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Wegen umstrittenem Luxus-Schal: Britische Öl-Erbin hat Zoff mit dem Schweizer Zoll

Lady Victoria Getty wollte mit einem Luxus-Schal aus Shahtoosh in die Schweiz einreisen. Doch der Besitz der «Königswolle» ist streng verboten. Jetzt ist Getty für die Behörden unauffindbar.
31.03.2017, 07:33
Sven Altermatt / Nordwestschweiz
Victoria Getty (ohne Schal).
Victoria Getty (ohne Schal).

Es ist nicht bekannt, was Victoria Getty kurz vor dem vergangenen Jahreswechsel in die Schweiz führte. Die 73-Jährige gehört zum Jetset Englands, sie war mit dem Öl-Baron Sir John Paul Getty verheiratet und führt selbst den Höflichkeitstitel einer Lady. Mit ihrem Milliarden-Vermögen sind die Gettys eine der schillerndsten Dynastien in den USA und in Grossbritannien. Zeitenweise besassen sie mehr Geld als «irgendjemand sonst auf der Welt», wie der «Spiegel» einst schrieb.

Victoria Getty stand in der Schweiz bisher höchstens im Scheinwerferlicht der Klatschreporter. Doch jetzt interessieren sich auch die hiesigen Behörden für sie: Als sie am 30. Dezember 2016 ins Land einreiste, entdeckten Zollbeamten bei ihr ein so begehrtes wie geächtetes Statussymbol der Schickeria. Getty hatte einen Schal aus Shahtoosh im Gepäck. Ein solcher kostet auf dem Schwarzmarkt rasch einmal 10'000 Franken.

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Martin Sprecher, Postenchef Grenzwachposten Graubünden, zeigt Schals aus der Wolle der geschützten Tibetantilope (Shantoosh) in einer Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Bern.
Martin Sprecher, Postenchef Grenzwachposten Graubünden, zeigt Schals aus der Wolle der geschützten Tibetantilope (Shantoosh) in einer Ausstellung im Naturhistorischen Museum in Bern.Bild: KEYSTONE

Gewonnen wird die extrem weiche «Königswolle» aus Tibetantilopen. Die Tiere sind vom Aussterben bedroht, von Wilderern werden sie regelrecht abgeschlachtet. Der Verkauf und Besitz von Shahtoosh ist deshalb weltweit streng verboten. Die Zöllner beschlagnahmten Gettys Schal unverzüglich. Nun droht ihr eine Geldbusse von mehreren Tausend Franken.

Lady Getty nicht erreichbar

Mittlerweile ist das Bundesamt für Lebensmittelwesen und Veterinärwesen (BLV) für den Fall zuständig. Dass dieser überhaupt publik wird, ist offenbar dem Unwillen von Lady Getty geschuldet, mit den Behörden in der Schweiz zu kooperieren. Für das BLV ist sie nämlich nicht mehr erreichbar. Die amtliche Verfügung wegen der Beschlagnahmung konnte ihr schlicht nicht zugestellt werden.

Aus diesem Grund hat die Behörde nun die Verfügung im «Fall Getty» in der aktuellen Ausgabe des Bundesblatts veröffentlicht. Darin wird ihr eine Frist gesetzt, sich innert 30 Tagen zu melden. Schliesslich soll ihr rechtliches Gehör gewährt werden. Gleichzeitig wird Getty aufgefordert, Gebühren in der Höhe von 250 Franken zu bezahlen. Zumindest aus finanzieller Sicht dürfte das für sie kein Problem darstellen.

Für die «Nordwestschweiz» war es wie für die Behörden nicht möglich, Kontakt mit Victoria Getty aufzunehmen. Die Britin ist nicht die erste illustre Persönlichkeit, die wegen eines Shahtoosh-Schals mit den Schweizer Behörden in Konflikt gerät. Im August 2015 wurde beim Unternehmer Nassef Sawiris, dem reichsten Mann Ägyptens, ebenfalls ein verbotenes Stück Stoff beschlagnahmt. Weil er sich trotz entsprechenden Aufforderungen nicht mit dem BLV in Verbindung setzte, haben die Zollbehörden ein Strafverfahren eingeleitet.

Schweiz jagt mit Interpol nach Shahtoosh-Liebhabern
Ihr weiches und ultrafeines Fell ist ihr zum Verhängnis geworden: Die Tibetantilope ist vom Aussterben bedroht. Ihre Population wird noch auf einige zehntausend Tiere geschätzt. Für die Herstellung von Luxus-Schals werden die Antilopen auf den tibetischen Hochebenen von Wilderern brutal getötet. Für Shahtoosh, was auf Persisch so viel wie «Königswolle» heisst, dienen einzig die Haare von Bauch und Kinn als Material. Die Schals gelten als die wertvollsten und wärmsten der Welt. Schon Napoleons Joséphine soll einen getragen haben.

Seit 1979 ist der Besitz und Handel mit Shahtoosh gemäss dem Washingtoner Artenschutzabkommen streng verboten. Bei Verstössen verfolgt die Schweiz laut dem Bund eine «Null-Toleranz-Politik». Wer einen Shahtoosh-Schal einführt, muss hohe Bussen in Kauf nehmen. Allein im vergangenen Jahr wurden 62 Shatoosh-Schals in der Schweiz sichergestellt, wie das Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen (BLV) auf Anfrage bekannt gibt. Ein Grossteil der Fälle betrifft offiziellen Angaben zufolge Personen, die bei der Einreise kontrolliert werden und meist ihre Ferien in Nobelorten verbringen.

In den vergangenen sieben Jahren wurden schweizweit insgesamt 220 Schals sichergestellt. Für BLV-Sprecherin Nathalie Rochat ist klar: «Die Zahlen zeigen, dass es sich um ein anhaltendes Problem handelt, gegen das nach wie vor vorgegangen werden muss.» Deshalb arbeitet das BLV eng mit Interpol und weiteren betroffenen Ländern zusammen. Es sei wichtig, das Problem nicht isoliert anzupacken, sondern «gemeinsame Strategien zu entwickeln». (sva) (aargauerzeitung.ch)
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