Schweiz
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Mustafa Memeti, Praesident Albanisch Islamischer Verband Schweiz, Naim Malaj, Ex-Botschafter Kosovo, und Nehat Ismaili, Praesident Union Albanische Imame Schweiz, von links, nach der Unterzeichnung einer Charta gegen Gewalt und Extremismus, am Montag, 20. Maerz 2017, im Haus der Religionen in Bern. (KEYSTONE/Lukas Lehmann)

Handschlag im Haus der Religionen in Bern: Imam Mustafa Memeti (Präsident Albanisch Islamischer Verband Schweiz), Naim Malaj (Ex-Botschafter Kosovo) und Nehat Ismaili (Präsident Union Albanische Imame Schweiz). Bild: KEYSTONE

Warum der albanische Botschafter in der Schweiz nicht will, dass zwei Imame streiten

Das Bekenntnis der albanischen Muslime zum Rechtsstaat wirft Fragen auf. Befürchtungen werden laut, dass hinter der Charta nicht der gute Willen der Imame steht.

Daniel Fuchs / Nordwestschweiz



Er gilt als Vorzeige-Imam, als liberal und sprach sich sogar für ein Burka-Verbot aus: Der Berner Mustafa Memeti ist in der Schweiz zum gern gesehenen Repräsentanten der Muslime geworden. Seine Stimme hat zudem Gewicht. Denn als Präsident der Albanisch Islamischen Gemeinschaft der Schweiz vertritt er die grösste Gruppe der Muslime hierzulande.

Zu seinem Image passt auch das gestern von ihm unterschriebene Bekenntnis zu Demokratie und Rechtsstaat, über das die «NZZ am Sonntag» berichtete. Seltsam jedoch ist, wer mit ihm die Charta unterzeichnete. Neben Memeti setzte ausgerechnet Nehat Ismaili die Unterschrift auf das Papier. Ismaili ist Imam der Weissen Moschee im aargauischen Aarburg und Präsident der Union Albanischer Imame in der Schweiz (UAIS). Just Ismaili und seine UAIS wurden von Memeti im letzten Sommer massiv kritisiert. Im «Tages-Anzeiger» vom 4. Juni 2016 warf Memeti der UAIS vor, salafistisch geprägt zu sein, einen politischen Islam zu vertreten, gar mit extremistischen Kreisen zu verkehren.

Doch warum unterzeichnen die beiden zerstrittenen Imame nun Seite an Seite ein Papier, in dem steht, dass der von ihnen vertretene Islam mit dem schweizerischen Rechtsstaat, der Demokratie und den hiesigen Werten vereinbar ist? Haben sich der liberale Imam aus Bern und sein konservativer Kollege aus Aarburg wieder versöhnt?

Mohammed Mustafa Memeti

Der Berner Mustafa Memeti ist in der Schweiz zum gern gesehenen Repräsentanten der Muslime geworden. Bild: André Albrecht

Kritik am schönen Papier

Eine mögliche Erklärung ist diese: Hinter der Charta steht gar nicht der gute Willen der beiden Imame selbst, sondern der ehemalige kosovarische Botschafter in der Schweiz Najm Malaj. Kommt hinzu: Memeti und Ismaili unterzeichneten das Papier gestern unter den Augen der Botschafter aus Albanien, dem Kosovo und Mazedonien. Denjenigen Ländern also, aus welchen die meisten Albaner in der Schweiz stammen. Deshalb vermutet die säkulare Muslimin Saïda Keller-Messahli eine Absicht der Regierungen dieser Länder: «Sie versuchen, politische Macht über die in den hundert Moscheevereinen organisierten Bürger zu erlangen. Ganz ähnlich, wie Erdogan das tut.» Keller-Messahli befürchtet nicht weniger als den Versuch, albanische Moscheen hierzulande «noch mehr auf saudischen Kurs zu bringen». Den Grund sieht sie im wachsenden Einfluss der Golfstaaten im ehemaligen Jugoslawien seit dem Ende der Balkan-Kriege.

Hansjörg Schmid, Direktor des Schweizerischen Zentrums für Islam und Gesellschaft an der Universität Freiburg, relativiert: «Die Imame der UAIS sind oft weniger konservativ eingestellt, als sie dargestellt werden.» Schmid kommt mit den Imamen vor allem bei Weiterbildungen an seinem Universitätsinstitut in Kontakt. Am Wochenende hätten bei einer Weiterbildung Vorstände von 32 der insgesamt 61 albanischen Moscheevereine teilgenommen. Ende Januar seien es in einer anderen Weiterbildung 23 von insgesamt 40 albanischen Imamen in der Schweiz gewesen. «Wir spüren eine deutliche Offenheit», so Schmid.

Memeti selbst sagt, das gestrige Treffen mit Ismaili sei das erste seit langem gewesen. «Der Streit liegt in der Vergangenheit. Auch die UAIS muss nun beweisen, dass sie die Vorgaben aus der Charta in der Praxis umsetzt», so Memeti. Das Papier allein stelle ja bloss Theorie dar.

