Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Adult film actress Ela Darling poses for a portrait on a couch in her apartment, which is frequently used as a filming location in Los Angeles, California, U.S., on Sunday, May 19, 2013. Her  career, she says, is under threat from the California legislature which soon may require actors to wear condoms and other protective gear on set. Photographer: Patrick T. Fallon/Bloomberg via Getty Images

Das verschicken von Pornos in Chats ist unter Schweizer Schülern beliebt: Die Anzeigen haben sich in den letzten Jahren verfünffacht. Bild: Bloomberg

Interview

«Gefährlich sind nicht die Pornos, sondern dass wir unsere Kinder damit alleine lassen»

Die Zahl der Anzeigen wegen verschickter Pornografie auf Schweizer Pausenplätzen hat sich seit 2011 verfünffacht. Doch es sei nicht das Vorhandensein von Pornografie an Schulen, das gefährlich sei, sondern dass die Schüler damit alleine gelassen werden, sagt Sexualpädagoge Bruno Bühlmann.



224 Jugendliche wurden letztes Jahr wegen dem Besitz von Pornografie verurteilt. 2011 lag diese Zahl noch bei 47. Damit hat sich die Anzahl fast verfünffacht, schreibt die «SonntagsZeitung» in ihrer letzten Ausgabe. Der jüngste Angeklagte war noch nicht einmal zehn Jahre alt.

Sexualpädagoge Bruno Bühlmann erklärt im Interview mit watson, was ein solcher Fall für das Kind und die Eltern bedeuten kann und was das Problem des Umgangs der Jugendlichen mit Pornografie ist.

Herr Bühlmann, die Anzahl von Anklagen wegen Pornografie ist in den letzten Jahren stark gestiegen, was hat sich verändert?
Bruno Bühlmann:
Der grosse Unterschied zu vor sechs Jahren ist das Smartphone. Früher war es für junge Menschen schwieriger, an abgebildete Sexualität zu gelangen. Die Handys waren weniger leistungsfähig und hatten kaum Internetzugang. Das hat sich sehr schnell sehr stark verändert. Mittlerweile besitzt fast jeder Jugendliche ein Smartphone mit grossem Bildschirm und unbegrenztem Internet.

Bruno Bühlmann

Bild: isebi.ch

Über die Person:

Bruno Bühlmann ist Sexualpädagoge und Gründer des Instituts für sexuelle Bildung. Er referiert an verschiedenen Universitäten der Schweiz zum Thema Sexualpädagogik und dem Umgang mit Sexualität. Weiter ist er Stiftungsrats- und Vorstandsmitglied der schweizerischen Stiftung für Sexuelle Gesundheit Schweiz (SGS).

quelle: isebi.ch

Hat sich auch unser Bewusstsein für Sexualität bei Jugendlichen verändert?
Das Interesse von Jugendlich an der Sexualität in all ihren Facetten hat sich kaum gewandelt. Es ist unverändert hoch. Auch das Bewusstsein der Eltern und Lehrpersonen, dass Jugendliche Pornografie konsumieren könnten und dass man da etwas tun sollte, hat sich kaum verändert. Wäre dem so, hätten wir wohl mehr als 224 Fälle pro Jahr.

Sehen Sie denn in der Pornografie keine Gefahr für Jugendliche?
Es ist schwierig, den Effekt von Bildern auf die Entwicklung des Menschen zu messen. Bei Kindern und Jugendlichen ist eher das Problem, dass sie nicht recht wissen, wie sie solche Bilder einschätzen sollen. Gefährlich sind nicht die Pornos, sondern dass wir die Kinder mit dem Thema alleine lassen.

Also sehen Sie kein Problem darin, dass Jugendliche Pornos schauen?
Der Effekt von Pornografie ist, dass die Menschen unter sexuellen Leistungsdruck geraten. Jugendliche, die persönlich noch keine konkreten Erfahrungen mit Sex gemacht haben, könnten durch die hochstilisierten Filme den Blick für die Realität verlieren. Sie orientieren sich dann bei ihren eigenen sexuellen Erfahrungen an dem, was sie im Internet sehen. Das gilt auch für Erwachsene. Bei harter und illegaler Pornografie wird dieser Druck noch verstärkt. Die Jugendlichen könnten den Eindruck erhalten, dass das Gesehene normal ist, obwohl das nicht stimmt.

