Schweiz
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Illegal entsorgter Abfall, bestehend aus alten Kleidern und Kinderspielzeug sowie anderem Muell, liegt neben der Sihltalstrasse bei Sihlbrugg, aufgenommen am Mittwoch, 22. November 2006. 
(KEYSTONE/Alexandra Wey)

Illegal entsorgter Abfall, bestehend aus alten Kleidern und Kinderspielzeug sowie anderem Müll, liegt neben der Sihltalstrasse bei Sihlbrugg. Bild: KEYSTONE

Geringe Strafen für Schweizer Umweltsünder – doch das wird sich bald ändern

BARBARA INGLIN / ch media



Umweltkriminalität ist ein Milliardengeschäft. Und gemäss der internationalen Polizeiorganisation Interpol eines der wichtigsten Betätigungsfelder des organisierten Verbrechens – der viertgrösste Kriminalitätsbereich hinter Drogenhandel, Produktpiraterie und Menschenhandel. Es geht um illegal abgeholzte Wälder, den verbotenen Handel mit bedrohten Tier- und Pflanzenarten, die Verschmutzung von Gewässern, Boden sowie Luft und vieles mehr

Interpol fordert darum mehr Einsatz im Kampf gegen Umweltsünder. Die internationale Zusammenarbeit sei bei der Bekämpfung zentral, so Interpol. Doch auch innerhalb der Staaten müsse die Koordination verbessert werden. Denn die zahlreichen Behörden, die sich mit Umweltdelikten beschäftigen, seien zum Teil nur schlecht vernetzt.

Expertengruppe startet im März

Das gilt insbesondere auch für die föderalistische Schweiz. «Unser Föderalismus macht die Bekämpfung der organisierten Umweltkriminalität schwierig. Häufig sehen wir nur den Einzelfall, die grösseren Zusammenhänge bleiben verborgen», wird Martina Ricola, Leiterin des Fachbereichs Umwelt der Kantonspolizei Bern, in einer Publikation des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) zitiert.

Entdecke zum Beispiel die Hafenbehörde in Rotterdam mehrere Container mit falsch deklariertem Elektroschrott, schicke sie diese an die Absender in die Schweiz zurück. Befinden sich die Absender in verschiedenen Kantonen, befassten sich die jeweiligen kantonalen Behörden nur mit «ihrem» Container. «Fälle von organisierter Umweltkriminalität lassen sich so nur schwer erkennen», sagt Ricola.

Spätfolgen von offenen Abfalldeponien machen sich bemerkbar:

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Video: srf

Doch nun soll eine neue Organisation die Effizienz und Schlagkraft der Schweiz erhöhen. Ende März nimmt die «Koordinationsgruppe gegen Umweltkriminalität», bestehend aus Experten der Bundesverwaltung und der Kantone, ihre Arbeit auf. Die Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure soll damit verbessert werden. Zudem wird die Gruppe Empfehlungen für Verbesserungen im Umweltstrafrecht und in der Strafverfolgung machen

Dass Umweltkriminalität auch in der Schweiz verbreitet ist, zeigt eine Auswertung der kantonalen Strafentscheide des Bafu für die Jahre 2013 bis 2016. Pro Jahr wurden rund 1000 Fälle registriert. Rund ein Drittel der Straftaten entfällt auf das illegale Verbrennen und Entsorgen von Abfällen. Ein weiteres Drittel betrifft Gewässerverschmutzungen, etwa weil auf Baustellen beim Betonieren Abwässer falsch abgeleitet werden, weil Wasser aus dem privaten Swimmingpool nicht richtig abgepumpt wird und im Bach landet oder weil Bauern ihre Gülle unsachgemäss ausbringen. Zu weiteren Strafentscheiden kam es, weil Personen bei der illegalen Jagd oder beim verbotenen Fischen ertappt wurden oder weil sie ihre Hunde «wildern» liessen.

Plastikmüll im Meer:

Strafmass nicht ausgeschöpft

Die Bafu-Auswertung zeigt weiter: Umweltsünder kommen in der Schweiz mit relativ geringen Strafen davon. Ein Grossteil der Vergehen wurde mit Bussen unter 1000 Franken sanktioniert, im Schnitt lag die Bussenhöhe bei gerade einmal 500 Franken. Das Umweltschutzgesetz, welches einige der erwähnten Tatbestände betrifft, sieht Sanktionen bis zu 20'000 Franken vor.

Die Strafobergrenzen werden zwar auch bei anderen Straftaten selten ausgenutzt. «Trotzdem sind wir der Ansicht», sagt Bafu-Juristin Barbara Nägeli, «dass Umweltdelikte oft bagatellisiert werden.» Dafür sieht sie verschiedene mögliche Erklärungen. «Gewisse Umweltdelikte sehen im Einzelfall wie Bagatellfälle aus, sind aber insbesondere in der Kumulation ein grosses Problem.» Zudem seien die verursachten Schäden oft nur mit spezialisiertem Fachwissen in ihrem Ausmass und ihren Auswirkungen einschätzbar, etwa bei Grundwasserverschmutzungen durch das Ausbringen von Güllen während der Vegetationsruhe im Winter. Oder die negativen Auswirkungen zeigten sich erst im Ausland.