Ist Memeti so liberal, wie er dargestellt wird?

Während Saïda Keller-Messahli in der Charta eine «orchestrierte PR-Aktion» erkennt, sieht Hansjörg Schmid die albanischen Muslime immerhin einen Schritt auf die Gesellschaft zugehen und Vertrauen schaffen. «Gerade die albanischen Imame in der Schweiz sehen sich häufig der Kritik ausgesetzt, nicht glaubwürdig hinter der hiesigen Rechtsordnung zu stehen. Einerseits sind die Bekenntnisse in der Charta eine Selbstverständlichkeit für das Zusammenleben in der Schweiz, andererseits muss man Selbstverständliches auch wiederholen, um Vertrauen zu schaffen», sagt Schmid.

In ihrer Charta streben die beiden albanischen Muslimverbände von Mustafa Memeti und Nehat Ismaili eine geeinte Zukunft an. Ob das möglich ist nach dem Streit zwischen den beiden Wortführern? Hansjörg Schmid glaubt daran, weil er die Unterschiede zwischen den Organisationen für gar nicht so gross hält. «Aus meiner Sicht ist die UAIS nicht salafistisch geprägt», sagt er. «Ich halte es zudem für falsch, den Vertreter der einen albanischen Organisation stockkonservativ und denjenigen der anderen Organisation als liberal zu bezeichnen. Man polarisiert damit bloss.»

Schliesslich haben beide Imame, Memeti und Ismaili, an konservativen Universitäten in Saudi-Arabien studiert. Die Frage lautet deshalb: Ist Memeti tatsächlich so liberal, wie er dargestellt wird? 

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    Alle Leser-Kommentare
  • unejamardiani 21.03.2017 09:27
    Highlight Highlight (2/2)
    Wieso könnt ihr nicht einmal einfach damit zufrieden sein dass zwei so grosse Vereinigungen genau das machen was sich alle immer gewünscht haben? Nämlich sich von politischem und religiösem Extremismus distanzieren! Kritische berichte sind nötig und gut aber dieser hier beruht auf Behauptungen einer Person die offensichtlich absolut nichts von dieser Thematik versteht. Es ist Kontraproduktiv solche Bemühungen aus Prinzip in ein schlechtes Licht zu rücken, diese Menschen werden so in Ecken getrieben in welchen sie nicht sein wollen und auch nicht hingehören! Ihr könnt das besser. Danke
  • unejamardiani 21.03.2017 09:27
    Highlight Highlight Hoi Watson, eine etwas längere Kritik (1/2)

    Ich bin weder religiös, moslem, noch bin ich ein Unterstützer der aktuellen kosovarischen Regierung.
    Dennoch finde ich es unter aller Sau wie dieser Bericht verfasst wurde. Es werden Aussagen von dieser Frau Keller-Messahli wiedergegeben als wüsste sie irgendwas von der Politik im Kosovo oder sonst wo, wenn es so währe wüsste sie das Religion und Staat bei uns extremer getrennt sind als in jedem anderen Land. Die aktuelle Regierung hat noch nie irgendwelche religiösen Tendenzen gezeigt geschweige den Saudisch geprägte Politik gemacht.
  • amore 21.03.2017 09:03
    Highlight Highlight In der CH gelten für alle unsere Gesetze. Wir brauchen keine solchen Zusätze.
  • ElAlbanese 21.03.2017 07:54
    Highlight Highlight Diese Frau Saida-Keller