Jeder fünfte Mann schaut während der Arbeit Pornos – und 19 andere Fakten zum Thema

Schauen Jugendliche ihrer Erfahrung nach auch harte, illegale Pornos?
Bei Jugendlichen ist der Reiz für das Extreme stets höher als bei Erwachsenen. In den 80er-Jahren waren es z.B. Gewaltfilme, die ja auch heute noch Thema sind. Solche Dynamiken sind eher als eine Art Mutprobe zu betrachten. Wer hat sowas schon gesehen? Wer traut sich, diese Videos herumzuzeigen? Jugendliche sind daran ihre eigene Sexualität zu entdecken. Wenn sie versuchen auch an illegale Pornografie heranzukommen ist dies nicht Ausdruck ihrer Präferenzen.

Trotzdem wird der Besitz von illegaler Pornografie vor Gericht härter bestraft als bei «normalen» Pornos.
Eine juristische Lösung dieses gesellschaftlichen Phänomens erscheint mir da bei Jugendlichen nicht erfolgsversprechend. Egal, ob es sich um harte oder softe Pornografie handelt.

Warum?
Sexualität ist im Privaten ein eher tabuisiertes Thema. Pornografie stellt ein tabuisiertes Thema in einem ein tabuisierten Thema dar. Ein Kind oder eine Familie in diesem Zusammenhang an die Öffentlichkeit zu zerren, ist einfach nicht richtig. Ein Gerichtsverfahren kann mehr Schaden anrichten als die Pornografie selbst. Die Betroffenen werden eingeschüchtert und öffentlich stigmatisiert.

Wie könnte besser damit umgegangen werden?
Es braucht eine Institutionalisierung von sexualpädagogischen Angeboten in den Schulen und die Lehrpersonen müssen besser auf den Sexualkundeunterricht und den Umgang mit Sexualität bei Kindern vorbereitet werden. Ein Schnellkurs ist da zu wenig. Wir dürfen Kinder und Jugendliche nicht mit dem Thema Pornografie alleine lassen. Es braucht geeignete Plattformen der Information und der Auseinandersetzung auch zu diesem sensiblen Thema.

Man könnte auch argumentieren, es sei Sache der Eltern, mit ihren Kindern über Sexualität zu sprechen.
Dem stimme ich völlig zu. Doch es wird oft nicht gemacht. Man braucht sich nur an die Gespräche mit den eigenen Eltern über Sex zurück zu erinnern. Das ist eine schöne Vorstellung, gelingt oft nicht wie man es sich wünschen würde. Vielleicht müssten auch die Eltern durch flankierende Massnahmen unterstützt werden. Wichtig ist, dass wir mit Kindern und Jugendlichen über Sexualität und Pornografie sprechen und ihnen helfen zu verstehen, was solche Bilder bedeuten.

Pornostars vor und nach dem Styling:

Sexistischer Werbespot aus China gestoppt

abspielen

Video: srf

Das könnte dich auch interessieren:

Warum wir bald wieder über den Schweizer Pass reden werden

Link zum Artikel

YB droht Bickel mit Gericht, nachdem er als Sportchef 40 Mio. verlochte

Link zum Artikel

CVP fährt grosse Negativ-Kampagne gegen andere Parteien – die Reaktionen sind heftig

Link zum Artikel

«Ich hatte Sex mit dem Ex meiner besten Freundin…»

Link zum Artikel

«Ich bin … wie soll ich es sagen … so ein bisschen ein Arschloch-Spieler»

Link zum Artikel

Röstigraben im Bundeshaus: «Sobald ich auf Deutsch wechsle, sinkt der Lärm um 10 Dezibel»

Link zum Artikel

15 Bilder, die zeigen, wie wunderschön und gleichzeitig brutal die Natur ist

Link zum Artikel

Wo du in dieser Saison Champions League und Europa League sehen kannst

Link zum Artikel

Shaqiri? Xhaka? Von wegen! Zwei Torhüter sind die besten Schweizer bei «FIFA 20»

Link zum Artikel

Wie gut kennst du dich in der Schweiz aus? Diese 11 Rätsel zeigen es dir

Link zum Artikel

Der Kampf einer indonesischen Insel gegen den Plastik

Link zum Artikel

«Informiert euch!»: Greta liest den Amerikanern bei Trevor Noah die Leviten

Link zum Artikel

Die Geschichte von «Ausbrecherkönig» Walter Stürm und seinem traurigen Ende

Link zum Artikel

Keine Angst vor Freitag, dem 13.! Diese 13 Menschen haben bereits alles Pech aufgebraucht

Link zum Artikel

Matheproblem um die Zahl 42 geknackt

Link zum Artikel

So schneiden die Politiker im Franz-Test ab – wärst du besser?

