Schweiz
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Fallen die Besucherinnen und Besucher weg, fehlt es den Menschenaffen an Unterhaltung. bild: zoo zürich/robert zingg

Interview

Zoo Zürich Direktor Alex Rübel: «Die finanzielle Situation macht uns grosse Sorgen»

Seit fast dreissig Jahren ist Alex Rübel der Direktor des Zoo Zürich. Nun steht sein Abschied kurz bevor – und das inmitten von schweren Zeiten. Im Interview sagt Rübel, wie lange der Zoo eine Schliessung finanziell stemmen kann und wie es den Tieren ohne Besucher ergeht.



Herr Rübel, am 30. Juni übergeben Sie Ihr Amt als Zoodirektor offiziell Ihrem Nachfolger Severin Dressen. Die letzten Monate vor Ihrem Ruhestand verlaufen anders, als Sie sich das wohl vorgestellt haben.
Alex Rübel: Seit ich das Amt als Zoodirektor angetreten habe, war der Zoo keinen einzigen Tag geschlossen. Die aktuelle Situation stimmt mich schon traurig …

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Auch die feierliche Eröffnung der «Lewa» Savanne, die am 9. April geplant wäre, fiel ins Wasser.
Ich hoffe, dass wir das irgendwann noch nachholen können. Wenn die Massnahmen gelockert werden und auch der Zoo Zürich wieder Besucher empfangen darf, wird die «Lewa» Savanne dann einfach bereits geöffnet sein.

Der Direktor des Tierparks Neumünster in Deutschland äusserte sich drastisch zur Krise: Man habe eine Liste erstellt, welche Tiere als erstes geschlachtet werden müssten, wenn das Geld knapp wird, so seine Aussage. Wie ist die wirtschaftliche Situation im Zoo Zürich?
Schlachtungen sind bei uns sicherlich kein Thema. Dass es finanziell aber eine sehr schwierige Zeit ist, liegt auf der Hand. Wir mussten so viel wie möglich runterfahren und Investitionen sistieren. Wir versuchen überall zu sparen, wo es nur geht. Für die Angestellten aus unseren Gastro- und Eventbetrieben haben wir Kurzarbeit angemeldet. Einzig die Tierpflegerinnen und Pfleger arbeiten weiter.

Das Osterwochenende wäre die perfekte Gelegenheit für einen Besuch im Zoo gewesen.
Die letzten Tage wären wirklich perfekt gewesen. Die Natur und auch die Tiere erblühen. Doch die Massnahmen des Bundes sind nötig. Die Gesundheit geht selbstverständlich vor.

«Uns fehlen etwa vier Millionen Franken pro Monat.»

Wie hoch sind die aktuell die eingefahrenen Verluste?
Uns fehlen etwa vier Millionen Franken pro Monat. 60 Prozent unserer Ausgaben sind Löhne, ein Teil davon wird mit der Kurzarbeit abgedeckt. Doch viele Kosten laufen zu hundert Prozent weiter. Wir brauchen weiterhin Strom, Wasser oder Futter für die Tiere. Die finanzielle Situation macht uns grosse Sorgen.

Impressionen aus dem leeren Zoo

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Video: YouTube/Zoo Zürich

Wie lange kann der Zoo es sich leisten, geschlossen zu bleiben?
Wir rechnen damit, dass wir gegen Ende Mai bis Mitte Juni wieder öffnen können. Wenn der Lockdown noch länger geht, wissen wir auch nicht, wie es dann noch weitergehen soll. Ich hoffe wirklich schwer, dass wir mindestens den Zoo – nicht aber die Gastrobetriebe – für Besucher Ende Mai wieder öffnen dürfen. Darauf bereiten wir uns auch vor.

«Wenn der Lockdown noch länger geht, wissen wir auch nicht, wie es dann noch weitergehen soll.»

Ein Zoobesuch mit Social Distancing?
Genau. So, dass die Besucher die Hygiene- und Distanzvorschriften einhalten können. Es wird Markierungen und ein Tröpfchensystem beim Einlass in die verschiedenen Häuser, Einbahnstrassen und mehr Aufsichtspersonal geben.

Wie ergeht es den Tieren so ganz ohne Besucher? In einem Zoo in Hongkong genossen zwei Pandabären offenbar die Ruhe für die Fortpflanzung.
Einige Tiere sind sehr neugierig geworden. Normalerweise kümmern sie sich nicht um die vielen Besucher, doch jetzt, wo es plötzlich ganz ruhig um die Gehege geworden ist, reagieren viele stark auf Besucher. Bei den Huftieren haben wir das beispielsweise bemerkt. Den Grosskatzen oder Elefanten macht der leere Zoo aber keinen grossen Eindruck.

