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Loredanas Aussagen über Frauenrechte sorgen für Empörung – zu Recht!

ARCHIV - 13.11.2022, Nordrhein-Westfalen, D
Mit «Surprise» zurück im 2025: Rapperin Loredana.Bild: keystone
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Loredanas Aussagen über Frauenrechte sorgen für Empörung – zu Recht!

Die Luzerner Rapperin Loredana behauptet, Frauen hätten mehr Rechte als Männer, und erntet dafür scharfe Kritik. Doch sie geht sogar noch einen Schritt weiter.
05.01.2025, 17:2905.01.2025, 17:44
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Die Luzerner Rapperin Loredana hat 2025 bereits ein Statement gesetzt: Mit ihrem Song «Surprise» meldete sie sich am 1. Januar aus der Versenkung.

Ihre grössten Erfolge «Kein Wort» oder «Eiskalt», die je allein auf Spotify über 90 Millionen Mal gestreamt wurden, sind über fünf Jahre alt. Am Rap-Himmel eine Ewigkeit.

«Ich tauche auf aus dem Nichts», singt nun Loredana in ihrer ersten Line und erzählt dann, was die grosse Überraschung ist: verschiedene imaginäre Beefs.

«Frauen haben mehr Rechte»

An ihre DSDS-Jury-Vorgängerin Katja Krasavice gerichtet, singt sie etwa: «Ich könnt' genauso Dieter Bohl'n durch den Dreck zieh'n. Doch ich war ohne so 'ne Promo auf dem Flatscreen.» Gemeint ist damit, dass Krasavice öffentlich kritisiert hatte, dass Bohlen bei DSDS-Mitarbeitenden eine Angstkultur verbreite.

Loredana attackiert in ihrer Single aber nicht nur Krasavice, sondern auch die derzeit massiv erfolgreichere Deutschrapperin Shirin David mit den Worten: «Ihr macht auf feministisch, aber nennt euch Bitches. Sorry, das macht kein'n Sinn.»

Ja, Loredana hat in ihrer neuen Single das für sich entdeckt, was unzählige männliche Deutschrapper schon seit Jahren unter dem Deckmantel künstlerischer Freiheit praktizieren: Antifeminismus zu verbreiten.

«Was für Feministen? Guck, ich werd' auf alle jetzt shooten»
Loredana in «Surprise»

Ihre neue Marketingstrategie hat Loredana auch im Interview mit Twitch-Streamer Daniel Slump erklärt. Als dieser mit ihr über das Thema spricht, sagt die Rapperin: «Früher hatten Männer mehr Rechte. Dann kamen Frauen und sagten, das geht nicht – wir brauchen Gleichberechtigung! Nun im 2025 – und das möchte ich ändern – haben Frauen mehr Rechte als Männer. Und das ist nicht okay.»

Diese Aussagen sorgten auf TikTok für Empörung. In zahlreichen Videos kritisieren Frauen Loredanas Haltung.

«Frauen nutzen ihre Macht aus»

«Deine Worte sind gefährlich, weil sie die Diskussion in die falsche Richtung lenken. Frauen haben nicht mehr Rechte. Sie verdienen weniger und sie sind überproportional von sexueller Gewalt betroffen», sagt eine TikTok-Userin. Hunderttausendfach wurden Videos aufgerufen, in denen andere Frauen Loredana für ihre «frauenfeindlichen Aussagen» kritisieren.

Wie haltlos die Behauptungen der Rapperin zu Frauenrechten sind, zeigt der «Global Gender Gap Report 2024» des Weltwirtschaftsforums (WEF). Laut des Reports dauert es noch 134 Jahre, bis die globale Kluft der Geschlechter geschlossen ist.

Doch wie reagiert Loredana auf die Kritik? Sie macht ein Video und erklärt darin: «Ich entschuldige mich für gar nichts.» Im vierminütigen Video stellt sie klar, dass die Aussagen aus dem Kontext gerissen seien und sie nichts gegen Frauen habe. «Ich bin selbst eine Frau und habe nichts gegen Feminismus. Im Gegenteil: Frauen und Männer sollten dieselben Rechte haben.»

Loredanas Erklärungsvideo

Video: extern/loredanaofficial

So weit, so gut. Doch dann doppelt sie nach: «Es gibt genug Frauen heutzutage, die ihre Macht ausnutzen. Ihr wisst alle, wie viele Ehepaare sich trennen, und wie viele Frauen Geschichten mit häuslicher Gewalt erfinden, damit sie das alleinige Sorgerecht bekommen.»

Loredana kritisiert, dass «sobald eine Frau Vorwürfe gegen einen Mann erhebt, es gar nicht hinterfragt» werde. Es gebe «genug Fälle», bei dem das «gesamte Land» aufgestanden sei, und dann habe sich herausgestellt, dass der «Mann unschuldig» sei.

Solche Aussagen lassen einem sprachlos zurück. Loredana weiss offensichtlich nicht, wie komplex das Thema häusliche Gewalt beim Sorgerechtsstreit ist. Deutsche Gerichte nehmen Frauen sogar ihre Kinder weg, wenn sie häusliche Gewalt oder Missbrauch schildern, wie eine Recherche der «Süddeutschen Zeitung» und «Correctiv» zeigte.

Zudem ist allen klar, dass es genug Fälle gibt, in denen sich herausgestellt hat, dass der Mann nicht unschuldig war. Doch Menschen wie Loredana leben in einer Welt, die Frauen immer noch lieber hasst als Männer.

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366 Kommentare
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Die beliebtesten Kommentare
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Imho
05.01.2025 17:57registriert Juli 2021
Ziel erreicht, wieder im Gespräch.
So läuft das heutzutage.
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NewsQuester
05.01.2025 17:47registriert Juni 2024
Sollte man die kennen? 😄
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kupus@kombajn
05.01.2025 17:47registriert Dezember 2016
Frauen haben nicht mehr Rechte. Sie verdienen weniger und sie sind überproportional von sexueller Gewalt betroffen», sagt eine TikTok-Userin.

In der Tat, nur hat beides nichts mit fehlenden Frauenrechten zu tun. Es hapert an der Umsetzung.

Dann noch zum Thema Scheidung: da hat Loredana nun einmal Recht. Da sind Väter gegenüber Müttern mach wie vor klar benachteiligt, obwohl es in vielen Fällen keinen Grund dazu gibt. Selbst beim gemeinsamen Sorgerecht harzt es. „Mutter“ muss nur wissen, wie sie es geschickt anstellt. Zu Oft im Umfeld erlebt.
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