot bestehe. Orientierung bei der Suche nach dem passenden Erlebnis können die Influencer bieten, so Kauer.

Doch was, wenn gerade sie einen Hype um einen Ort auslösen? Mit den Problemen von Overtourismus kämpft nicht nur das Wirtepaar im berühmten Berggasthaus Aescher. Auch die Bewohner des Verzasca-Tals können davon erzählen. Vor einem Jahr wurde dieses regelrecht von italienischen Gästen überflutet. Der Auslöser: ein Video eines Bloggers aus Mailand.

Für Markus Berger von Schweiz Tourismus lassen sich solche Phänomene nicht verhindern. Allerdings könnten mit Influencer-Marketing Alternativen entgegengesetzt werden. «Wir besuchen mit ihnen nicht mehr das Verzasca-Tal, sondern zeigen ihnen beispielsweise das nahe gelegene Onsernonetal.» Das lässt sich Schweiz Tourismus auch etwas kosten. In den vergangenen Jahren sind die Ausgaben im Bereich Online-Marketing stets gestiegen.

Inzwischen machen sie etwa 20 Prozent des ganzen Marketingbudgets aus. Dazu gehören allerdings sämtliche digitale Werbemassnahmen. Wie viel Geld an Influencer fliesst, könne er nicht sagen, hält Sprecher Berger fest. Nur: Die teuersten Influencer, die pro Post 20'000 Dollar verlangen, «können und wollen wir uns bei weitem nicht leisten». 

Putin macht eine Instastory

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Video: watson/Emily Engkent

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    Alle Leser-Kommentare
  • Tomtom64 31.08.2018 10:31
    Highlight Highlight Bloss weil mir Stammtischkumpel Erwin seine Ferienphotos von Malle, Rimini oder Costa Brava gezeigt hat, mache ich dort doch noch lange nicht Urlaub.

    Wieso funktioniert das bei diesen Influencern? Oder sind heute schon alle so verblödet, dass sie jemanden brauchen, der sie beeinflusst?

    Ich für meinen Teil wähle mein Ferienziel nicht danach aus, ob Influencer Erwin da ein schönes Foto gemacht hat oder nicht.
    • Raphael Stein 31.08.2018 11:14
      Highlight Highlight Oder sind heute schon alle so verblödet, dass sie jemanden brauchen, der sie beeinflusst?

      Ist genau so. Früher waren das "geheime Tipps", dann Reisebüros, Reiseführer Bücher, TV Sendungen, und jetzt... erraten.

      Die Zeiten ändern sich nicht.
  • Nelson Muntz 31.08.2018 09:10
    Highlight Highlight Influencer sind die Pest des neuen Zeitalters...
  • c_meier 31.08.2018 08:54
    Highlight Highlight kann watson mal ein Interview mit Schweiz Tourismus machen ob solche Influencer nicht auch "zu viele" Touristen bringen können (wie beim Äscher)?
  • rodolofo 31.08.2018 08:32
    Highlight Highlight Da kommt mir gerade eine neue Geschäfts-Idee in den Sinn:
    Professionelle Anti-Influencer könnten die Aktivitäten der wichtigsten Influencer beobachten und uns dann vor Destinationen abraten, welche Influencer ihren Followern empfehlen!
    Sie würden dann sofort einen Influencer-Alarm aktivieren und aufschalten. so dass wir die Gebiete grossräumig meiden und umfahren können.
  • el heinzo 31.08.2018 08:14
    Highlight Highlight Die Schweiz ist schon längst hipp genug, und Tourismus-Influenzer eine egoistische, selbstverliebte, ressourcenvernichtende, unökologische, überflüssige Landplage unserer Zeit. Nun denn, dann wird halt diese Sau auch noch durchs Dorf getrieben. Die Kader von Schweiz Tourismus müssen ja irgendwie ihre exorbitanten Saläre rechtfertigen.
  • Wilhelm Dingo 31.08.2018 08:14
    Highlight Highlight Auf diese Insta-Touris können wir in der Schweiz gerne verzichten.
    • c-bra 31.08.2018 08:39
      Highlight Highlight Grund für diese Aussage?

      Die sozialen Medien sind ein mächtiges Marketinginstrument, richtig eingesetzt werden Millionen von potenziellen Touristen auf der ganzen Welt angelockt und wenn die mal da sind und fleissig Bilder teilen ist das ein Selbstläufer.

      Klar gibt es auch negative Punkte, siehe Äscher AI, aber wer da nicht auf den Zug aufspringt verpasst relativ ein relativ günstiges Marketingmedium.
    • efrain 31.08.2018 09:13
      Highlight Highlight Weil wir nicht 'mehr' Touristen brauchen, allgemein betrachtet. Die Schweiz setzt auf Qualität, nicht Quantität.

      Allerdings könnte man via Social Media gezielt Regionen bekannt machen, die sonst wenig besucht sind. zB das Calancatal.
    • amazonas queen 31.08.2018 09:20
      Highlight Highlight Calancatal kann ich mich anschliessen. Sehr schöne Gegend.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Holzauge 31.08.2018 08:09
    Highlight Highlight Eigentlich möchte ich gar nicht, dass die Schweiz "hipper" wird.
    Wir sind einfach zu klein um noch mehr Touristen aufzunehmen, zumindestens diejenigen die kommen, weil es "Hip" ist...

    Sanftter Tourismus wäre das Schlagwort, wenn schon.

    Es gibt bereits viele Orte die man nicht mehr besuchen kann, da diese schlicht schon "überlaufen" sind.

Das waren die ersten Insta-Bilder der Schweizer Influencer – und sie sind so 🙈

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