DE | FR
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Passabene, a new shopping system for practical grocery shopping at Coop Sihlcity in Zurich, pictured on January 29, 2015. The customer scans with a hand scanner the requested goods by himself.(KEYSTONE/Christian Beutler)

Passabene, ein neues Einkaufssystem für praktisches Einkaufen im Coop Sihlcity am 29. Januar 2015 in Zuerich. Der Kunde scannt mit einem Handscanner seine gewuenschten Produkte selbst ein. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Bild: KEYSTONE

Schummeln beim Self-Scanning: Coop teilt Kunden in Vertrauens-Klassen ein

Coop hat die Regeln zur Nutzung der Supercard aufgefrischt. Die neuen AGB halten fest, wie das Einkaufsverhalten von Kunden analysiert wird – und was mit Falsch-Scannern passiert. Der Konsumentenschutz äussert sich kritisch.



Beim Punktesammeln mit der Coop-Supercard gelten künftig neue Regeln. In einem Brief macht der Detailhandels-Riese seine Kunden auf die Änderungen der Allgemeinen Geschäftsbestimmungen (AGB) aufmerksam, die im Juli in Kraft treten. Folgende Passagen stechen hervor:

Warenkorb wird durchleuchtet – auch online

Coop erstellt über jeden Supercard-Nutzer ein Kundenprofil. Dabei werden nicht nur die Einkäufe im Laden analysiert. Auch die Daten, die auf den digitalen Kanälen von Coop erhoben werden, dürfen für Werbezwecke genutzt werden, wie es in den aktualisierten AGB heisst.

Konkret wird also erfasst, wann und von welcher IP-Adresse ein Kunde auf die Website oder die Apps von Coop zugreift, welche Produkte er dabei anklickt und von welchen Vergünstigungen er profitiert. In den AGB verankert wird auch die Möglichkeit, den Kunden digitale Bons auszustellen, «welche auf sein Kundenprofil abgestimmt sein können».  

Die Warenkorb-Analyse werde zusammen mit weiteren Kundendaten für «kundenrelevante Ansprache, Angebote und Serviceleistungen wie Kundenrückrufe» genutzt, schreibt Coop dazu. In den Apotheken von Coop Vitality wird auf Warenkorb-Analysen verzichtet.

ARCHIV - ZUR MELDUNG DER UEBERNAHME DER APERTO-GRUPPE DURCH DEN DETAILHAENDLER COOP, STELLEN WIR IHNEN FOLGENDES BILDMATERIAL ZUR VERFUEGUNG - Ein Kunde haelt mit seinem kleinen Finger einen Coop-Einkaufskorb, vor einem Kühlregal mit Joghurts, aufgenommen im Coop Suedpark in Basel am 03. April 2013. Die Coop-Filiale im Suedpark wurde im Juni 2011 eroeffnet. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Coop analysiert genau, was in unserem Einkaufskörbli landet. Bild: KEYSTONE

Vertrauensabzug für Falsch-Scanner

Neu werden auch Kundenprogramme wie der Hello Family Club, der Weinclub Mondovino oder das Selfscanning-System Passabene ins Supercard-Programm integriert – und fallen entsprechend unter die AGB.

Im Absatz zu Passabene sind unter anderem die Stichproben geregelt, mit denen überprüft wird, ob die Kunden beim Einscannen der Produkte nicht schummeln. Die Kontrollen erfolgen «nach dem Zufallsprinzip kombiniert mit den Resultaten vergangener Stichproben», heisst es in den Geschäftsbestimmungen. Und weiter: «Jeder Teilnehmer erhält eine Vertrauensstufe.»  

Fällt eine Stichprobe negativ aus – wurden also Produkte aus dem Einkaufskorb nicht eingescannt –, kann das «Einfluss auf die Vertrauensstufe haben». Eine Herabsetzung in eine niedrigere Vertrauensstufe kann laut AGB dazu führen, dass der Teilnehmer vom Passabene-Programm ausgeschlossen wird. 

Passabene, a new shopping system for practical grocery shopping at Coop Sihlcity in Zurich, pictured on January 29, 2015. The customer scans with a hand scanner the requested goods by himself.(KEYSTONE/Christian Beutler)

Passabene, ein neues Einkaufssystem für praktisches Einkaufen im Coop Sihlcity am 29. Januar 2015 in Zuerich. Der Kunde scannt mit einem Handscanner seine gewuenschten Produkte selbst ein. (KEYSTONE/Christian Beutler)

Ehrlichkeit ist Pflicht: Produkte selber scannen mit Passabene. Bild: KEYSTONE

Wer ab dem 3. Juli die Supercard benutzt, stimmt den neuen AGB automatisch zu. Wer dies nicht will, kann sich bei Coop melden – kann in der Folge aber nicht mehr alle Funktionen der Supercard nutzen.

«Ein unabsichtlicher Fehler ist rasch passiert»

Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz, beurteilt die Anpassungen kritisch. «Vor allem die Aufnahme der Einteilung von Kunden in Vertrauensstufen ist aus unserer Sicht heikel», sagt sie zu watson. Natürlich müsse Coop im Bereich der Diebstahl-Prävention wachsam sein. «Ein unabsichtlicher Fehler beim Einscannen ist aber rasch passiert.»

Man müsse sich bewusst sein, dass die Coop-Gruppe in zahlreichen Geschäftsfeldern aktiv sei – von Apotheken über Fitnesszentren und Reisebüros bis hin zur Unterhaltungselektronik. Stalder befürchtet, dass mit der Verknüpfung der Supercard eine schlechte Vertrauensbewertung den Kunden auch Nachteile in anderen Lebensbereichen einbringen könnte: «Stellen Sie sich vor, Sie gehen ins Fitness und beim Personal blinkt die Warnung auf: ‹Achtung: Diebstahl-Gefahr›.»