    Egal was die Muslime machen, es jst falsch.
    Sicherlich gibt es auch unter den Albanern eher konservative, aber wo gibt es das nicht?
    Würdi die mal Albanien besuchen (Albanien, Kosovo, Mazedonien), würde Sie sehen, wie es bei uns abläuft. Wir sind moderate Muslime seit Jahrhunderten und hiermit wurde es wieder bestätigt.
    Manchmal hat nicht jede Medaille zwei Seiten, wie hier.
    Anstatt immer alles und jeden zu kritisieren, sollte Sie einfach Mal zufrieden sein mit der Entwicklung.
    Es gibt überall Verbesserungsmöglichkeiten, aber alles beginnt mit dem Ersten Schritt.
    • «Shippi» 21.03.2017 08:56
      Highlight Highlight Ihre Aussagen machen ausserdem überhaupt keinen Sinn. Die Verbandsvorsitzenden haben zusammen eine Charta unterschrieben. Wie sollen da die Regierungen Albaniens, Kosovos und Mazedoniens Einfluss auf die Albaner hierzulande nehmen können? Totaler Schwachsinn. «Wie Erdogan», sagt sie noch. Was für eine Hetze. Und was für einen «saudischen Kurs» meint sie denn? Die Albaner auf dem Balkan sind ganz und gar nicht auf saudischem Kurs.
    • Wilhelm Dingo 21.03.2017 09:33
      Highlight Highlight Ein Besuch von Albanien, Kosovo oder Mazedonien wäre sicher spannend.
    • «Shippi» 21.03.2017 09:46
      Highlight Highlight Ja, gehe mal hin, denn ich bin jedes Jahr dort. Zumindest saudische Verhältnisse herrschen nicht. Das kann ich dir sagen. Saida betreibt bloss Hetze. Und sie soll eine Menschenrechtsaktivistin sein? Was für eine Ironie.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Wilhelm Dingo 21.03.2017 07:05
    Highlight Highlight Glaubt den Leuten nicht alles was sie untereschreiben, auch in der Religion herrscht Lug und Trug. Messt Sie daran was sie konkret tun! Dürfen ihre Töchter zum Schwimmunterricht? Darf es im Wienerli auch mal Schwein haben? Muss die Tochter vom Bruder 'begleitet' werden? Werden homosexuelle in der Familie akzeptiert? Darf die Ehefrau arbeiten gehen? Darf die Tochter ohne Kopftuch rumlaufen wenn sie das will ohne verstossen zu werden? Darf die Tochter heiraten wen sie will?
    • DerTaran 21.03.2017 07:25
      Highlight Highlight Ich kann all die Fragen/Forderungen unterstreichen, bis auf die Sache mit dem Schweinefleisch. Dieses zu essen, hat nichts mit liberalem Gedankengut zu tun.
    • Maracuja 21.03.2017 07:41
      Highlight Highlight Bei Vegetarier und Veganer wird akzeptiert, dass sie grwisse Dinge nicht essen, aber bei Muslimen nicht? Ich finde es schräg, wenn man das Einhalten von Essensvorschriften auf das gleiche Niveau stellt, wie die Einschränkung der freien Entfaltung von Kindern.
    • philosophund 21.03.2017 08:36
      Highlight Highlight Ob jemand Wienerli mit Schweindli isst, ist sein Ding. Sagst du das Leuten mit jüdischem Glauben auch?
    Weitere Antworten anzeigen
  • Gamble 21.03.2017 06:32
    Highlight Highlight Dieser Artikel ist doch ein Witz - genau wie Saida Keller-Messahli. Man erwartet von den Muslimen, dass sie sich jeweils zu den hiesigen Gesetzgebung und Gepflogenheiten bekennen und jetzt wo die mit Abstand zwei grössten Vereine dies schriftlich festhalten ist es nur eine PR-Aktion.
    • reaper54 21.03.2017 07:40
      Highlight Highlight Teil 1
      Sure 3, Vers 28: Nicht sollen sich die Gläubigen die Ungläubigen zu Beschützern nehmen, unter Verschmähung der Gläubigen. Wer solches tut, der findet von Gott in nichts Hilfe – außer ihr fürchtet euch vor ihnen. Beschützen aber wird euch Allah selber, und zu Allah geht die Heimkehr.
    • reaper54 21.03.2017 07:41
      Highlight Highlight Teil 2
      Tafsir al-Jalalayn 3,28: Nicht sollen sich die Gläubigen die Ungläubigen zu Beschützern nehmen, sondern sie sollen sich ihresgleichen dafür aussuchen. Wer ersteres aber trotzdem tut, der gehört keinesfalls der Religion Allahs an. Ihr könnt jedoch, als Schutzvorrichtung sozusagen, sie verbal (nicht in euren Herzen) als eure Beschützer annehmen, wenn ihr euch vor ihnen fürchtet. Dieses Gebot wurde offenbart, bevor der Islam Vormachtsstellung errungen hatte.
    • reaper54 21.03.2017 07:41
      Highlight Highlight und das Finale Teil 3
      Jeder Gläubige darf es anwenden, wenn er sich in einer Minorität befindet. Allah warnt euch, Er flößt euch Furcht vor Ihm Selbst ein, mahnend, daß Er zornig würde, falls ihr die Ungläubigen als Beschützer nehmt. Das Ende eurer Reise ist bei Ihm, eure Heimkehr, und Er ist eure letzte Zuflucht.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Watson - die Weltwoche der SP 21.03.2017 06:00
    Highlight Highlight Riesen Aufsehen um etwas, dass eigentlich selbstverständlich sein sollte.
    • Enzasa 21.03.2017 09:12
      Highlight Highlight Sollte
      aber heutzutage erwartet man von Muslimen das Bekenntnis zur Demokratie, zum Grundgesetz, zum Feminismus ..........
      Dabei kann Integration nur gelingen, wenn die Einheimischen offen auf die Migranten zugehen und Ihnen die Tür öffnen.
    • «Shippi» 21.03.2017 09:44
      Highlight Highlight Richtig, Enzasa!
    • Watson - die Weltwoche der SP 21.03.2017 10:18
      Highlight Highlight @Enzasa, natürlich erwartet man das. Es handelt sich bei den Muslimen um Gäste, die sich den hiesigen Gepflogenheiten anzupassen haben und nicht umgekehrt.
    Weitere Antworten anzeigen

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