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Die Pinguine erfreuen sich über mehr Auslauf. bild: zoo zürich/Marco Schaffner

Verschiedentlich war auch schon zu lesen, dass es besonders den Menschenaffen an Unterhaltung fehlt.
Für die Primaten waren die Besuchenden eine willkommene Abwechslung. Für sie fällt dieser interaktive Teil ihrer Umwelt nun weg. Insbesondere die Gorillas begegnen gelegentlichen Besuchern mit grossem Interesse. Um die Unterhaltung kümmern sich nun unsere Tierpflegerinnen und -pfleger, die ja jetzt mehr Zeit für die Tiere haben, weil die Betreuung der Zoobesucherinnen und Besucher wegfällt.

Es ist nicht auszuschliessen, dass sich das Virus auch auf Tiere überträgt. Werden spezielle Schutzmassnahmen getroffen?
Bei den Menschenaffen, wo die Pflegenden einen sehr engen Kontakt haben, werden Masken getragen, um die Tiere vor einer Ansteckung zu schützen. In anderen Fällen, beispielsweise bei den Raubkatzen, ist das nicht nötig, da die Pflegenden mit den Tieren nie direkt in Kontakt treten.

Wie hat sich Ihre tägliche Arbeit verändert? Hat sich der erste Organisationsstress bereits etwas gelegt?
Am Anfang, als die Massnahmen in Kraft traten, war es sehr viel Arbeit. Nun hoffe ich, dass das Wichtigste bald organisiert ist, damit wir unter den nötigen Sicherheitsmassnahmen den Betrieb bald wieder aufnehmen können. Ganz persönlich bin ich natürlich weniger unter Leuten und viel mehr am Telefon. Alle Vorträge und öffentlichen Aufträge wurden abgesagt.

Wie gestaltet sich die Übergabe mit Severin Dressen, der am 1. Juli offiziell Ihr Amt übernehmen wird?
Die Übergabe gestaltet sich tatsächlich etwas schwieriger als geplant. Wir skypen viel und ich versuche, ihn in alle Themen einzuführen und auf alles, was noch kommt, gut vorzubereiten.

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48
Bubble Diese Diskussion wurde geschlossen.
48Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Sman Stith 16.04.2020 17:29
    Highlight Highlight Ich meine ja nur...
    Benutzer Bild
    • Bambusbjörn aka Planet Escoria 16.04.2020 19:43
      Highlight Highlight Mit dem Unterschied dass wissenschaftlich geführte Zoos auch an Nachzucht- und Auswilderungsprogrammen mitarbeiten.
    • esmereldat 16.04.2020 19:57
      Highlight Highlight Hat mit dem Zürizoo genau was zu tun?
  • homo sapiens melior 16.04.2020 14:53
    Highlight Highlight Wir waren schon ewig nicht mehr im Zoo. Aber gerade als erfahrene Tier- und Umweltschützer wissen wir, wie wichtig Zoos für den Erhalt und die Zukunft sind. Wer etwas anderes behauptet, hat das System noch nicht verstanden.
    Darum werden wir also wenn wieder offen ist, als Exilzürcher aus dem Aargau regelmässig den Zoo besuchen kommen. Ich freu mich schon darauf. Und ich werde viele Leute zum Nachmachen auffordern.
    • ridega 16.04.2020 15:02
      Highlight Highlight Das System der Tierausnutzung für den Tierschutz? Bitte erzähl mir mehr.