Sara Stalder, Geschaeftsleiterin Stiftung fuer Konsumentenschutz SKS, aeussert sich zur Konsumentenagenda 2013, am Montag 17. Dezember 2012, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Konsumentenschützerin Sara Stalder,  Bild: KEYSTONE

Auch, dass Coop seine Warenkorb-Analysen im digitalen Bereich weiter ausdehnt, sei kritisch zu beurteilen. «Es ist klar, dass die Kunden bereits jetzt haarklein durchleuchtet werden. Mit den online erhobenen Daten geht der Trend aber noch stärker in Richtung von personalisierten Angeboten.» Sie rate den Detailhändlern dringend davon ab, auf individuelle Rabatte oder Preise zu setzen, so Stalder. «Es zeigte sich mehrfach, dass die Akzeptanz dafür in der Bevölkerung nicht vorhanden ist.»

Coop: «Wir gehen davon aus, dass Kunden ehrlich sind»

Bei Coop heisst es, seit der letzten Anpassung der AGB seien fünf Jahre vergangen. Weil seither zahlreiche neue Services wie digitale Bons eingeführt worden seien, hätten die Bestimmungen aktualisiert werden müssen – und nicht umgekehrt.

So ist laut Sprecher Ramón Gander weder die Warenkorb-Analyse noch die Kunden-Einteilung nach Vertrauensstufen etwas Neues. Die Vertrauensklassen existierten bereits seit der Einführung von Passabene. «Wir gehen immer davon aus, dass unsere Kundinnen und Kunden ehrlich sind. Fehler können passieren», so Gander.

Wenn allerdings ein klarer Missbrauch vorliege, dann könne ein Kunde für das Passabene-System gesperrt werden. Die Vertrauensstufen seien nicht Teil des Kundenprofils und würden auch keinen anderen Unternehmen der Coop-Gruppe zugänglich gemacht, so der Sprecher weiter.

Weiter betont Gander, mit den aktualisierten AGB würden Empfehlungen des Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten umgesetzt. Dessen Sprecher, Francis Meier, bestätigt, Coop habe bereits letztes Jahr zahlreiche Anregungen aufgenommen und umgesetzt. Die neuen AGB habe man aber noch nicht geprüft. Was die Einteilung von Kunden in Vertrauensstufe betrifft, wäre laut Meier «mehr Transparenz sicher wünschenswert».

Stört es Sie, dass der Coop seine Kunden in Vertrauensstufen einteilt?

Hitzige Debatte um personalisierte Rabatte

Eine Personalisierung von Rabatten ist bei Coop weiterhin nicht vorgesehen, wie Gander weiter sagt. «Wir möchten, dass alle Kunden, die von Rabatten profitieren, in den Genuss der gleichen Rabatthöhe bei gleichen Einkaufsbedingungen kommen.» Ein Pilotprojekt, das individualisierte Vergünstigungen vorgesehen hatte, war vor zwei Jahren aufgrund der zahlreichen negativen Reaktionen beerdigt worden.

Anders bei der Konkurrentin Migros: Dort läuft seit letztem September ein entsprechender Versuch. Wer einen Hund hat, erhält also beispielsweise eher Rabatt-Coupons für Hundefutter, während ein Katzenfreund bei den entsprechenden Produkten profitiert. Zwar war auch dort die Aufregung zunächst gross – Migros-Sprecher Luzi Weber zieht jedoch ein positives Zwischenfazit. «Die Kunden schätzen es, dass sie Angebote bekommen, die für sie attraktiv und interessant sind.» Dies zeige sich auch daran, dass die Angebote rege eingelöst würden.  

Die Migros teilt die Kunden beim Self-Scanning nicht in eigentliche Vertrauensklassen ein. Allerdings macht das Service-Personal ebenfalls Stichproben – und nimmt bei Verdacht auf Missbrauch die Personalien auf, wie es in den entsprechenden AGB heisst.

Convenience forever! Die dümmsten Verpackungen unserer Grosshändler

1 / 21
Convenience forever! Die dümmsten Verpackungen unserer Grosshändler
Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenWhatsapp sharer

Das könnte dich auch interessieren:

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Urteil gegen Ex-Polizist wegen Tötung George Floyds

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥
Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen? Mehr erfahren
(Du wirst umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)
5 CHF
15 CHF
25 CHF
Anderer
Oder unterstütze uns per Banküberweisung.

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Ohne Rahmenabkommen droht der Schweiz eine «Stromlücke» im Winter

Das fehlende Stromabkommen mit der EU wird für die Schweiz immer mehr zum Problem. Es drohen Engpässe bei den Importen. In der hitzigen Debatte über das Rahmenabkommen aber ist dies so gut wie kein Thema.

Ohne Elektrizität geht in unserer modernen Welt gar nichts. Und die Nachfrage wird durch Digitalisierung und Elektromobilität weiter zunehmen. Die Schweiz deckt ihren Strombedarf mit Wasserkraft und AKW sowie einem wachsenden Anteil an erneuerbaren Energien. Im Winter aber ist sie auf Importe aus der Europäischen Union angewiesen.

Dies war lange kein Problem. Die Schweiz ist eine wichtige Stromdrehscheibe in Europa. Mit dem so genannten «Stern von Laufenburg» im Aargau schlug 1958 die …

Artikel lesen
Link zum Artikel