DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Das Bezirksgericht in Uster (ZH) am Mittwoch, 22. Juni 2016. Martin Baeumle Praesident GLP Schweiz muss sich am Mittwoch vor dem Bezirksgericht Uster verantworten. Er soll als Duebendorfer Finanzvorstand ein lokales Grossprojekt mit einer gezielten Amtsgeheimnisverletzung hintertrieben haben. Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zuerichs klagt ihn wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses an. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Bezirksgericht Uster. Bild: KEYSTONE

Teenager begeht Suizid nach Sexting: Jetzt steht ein 30-jähriger Zürcher vor Gericht

Ein 14-jähriges Mädchen nahm sich nach Sexting mit einem Mann das Leben. Er hatte Nacktfotos von ihr auf Pornoseiten gestellt. Nun entscheidet das Bezirksgericht Uster über den Fall.



Im Juni 2017 nahm sich ein 14-jähriges Mädchen in Finnland das Leben. In den Wochen und Monaten vor ihrem Tod wurde es von einem heute 30-jährigen Mann aus dem Kanton Zürich mit Sexfotos erpresst. Heute Donnerstag muss sich der Beschuldigte vor Gericht verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm mehrfache sexuelle Nötigung, mehrfache sexuelle Handlungen mit Kindern und mehrfache harte Pornografie vor – sieht aber keinen kausalen Zusammenhang mit dem Suizid des Mädchens. Dem Mann drohen zwei Jahre Gefängnis, die jedoch zugunsten einer ambulanten Behandlung aufgeschoben werden sollen.

Wegen der Lesbarkeit wird nachfolgend auf den Konjunktiv verzichtet, es gilt aber stets die Unschuldsvermutung.

Auf Chatplattform kennengelernt

Laut der Anklageschrift lernt der damals 28-Jährige das in Finnland wohnhafte Mädchen Anfang September 2016 auf einer Chatplattform kennen. Sie tauschen die Telefonnummern aus, telefonieren und schreiben sich Nachrichten auf Facebook und Whatsapp.

Während mehrerer Monaten stehen der Beschuldigte und das Mädchen täglich bis zu einer Stunde in Kontakt. Mal per Videochat, mal per Messenger.

Nacktfotos online gestellt

In Nachrichten schreibt der Mann dem Mädchen, dass er es liebe, was sie erwidert. Im Verlaufe der Zeit schickt er ihr Nacktfotos von sich und fordert sie auf, ebenfalls aufreizende Bilder zurückzuschicken. So schreibt er ihr: «Öffne deine Beine weit. Für mich. Bitte.» Sie weigert sich und antwortet ihm: «Nein, sorry.»

Lass dir helfen!

Du glaubst, du kannst eine persönliche Krise nicht selbst bewältigen? Das musst du auch nicht. Lass dir helfen. In der Schweiz gibt es zahlreiche Stellen, die rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen da sind – vertraulich und kostenlos.
Die Dargebotene Hand: Tel.: 143, www.143.ch
Beratung + Hilfe 147 für Jugendliche: Tel.: 147, www.147.ch
Reden kann retten: www.reden-kann-retten.ch

Während eines Videochats onaniert der Mann vor den Augen des Mädchens bis zur Ejakulation. Laut Staatsanwaltschaft drängt er es regelrecht dazu, ihm Sexfotos zu schicken, gibt ihm gar Anweisungen, wie es posieren soll – bis das Mädchen schliesslich seinem Wunsch nachkommt und dem Mann mehrere Bilder zukommen lässt.

Bedroht und erpresst

Der Mann erstellt daraufhin auf einem Pornoportal ein Profil mit dem vollständigen Namen des Mädchens und lädt sämtliche erhaltenen Fotos von ihr hoch. Sie erschrickt, als sie davon erfährt und bittet ihn, die Fotos und das Profil zu löschen. 

Der Mann macht sich über die Sorgen des Mädchens lustig und fragte es, ob es wisse, wie viele Leute auf der Pornoseite ihre Fotos bereits gesehen haben. Er droht ihr, die Bilder auch ihren Eltern und Schulfreunden zu schicken, sollte sie die Freundschaft mit ihm abbrechen und ihm nicht weitere Nacktbilder von sich zusenden. 

Um die 14-Jährige noch mehr unter Druck zu setzen, erzählt der Mann, er habe schon einmal ein 13-jähriges Mädchen vergewaltigt. Er erzählt, wie er einst während einer Zugfahrt mit einem jungen Mädchen seinen Penis entblösst habe und es zwang, ihn oral zu befriedigen und sein Sperma zu schlucken. 

Das Mädchen versucht, den Kontakt zum 30-Jährigen mehrmals abzubrechen. Doch es kommt nie dazu, weil sie sich vor den angedrohten Konsequenzen fürchtet. Zuletzt fordert es den Mann ultimativ auf, die Nacktfotos von ihr zu löschen, ansonsten werde sie sich Leid antun. Um ihre Aussage zu untermauern, schickt sie ihm ein Foto, auf dem sie sich ein Messer an den Hals hält. 

Keinen Ausweg gesehen

Das Mädchen kommuniziert weiter mit dem Mann. Es hat Angst, er könnte bei ihr auftauchen und ihr Gewalt antun, so wie er es seinen eigenen Erzählungen nach schon bei anderen Mädchen gemacht hat.

Schon vor der Tat litt die 14-Jährige an einem Aspergersyndrom mit Essstörungen. Im Verlaufe der Bekanntschaft mit dem Beschuldigten nehmen die psychischen Probleme des Mädchens zu. Laut Anklageschrift weiss sich das Mädchen schliesslich nicht anders zu helfen und nimmt sich im Frühsommer 2017 das Leben. 

Vorsätzlich gehandelt

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Beschuldigten vor, vorsätzlich gehandelt zu haben, um sich selbst sexuell zu befriedigen. Er wusste um das junge Alter des Mädchens und behandelte es als reines Sexualobjekt und machte es zum Spielball seiner sexuellen Fantasien.

Die 14-Jährige vertraute sich dem Mann über die Wochen immer mehr an. Er gaukelte ihr Liebe vor und nutzte den Altersunterschied aus, um sie sexuell gefügig zu machen. 

Inwiefern der Mann bestraft wird, muss heute Donnerstag der Richter entscheiden. Die Urteilsverkündung wird am späteren Nachmittag erwartet. 

Das könnte dich auch interessieren:

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Themen

Wohnung vermietet: Pensionskasse kann Vorbezug nicht zurückfordern

Mit Guthaben aus der beruflichen Vorsorge finanziertes Wohneigentum darf nach Jahren eigener Nutzung vermietet werden. Dabei müssen die vorbezogenen Mittel nicht an die Pensionskasse zurückbezahlt werden. Dies hat das Bundesgericht entschieden. Es hat eine Beschwerde der Pensionskasse comPlan abgewiesen.

Im konkreten Fall kaufte eine Frau 2003 eine Eigentumswohnung und machte dafür einen Vorbezug von ihrem Pensionskassen-Guthaben in der Höhe von 60'000 Franken. Im Jahr 2016 zog die Frau zu …

Artikel lesen
Link zum Artikel