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Zeki – König der (virtuellen) Schweiz. bild: watson

Zeki, der Meme-König der Schweiz

Zeki Bulgurcu ist der Mann hinter dem Instagram-Kanal «Swissmeme». Kaum ein Schweizer ist in den Sozialen Medien so erfolgreich wie er. Zeki hat geschafft, wovon viele träumen: Er verdient sein Geld damit, Internet-Star zu sein.



Ein altes Bauernhaus, die Fassaden in Holzverkleidung, die Fensterläden grün gestrichen. Weiter hinten in der Strasse steht ein schlanker, in die Höhe ragender Glockenturm, dessen farbloses Antlitz typisch ist für manch eine Zürcher Vorortsgemeinde. Die Haustüre befindet sich etwas versteckt um die Ecke, Zeki Bulgurcu kommt in Socken entgegen und führt die paar Treppenstufen hoch in die Wohnung.

Im Gang vor dem Fenster steht ein zwei Meter hoher Kratzbaum auf dem zuoberst eine Katze tief entspannt die Beine und den Schwanz herunter baumeln lässt. Ihr Fell ist ockergelb und schwarz gefleckt, wie bei einem Leopard. «Das ist eine bengalische Katze. Wir haben zwei davon», sagt Zeki nicht ohne Stolz. Die andere sitzt auf dem Küchentisch und beobachtet, wie Zekis Freundin Mira Menzel über ein Heft gebeugt Mathe-Aufgaben löst. Sie büffelt gerade für die Berufsmatur.

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Zekis bengalische Katze auf dem Kartzbaum im Gegenlicht. bild: watson

Erst vor wenigen Monaten sind Zeki und Mira von Rapperswil hierhin gezogen. Früher hätten Fans ständig an der Haustüre geklingelt und um Selfies gebeten. Was Zeki anfänglich schmeichelte, begann mit der Zeit zu nerven. Seine neue Adresse will er darum geheim halten. Die charmante Wohnung mit den niedrigen Decken und den zwei bengalischen Katzen soll das Rückzugsgebiet des jungen Paars sein.

Ein Star im Internet

Hätte man ihn vor ein paar Jahren gefragt, hätte Zeki selbst kaum glauben können, dass er eines Tages Massnahmen ergreifen muss, um seine Privatsphäre zu schützen. Dass er so viele Termine hat und kaum weiss, wie er sie koordinieren soll. Dass er sich überlegen muss, einen Manager anzustellen, um all seine Projekte durchführen zu können. Zeki, 28 Jahre alt, ist heute ein Internet-Star und verdient Geld damit.

Erfolgreich ist er heute ohne Zweifel: Kaum ein Schweizer findet auf den Sozialen Medien eine derart hohe Beachtung wie Zeki. Auf Instagram folgen ihm auf seinem Kanal «Swissmeme» über 700'000 Personen. Auf Facebook sind es über 300'000 und auf Youtube fast 100'000. Täglich werden es auf allen Plattformen mehr. Damit ist er populärer als das Fitness-Model Anja Zeidler und dem Tennis-Profi Stan Wawrinka dicht auf den Fersen.

«Es war eine Idee, die nachts um vier vor dem Computer entstanden ist.»

Zeki Bulgurcu

Das Geheimnis von Zekis Erfolg ist, dass er mit seinen Bildern den Nerv der Zeit und den Humor der Nation trifft. Bei seinen Memes geht es meist um schräge Situationen im Alltag, um simple Fragen im täglichen Leben, um kleine Details, die zwar alle kennen, denen aber kaum jemand grosse Beachtung schenkt. Das ist es, was die Leute zum Lachen bringt: Indem er auf solche absurde, alltägliche Dinge aufmerksam macht.

