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Luftfahrt

Fluglotse nach Beinahe-Crash vor Gericht – «Der Angeklagte ist erschütternd uneinsichtig»

Fluglotse nach Beinahe-Crash vor Gericht – «Der Angeklagte ist erschütternd uneinsichtig»

05.09.2018, 13:2105.09.2018, 13:56

Die Staatsanwältin ist am Mittwoch vor Bezirksgericht Bülach mit dem beschuldigten Fluglotsen hart ins Gericht gegangen. Er verharmlose den Vorfall und sei komplett uneinsichtig. Es sei unglaublich grosses Glück, dass in beiden Maschinen erfahrene Piloten gesessen seien.

Bei der gefährlichen Annäherung zweier Maschinen habe erhebliche Gefahr für Besatzungen und Passagiere bestanden, immerhin rund 20 Personen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Nur dank des beherzten Eingreifens der beiden Piloten sei nichts passiert.

«Erschütternd uneinsichtig»

«Auch Lotsen machen Fehler», sagte sie. Wenn diese aber nicht als solche erkannt und akzeptiert würden, gebe es auch keine Erkenntnisse daraus. «Der Beschuldigte ist erschütternd uneinsichtig.» Dabei habe er allein diese Situation verursacht.

Dazu kommt, dass der Lotse die Beinahe-Kollision nicht rapportierte, weil er sie als alltägliche Situation einstufte. «Er wäre verpflichtet gewesen, eine Meldung zu machen. Was hätte denn noch passieren müssen, dass er eine Meldung erstattet?» Für sie als gelegentliche Flugpassagierin sei das doch sehr beunruhigend.

Keine Sonderbehandlung für Fluglotsen

Problematisch sei auch die Haltung von Skyguide, so die Anklägerin weiter. Die Flugsicherung hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass ihre Mitarbeitenden juristisch belangt werden, selbst wenn niemand zu Schaden kommt.

Dies schade der Fehlerkultur und führe dazu, dass Fehler und Beobachtungen nicht mehr gemeldet würden. So verliere man unter Umständen die Chance, Arbeitsabläufe sicherer zu machen.

Für die Staatsanwältin ist aber klar: «Es gibt keinen Raum für eine Sonderbehandlung für Skyguide-Mitarbeiter.» Schliesslich würden SBB-Mitarbeiter auch belangt, wenn sie eine Weiche falsch stellen würden und ein Zug entgleise. Fluglotsen müssten gleich behandelt werden wie alle anderen Berufsgruppen auch.

Annäherung auf 205 Meter

Der Vorfall passierte am 22. August 2012. Ein Sportflugzeug des Typs «Sportcruiser» stiess fast mit einer Saab 2000 der Darwin Airline SA zusammen. Im kritischen Moment konnten die Saab-Piloten durchs Cockpitfenster sehen, wie die Kleinmaschine in einem 90-Grad-Winkel genau auf sie zusteuerte.

Die beiden Flugzeuge waren nur noch 205 Meter horizontal und 23 Meter vertikal voneinander entfernt. Sofort stiegen die Saab-Piloten steiler als üblich an, um die Kollision zu verhindern. Der Pilot des «Sportcruisers» wiederum setzte auf Anweisung des Lotsen zu einer sehr engen und damit gefährlichen Rechtskurve an, um auszuweichen.

Pilot hatte danach schlaflose Nächte

Der Pilot der Darwin-Maschine gab in der Einvernahme an, dass er danach schlaflose Nächte gehabt habe. Das sei der kritischste Moment seiner gesamten Karriere gewesen.

Der 48-jährige Lotse betonte hingegen vor Gericht, dass die Situation jederzeit unter Kontrolle gewesen sei. Er habe die Lage richtig erfasst und reagiert. Weil die Situation nichts Besonders gewesen sei, habe er sie auch nicht gemeldet. (whr/sda)

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