Link zum Artikel

So erklärt das OK der Hockey-WM in der Schweiz die Ähnlichkeit zum Tim-Hortons-Spot

Link zum Artikel

Eine Untergrund-Industrie plündert Banking-Apps wie Revolut – so gehen die Betrüger vor

Link zum Artikel

Migros Aare baut rund 300 Arbeitsplätze ab

Link zum Artikel

Die amerikanische Agentin, die Frankreichs Résistance aufbaute

Link zum Artikel

Alles, was du über die neuen iPhones und den «Netflix-Killer» von Apple wissen musst

Link zum Artikel

«In der Schweiz gibt es zu viel Old Money und zu wenig Smart Money»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

4
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • reputationscoach 28.07.2017 16:17
    Highlight Highlight Ist ja klar: "Gefährlich ist nicht der Revolver, sondern nur dass wir unsere Kinder damit alleine lassen "?!? Oder was?
  • Hexentanz 26.07.2017 10:35
    Highlight Highlight Als ich in der Schule war, hatten wir Nokia Handys und MMS Senden war sau teuer.. und ich bin erst 30 bald^^

    Scheint heute anders abzugehen auf den Pausenplätzen, wenn man das so hört.

    Will garnicht wissen, wie viel Sexting usw. da betrieben wird. Natürlich ist das ganze dann Illegal, aber ja.. was will man?

    Sex überall - Druck überall - Die Jugendlichen kennnen es ja nicht anders.

    Leid tun mir eigentlich nur die jungen Mädels, welche sich durch Druck und teils Profilierungswahn in missliche Situationen rücken.

    Aber gibt wohl keine einfache Lösung dafür.
  • sven_meye 25.07.2017 22:16
    Highlight Highlight Naja, ich denke nicht, dass die Fälle zunehmen, sondern heutzutage wird durch die Eltern einfach alles und jeder angezeigt. Klassischer Fall von Helikoptereltern. In den meisten Fällen handelt es sich ja um "Grüselvideos", das gab es schon während meiner Sekundarschulzeit und viel kam auch von meinen ca. 10 Jahre älteren Cousins. Klar ist es unnötig, aber bitte, man muss es sich ja nicht ansehen und selbst wenn, erleidet man dadurch keinen Schaden. Lediglich die Schweizer Staatskasse und die Richter leiden darunter^^

    https://i.makeagif.com/media/7-21-2015/-wRDJB.gif
  • olmabrotwurschtmitbürli aka Pink Flauder 25.07.2017 18:48
    Highlight Highlight Ich denke nicht, dass ein Kind unter zehn Jahren angeklagt wurde (Art. 3 und 4 JStG). Da muss sich ein Fehler eingeschlichen haben.

«Ich will mich sterilisieren lassen» – warum Norah (25) keine Kinder möchte

Wenn Frauen keine Kinder wollen, irritiert das – auch heute noch. Mit 19 Jahren hat Norah Steiner ihrer Frauenärztin zum ersten Mal gesagt, dass sie sich sterilisieren lassen will. Diese war schockiert und blockte ab.

Die 25-jährige Norah Steiner setzt sich auf den Bistro-Stuhl in einem französischen Café in Luzern. Sie bestellt einen Verveine-Tee, «ich ernähre mich jetzt vegan», und zieht ihre Multifunktions-Jacke aus. Dann sagt sie das, was die Gynäkologen schockiert, das Umfeld irritiert und die Gesellschaft nicht akzeptiert: «Ich möchte keine Kinder, deshalb will ich mich sterilisieren lassen.»

Diesen Wunsch hegt sie schon lange. Mit 19 Jahren hat sie zum ersten Mal ihre Frauenärztin gefragt, ob das …

Artikel lesen
Link zum Artikel