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Wird Zeki gefragt, warum er «Swissmeme» gegründet hat, so antwortet er immer dasselbe: «Es war eine Idee, die nachts um vier vor dem Computer entstanden ist.» Zurückdatieren lassen sich die Anfänge auf die Zeit vor rund sechs Jahren. Zeki sitzt nach Feierabend oft stundenlang am Laptop und klickt sich durchs Internet. Er schaut sich witzige Videos an, scrollt durch Memes, teilt Dinge, die ihm gefallen auf Instagram oder Facebook. Kurz gesagt, er macht, was so viele machen, um nach der Arbeit abzuschalten: Er entspannt sich in den Untiefen des Netzes.

Ohne Konzept im Kopf und ohne grossen Anspruch beginnt er, selbst Memes zusammenzustellen. «Ich habe nichts geplant, ich habe einfach irgendetwas gemacht.» Schnell stellt sich heraus: Zeki hat ein Talent. Postet er seine Bilder im Internet, so finden sie weit über seinen Freundeskreis hinaus Beachtung. Zu Tausenden werden sie auf den Sozialen Medien geteilt. Die Leute scheinen das, was Zeki macht, lustig zu finden. Als seine Memes immer beliebter werden, bemerkt Zeki das Potenzial dieser Art von Comedy. Er setzt alles auf eine Karte und kündigt seinen Job. 2013 gründet er den Kanal «Swissmeme».

Der Start ist harzig, das erste Jahr schwer. Zeki musst seine Eltern um finanzielle Unterstützung bitten. Nach einer Weile geht es dann bergauf. Es ist diese kleine Community der Internet-Berühmtheiten, die sich gegenseitig pusht und auch Zeki zu seinem Durchbruch verhilft. Bendrit Bajra ist bereits einer grösseren Öffentlichkeit bekannt, als er beginnt, mit ihm zu arbeiten. In Videos heben sie Unterschiede zwischen Schweizern und Ausländern hervor und parodieren die Klischees beider Gruppen. Bei der Fangemeinde kommt das gut an, weil Zeki wie auch Bendrit Doppelbürger sind und wissen, wovon sie sprechen: Bendrit ist albanisch stämmig, Zeki lebte bis zu seinem dritten Lebensjahr in der Türkei.

«Das war der grösste Abfuck meines Lebens.»

Zeki Bulgurcu

Nach einem ähnlichen Muster funktionieren auch die Videos, die Zeki heute alleine dreht. In seinen Berufsvideos schlüpft er in die Rolle eines Gärtners, eines Flugbegleiters oder eines Detailhändlers. Er stellt Situationen nach, die jeder kennt, der in diesem Beruf arbeitet. Zeki schafft es, diese Stereotypen zu offenbaren und dabei authentisch zu bleiben. Dies, weil er genau weiss, wie die Realität in solchen Berufen aussieht. Erzählt er in seinen Videos die Geschichten solcher Otto-Normalbürger, dann erzählt er immer auch von seiner eigenen Geschichte. Darum ist der Identifikationsgrad mit dem, was Zeki macht, so hoch. Das macht seine Popularität aus.

Seine Follower wissen: Der Zeki ist keiner, der an einer teuren Schule war und gelernt hat, wie man sich richtig vermarktet. Nein, er ist einer, der im tiefen Baselbiet aufwuchs und im Kindergarten gehänselt wurde, weil seine Eltern türkische Migranten sind. Einer, der seine Lehre im Detailhandel beim Coop machte und wusste, wie es war, wenn die Öffnungszeiten immer mehr ausgedehnt und gleichzeitig Stellen abgebaut wurden. Er hat selbst erlebt, wie es ist, wenn man als Kassierer gedemütigt wird, weil die Leute denken, man sei nicht gescheit genug. Er kennt das Gefühl der täglichen Schikane eines autoritären Chefs. Die damalige Zeit beschreibt Zeki mit den Worten: «Das war der grösste Abfuck meines Lebens.»