      Ist es etwa das gleiche System wie Steak essen hilft den Kühen - weil sonst gäbs ja praktisch keine Kühe mehr?
    • Mia_san_mia 16.04.2020 15:13
      Highlight Highlight @ridega: lass es bitte einfach sein 🤦‍♂️
    • Nkoch 16.04.2020 15:15
      Highlight Highlight Starke Behauptung, ich bitte höflichst um Details.
    Weitere Antworten anzeigen
  • Posersalami 16.04.2020 14:47
    Highlight Highlight Ui, erst Ende Mai rechnen die mit einer Öffnung des Zoos? Verstehe das nicht. Der Zoo kann doch wie ein Supermarkt die Leute abzählen und via Rundgang durch den Zoo führen (keine Kreuzungen, kein Gegenverkehr, usw.). Der Zoo ist riesig, die haben doch genug Platz.
    • Heb dä Latz! 16.04.2020 20:14
      Highlight Highlight Zum Glück haben die Tiere mehrheitlich mehr Platz als die durchwandernden Besucher.
  • samy4me 16.04.2020 14:35
    Highlight Highlight Eventuell könnte er helfen?
    Benutzer Bild
  • Michele80 16.04.2020 14:20
    Highlight Highlight Die Pinguine auf dem Bild sind aus Plastik, ich glaube denen ist der Auslauf egal 😉
    • Nkoch 16.04.2020 16:05
      Highlight Highlight und soviel ich weiss erfreut man sich AN etwas, nicht über... 😉🤫
    • Vesparianer 16.04.2020 17:20
      Highlight Highlight Dacht ich mir, dass die etwas hüftsteif aussahen :-)
    • Mia_san_mia 16.04.2020 17:32
      Highlight Highlight 😂😂😂
    Weitere Antworten anzeigen
  • dechloisu 16.04.2020 14:17
    Highlight Highlight An alle Zoo Nörgler.

    natürlich kann der Zoo den Tieren die Freiheit nicht bieten, welche natürlich wäre.

    Allerdings gibt sich der Zoo Zürich meiner Meinung nach sehr viel Mühe alles zu geben was möglich ist.

    Dazu kommt dass Zoo`s durchaus wichtige Aufgaben übernehmen, dazu kommt dass viele Tiere im Freien vor dem Aussterben bedroht sind, so gibt es sie wenigstens noch in Zoo`s.
    Oder ist es eurer Meinung nach besser wenn sie einfach alle Tot wären?
    • ridega 16.04.2020 14:27
      Highlight Highlight Besser aufrecht sterben, als auf den Knien leben.
    • Heidi Weston 16.04.2020 15:04
      Highlight Highlight @ridega
      90% sterben liegend.

      Selten so ein Sinn freier Kommentar gelesen!
    • Nkoch 16.04.2020 15:09
      Highlight Highlight Grundsätzlich stimme ich dem mal vorsichtig zu, auch wenn ich selber seeeeeehr skeptisch bin was Zoos betrifft, aber:
      Ist es ok, letzte ihrer Art einzusperren, nur damit der Mensch sagen kann dass er nicht komplett alle hat sterben lassen?
    Weitere Antworten anzeigen
  • blueberry muffin 16.04.2020 14:14
    Highlight Highlight "Die Zoos kümmern sich um Tiere aus reiner Nächstenliebe"

    Deutsche Zoos so: "Profit Ausfälle? Schlachtungslisten!"

    Na, hatten die Tierschützer doch recht.
  • keplan 16.04.2020 14:06
    Highlight Highlight Die wichtigste Frage wurde vergessen! Wie gehts denn Otten?
    • Calimoerchen 16.04.2020 16:41
      Highlight Highlight Genau - und den Fleden?
  • Stefan Morgenthaler-Müller 16.04.2020 14:01
    Highlight Highlight Zoo schliessen. Zukünftige Tiere werden glücklich sein.
    • w'ever 16.04.2020 14:09
      Highlight Highlight @stefan
      ich muss zugeben, dass ich nicht weiss ob ich eine schliessung befürworten soll oder nicht.
    • Saraina 16.04.2020 14:14
      Highlight Highlight Zukünftige Tiere werden gar nicht sein. Es werden schon lange keine Wildtiere mehr für Zoos eingefangen, dafür haben Zoos Zuchtprogramme, um die genetische Vielfalt zu erhöhen.
    • Boogie 16.04.2020 14:21
      Highlight Highlight Nur wird es dann wohl bald keine zukünftigen Tiere geben. Die meisten Schutzreservate auf der Welt werden von Zoos subventioniert.
    Weitere Antworten anzeigen
  • ridega 16.04.2020 13:58
    Highlight Highlight Hoffentlich wird das Tier Gefängnis endlich mal geschlossen...
    • Heb dä Latz! 16.04.2020 14:07
      Highlight Highlight Die Tiere haben es besser als die in Grossraumbüzur Arbeit angehaltenen Menschen.
    • Mietzekatze 16.04.2020 14:44
      Highlight Highlight entsprechend Nutztierhaltungen auch schliessen?
    • ridega 16.04.2020 14:54
      Highlight Highlight @Mietzekatze: Logisch - und private Tierhaltung natürlich auch vertbieten.
    Weitere Antworten anzeigen

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