Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
ZUR MELDUNG, DASS DIE GEFLUECHTETE GEFAENGNISAUFSEHERIN UND DER HAEFTLING IN ITALIEN VERHAFTET WORDEN SEIEN, STELLEN WIR IHNEN AM FREITAG, 25. MAERZ 2016, FOLGENDES ARCHIVBILD ZUR VERFUEGUNG -  HANDOUT - Die Fahndungsfotos der Kantonspolizei Zuerich der beiden fluechtigen Personen, der 27-jaehrige Hassan Kiko, links, sowie die 32-jaehrige Angela Magdici, rechts, die in der Nacht vom Montag, 8. auf Dienstag 9. Februar 2016 aus dem Bezirksgefaengnis Dietikon gefluechtet sind. Der Insasse Hassan Kiko wurde wegen eines Sexualdeliktes zu einer mehrjaehrigen Haftstrafe verurteilt. Zusammen mit der Aufseherin Angela Magdici ist Kiko mit einem schwarzen Personenwagen BMW X1, ZH 528 411 nach Italien gefluechtet. Die fluechtigen wurden international zur Fahndung ausgeschrieben. (Kantonspolizei Zuerich) *** NO SALES, DARF NUR MIT VOLLSTAENDIGER QUELLENANGABE VERWENDET WERDEN ***

Hassan Kiko und Angela Magdici. 
Bild: KANTONSPOLIZEI ZUERICH

Magdicis Anwalt: «Sie wollten nicht nach Syrien»

Hassan Kiko ist laut Mario Campagna kein Muslim.

Sarah Serafini / schweiz am Sonntag



Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Knapp eine Woche sassen Angela Magdici und Hassan Kiko in Isolationshaft im Gefängnis von Bergamo in Norditalien. Jetzt wurden sie in den normalen Trakt überführt, wie ihr Anwalt Mario Campagna der «Schweiz am Sonntag» am Telefon bestätigt. Magdici, die ein paar Brocken Italienisch spricht, könne sich dort wenigstens mit anderen Häftlingen unterhalten.

Nachdem die 32-jährige Gefängnisaufseherin Magdici ihren Geliebten, den 27-jährigen Kiko, Mitte Februar aus dem Gefängnis Limmattal befreit hatte, wurde das Paar am Karfreitag von der italienischen Polizei in Norditalien verhaftet. Anwalt Campagna ist seither der Einzige, der mit den Inhaftierten in Kontakt ist. Er sagt: «Meine Mandanten haben nicht mit einem so grossen Aufgebot der Polizei gerechnet. Sie haben sich darum sehr erschreckt.» Laut dem Polizeikommandanten Paolo Storoni hat sich Magdici bei ihrer Verhaftung stark gewehrt. Dies bestreitet sie nun. Sie habe sich nur erschreckt, nicht aber gewalttätigen Widerstand geleistet, so Campagna.

Anders als in Medien nachzulesen war, nimmt der italienische Anwalt Magdici nicht als dominant wahr. «Von meinen beiden Mandanten ist sie klar die aktivere Person.» Bei seinem gestrigen Besuch im Gefängnis habe sie auf ihn aber einen sehr fragilen Eindruck gemacht. «Sie vermisst Hassan», sagt er. Sie habe nach ihm gefragt und wollte wissen, ob es möglich sei, dass sie ihn sehen könne. Laut Campagna dürfte dies schwierig sein. Wie er seine Mandantin gestern im Gefängnis angetroffen habe, bestätigte für ihn die These, dass es sich bei dem Ausbruchsfall von Magdici und Hassan einzig um eine grosse Liebesgeschichte handelt.

Zu dem Verdacht, dass die beiden terroristische Hintergedanken hatten und nach Syrien flüchten wollten, sagt Campagna: «Magdici sagte mir, das sei eine erfundene Dummheit. Und ganz ehrlich, die Art und Weise der Flucht, Nachrichten mit dem Handy zu verschicken – das ist nicht die Art, wie es Terroristen machen.» In der Wohnung, wo sich das Paar versteckt hatte, stiess die Polizei auf Koranverse, die an die Wand gemalt wurden. Daraufhin wurde über Kikos religiösen Hintergrund spekuliert. Campagna sagt nun jedoch, dass Kiko insofern nichts mit islamischem Terror am Hut habe, als er nicht einmal Muslim sei. «Mein Mandant erzählte mir, dass er im Gefängnis in Zürich jeden Tag zum Priester ging – nicht zum Imam.»

Er, als ihr Verteidiger, sei überzeugt, dass Magdici und Hassan ihre Taten bereuen. «Magdici sagte mir, dass es ihr vor allem für ihre Familie Leid tue, die jetzt aufgrund von ihrem Handeln die Konsequenzen zu spüren bekomme», so Campagna. Bis die beiden der Schweizer Justiz ausgeliefert werden, sei nur noch eine Frage der Zeit. Der Anwalt schätzt, dass es noch rund 15 bis 20 Tage dauern könne, bis alle Formalitäten geklärt seien. Er habe seinen Mandanten aber geraten, dass sie sich kooperativ verhalten sollen, weil sich dies positiv auf ihre Verfahren in der Schweiz auswirken könne. Magdici und Kiko haben diesen Rat befolgt. Vor dem Berufungsgericht letzte Woche haben sie ihrer Auslieferung zugestimmt.

[kri, 3.4.2016] Die Flucht von Hassan Kiko und Angela Magdici

Das fast perfekte Versteck: In dieser Wohnung verkrochen sich Angela Magdici und Hassan Kiko

Link zum Artikel

Ausbildungs-Chef: «Gewisse Kantone schicken uns sehr junge Gefängnis-Aufseher. Das finde ich suboptimal»

Link zum Artikel

Magdici und Kiko stimmen ihrer Auslieferung zu – dabei ist das Gesuch noch gar nicht gestellt

Link zum Artikel

Das «Bonnie-und-Clyde-Syndrom»: Warum Frauen Verbrecher lieben

Link zum Artikel

Gefängnis-Aufseherin von Dietikon ist nicht allein: Auch diese 6 Frauen fühlten sich zu Vergewaltigern/Mördern hingezogen

Link zum Artikel

Dietikon ZH: Wärterin befreit mutmasslichen Vergewaltiger und flieht mit ihm

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Eine Frau zu sein ist gefährlicher als...

7949 Frauen erlebten in der Schweiz im vergangenen Jahr häusliche Gewalt. Zum internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen nehmen wir diese Zahl unter die Lupe.

Wir schreiben das Jahr 2019 und noch immer werden jährlich tausende Frauen in der Schweiz Opfer von häuslicher Gewalt. Du denkst, wir übertreiben? Dann schau dir mal die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik an.

2019 wurden in der Schweiz in 365 Tagen ...

... Opfer durch häusliche Gewalt. Das sind ...

Oder ...

Beinahe jede Stunde wird also eine Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Im Jahr 2019 wurden dabei insgesamt 19 Frauen getötet. Oder anders ausgedrückt:

Zusätzlich kam es in der Schweiz im …

Artikel lesen
Link zum Artikel