Zekis Leben als Detailhändler

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Video: YouTube/Zekisworld

Zeki hat es geschafft, diese Erfahrungen humoristisch zu verarbeiten und damit Geld zu verdienen. Das macht er so geschickt, dass inzwischen Firmen ihre Logos in seinen Videos platzieren wollen. Wie viel Geld er damit macht, will er nicht sagen. «Ich verdiene genug», sagt er. Neben seinen eigenen Projekten arbeitet er in einem Vollzeit-Pensum beim Privatsender «3Plus». Dort verwaltet und bespielt er die Social-Media-Kanäle – ein Job, der für beide Seiten attraktiv ist. «3Plus» profitiert von Zekis Community und Zeki selbst kann in den Videos, die er für den Privatsender dreht, das tun, was er am besten kann: unterhalten.

«Früher sagten die Leute, ich sei ein Komiker, heute sagen sie, ich sei ein Influencer. Aber ich sehe mich als Entertainer.» Ihm gefällt, wenn er die Leute zum Lachen bringt. Das war schon zu Hause am Esstisch so. «Ich war der Clown der Runde.» Manchmal müsse er sich fast ein wenig bremsen, weil er dazu tendiere, allem die Ernsthaftigkeit zu nehmen und immer einen Spruch zu reissen. Findet ihn seine Freundin lustig? «Ich weiss nicht, ich glaub schon», sagt Zeki und ruft in Richtung Küche: «Schatz, findest du mich lustig?» «Manchmal», ruft sie zurück und Zeki reisst theatralisch die Augen auf.

Zeki und Freundin Mira in den Ferien

Der grosse Unterhalter will Zeki auch in Zukunft sein. Er hat grosse Träume, will auf der Bühne stehen mit seiner eigenen Stand-up-Comedy-Show, als Schauspieler in einem Kinofilm mitmachen und auf Instagram eine Million Follower haben. Das sind hohe Ziele, die er sich gesteckt hat und die Frage stellt sich, wie Zeki das bewerkstelligen will. Leidet an einem gewissen Punkt nicht auch die Kreativität, wenn der Druck für einen Output immer grösser wird? Bereits jetzt wird immer wieder die Kritik laut, dass Zeki seine Inhalte auf anderen Plattformen zusammenklaut und als seine eigenen ausgibt.

«Ich liebe Sucuk, eine türkische Knoblauchwurst.»

Zeki Bulgurcu

Er gibt unumwunden zu: «Ich muss Prioritäten setzen. Das heisst, dass ich nicht alles selber machen kann und dass nicht jede Idee von mir ist.» Er könne schliesslich nicht 24 Stunden am Tag vor dem Laptop sitzen und witzige Memes zusammenstellen. Wenn er im Netz etwas sehe, das er lustig findet, adaptiere er so, dass es zur Schweiz passt und stelle es auf Instagram. Da müsse er pragmatisch sein, sagt er schulterzuckend.

Eine der beiden bengalischen Katzen springt auf das schwarze Ledersofa und schmiegt den Kopf an Zekis Ellbogen. «Sie dürfen nicht raus, weil sie geklaut würden», sagt Zeki und streichelt ihr über den Kopf. Eine solche Katze kostet 1500 Franken. Dass die Tiere so teuer sind, habe er erst erfahren, nachdem er sich schon unsterblich in sie verliebt hatte. Aber abgesehen davon, dass er sich Luxus-Katzen angeschafft hat, lebe er eigentlich ziemlich normal. Weder schmeisse er sich gerne in das Blitzgewitter an Promi-Anlässen, noch diniere er in Gault-Millau-Restaurants.

Was macht denn ein Zeki, wenn er nicht gerade lustig sein muss? «Ich chill zu Hause mit meiner Freundin. Ich game. Ich treff Freunde.» So normal? Gibt es kein aussergewöhnliches Hobby, kein dunkles Geheimnis? Zeki überlegt einen Moment und sagt dann: «Ich liebe Sucuk, eine türkische Knoblauchwurst.»

Wenn das Internet ein Mensch wäre – in 10 fiesen Situationen

Video: watson/Madeleine Sigrist, Emily Engkent, Knackeboul

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