So auch beim illegalen Export von Abfall, einem der wichtigsten Delikte der internationalen Umweltkriminalität, mit welchem die Schweiz konfrontiert ist. Alte Autos und Reifen, defekte Elektrogeräte und Kühlschränke mit verbotenen Kältemitteln werden von hier ins Ausland geschafft. Meist landet Schweizer «Güsel» in Osteuropa, im Mittleren Osten oder in Afrika.

HANDOUT - 261 Vogelspinnen hat ein Schweizer von der Dominikanischen Republik in die Schweiz schmuggeln wollen. Die Zoellner am Flughafen Zuerich fanden die Tiere Anfang August in sechs Schachteln. Sie waren einzeln in Kunststoffbeutel verpackt. Zehn davon ueberlebten den Transport nicht. Bei den fuer Menschen ungiftigen Spinnen handelt es sich um mexikanische Rotknievogelspinnen. Diese Spinnenart ist geschuetzt, wie es in einer Mitteilung der Zollfahndung Zuerich vom Mittwoch, 19. Oktober 2011, heisst. Die Vogelspinnen wurden voruebergehend in den Zoo Zuerich gebracht. (ZOLLFAHNDUNG ZUERICH) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

261 geschützte Vogelspinnen hat ein Schweizer von der Dominikanischen Republik in die Schweiz schmuggeln wollen. Die Zöllner am Flughafen Zürich fanden die Tiere Anfang August 2011 in sechs Schachteln.  Bild: ZOLLFAHNDUNG ZUERICH

Ebenfalls grenzüberschreitend tätig sind jene Kriminelle, die mit geschützten Tieren und Pflanzen handeln. In der Schweiz geht es vor allem um importierte Luxusgüter wie zum Beispiel Schals aus Shahtoosh, der Wolle der streng geschützten Tibetantilope. Regelmässig entdecken Zöllner auch illegal importierte lebende Reptilien, Papageien oder Orchideen.

Gesetze werden verschärft

Nun will die Schweiz die Schraube in verschiedenen Bereichen anziehen. Das Parlament fordert per Motion schärfere Strafen beim Handel mit bedrohten Arten. Stärker bekämpft werden soll auch der illegale Holzschlag, laut Interpol der wohl wichtigste Zweig der Umweltkriminalität weltweit. Anders als in der EU ist der Import von Holz aus illegalem Holzschlag bis anhin in der Schweiz nicht verboten. Dies soll sich nun ändern, sind sich Parlament und Bundesrat einig.

Verstärkt gegen Umweltkriminalität im Inland vorgehen will die Schweiz ab nächstem Jahr zudem mit der Einführung von Ordnungsbussen. Mit einer Busse von 100 Franken wird künftig zum Beispiel bestraft, wer geschützte Pflanzen pflückt oder die Leinenpflicht in einem Jagdbanngebiet missachtete. Da neu in solchen Fällen weder eine Anzeige noch Strafermittlungen nötig sind, können die Fälle rascher und effizienter abgewickelt werden. Und, so die Hoffnung des Bundes, mehr Übertretungen sanktioniert werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • AlteSchachtel 30.01.2019 13:20
    Highlight Highlight "die Verschmutzung von Gewässern, Boden sowie Luft ..."

    Eigenartig, dass die Landwirtschaft davon ausgenommen ist und der Bund mit der Grenzwertererhöhung von Pestiziden die Verschmutzung noch vorantreiben kann...

    http://www.aefu.ch/themen/chemikalien/pestizide/
  • Todesstern 30.01.2019 08:11
    Highlight Highlight Gut so, kurze Freiheitsstrafen wären angemessen.
  • Raphael Conca 30.01.2019 07:32
    Highlight Highlight Finde ich gut. Am Bolligen Bahnhof habe ich mal ein älterer Herr beobachtet, wie er Kehricht - ich vermute Hausmüll - in ein öffentlichen Abfallkübel entsorgte.
    War so schockiert, dass ich „vergass“ ein Foto zu schiessen.
    Der Witz!
    Der Herr war bestens bekleidet; teurer Anzug und sehr wohl frisiert. Meine Einschätzung nach, ein Schweizer. Und hat sein BMW M6 schön neben dem Abfallkübel angehalten, mit einem Sack ausgestiegen und entsorgt.
    Als er mein erstauntes Gesicht bemerkte, huschte er ist Auto und fuhr mit heulendem Motor davon.
    Ich fragt mich, wieviele tun so etwas?

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