Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Fluglotse nach Beinahe-Crash vor Gericht – «Der Angeklagte ist erschütternd uneinsichtig»



Die Staatsanwältin ist am Mittwoch vor Bezirksgericht Bülach mit dem beschuldigten Fluglotsen hart ins Gericht gegangen. Er verharmlose den Vorfall und sei komplett uneinsichtig. Es sei unglaublich grosses Glück, dass in beiden Maschinen erfahrene Piloten gesessen seien.

Bei der gefährlichen Annäherung zweier Maschinen habe erhebliche Gefahr für Besatzungen und Passagiere bestanden, immerhin rund 20 Personen, sagte die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer. Nur dank des beherzten Eingreifens der beiden Piloten sei nichts passiert.

«Erschütternd uneinsichtig»

«Auch Lotsen machen Fehler», sagte sie. Wenn diese aber nicht als solche erkannt und akzeptiert würden, gebe es auch keine Erkenntnisse daraus. «Der Beschuldigte ist erschütternd uneinsichtig.» Dabei habe er allein diese Situation verursacht.

Dazu kommt, dass der Lotse die Beinahe-Kollision nicht rapportierte, weil er sie als alltägliche Situation einstufte. «Er wäre verpflichtet gewesen, eine Meldung zu machen. Was hätte denn noch passieren müssen, dass er eine Meldung erstattet?» Für sie als gelegentliche Flugpassagierin sei das doch sehr beunruhigend.

Keine Sonderbehandlung für Fluglotsen

Problematisch sei auch die Haltung von Skyguide, so die Anklägerin weiter. Die Flugsicherung hatte in der Vergangenheit wiederholt kritisiert, dass ihre Mitarbeitenden juristisch belangt werden, selbst wenn niemand zu Schaden kommt.

Dies schade der Fehlerkultur und führe dazu, dass Fehler und Beobachtungen nicht mehr gemeldet würden. So verliere man unter Umständen die Chance, Arbeitsabläufe sicherer zu machen.

Für die Staatsanwältin ist aber klar: «Es gibt keinen Raum für eine Sonderbehandlung für Skyguide-Mitarbeiter.» Schliesslich würden SBB-Mitarbeiter auch belangt, wenn sie eine Weiche falsch stellen würden und ein Zug entgleise. Fluglotsen müssten gleich behandelt werden wie alle anderen Berufsgruppen auch.

Annäherung auf 205 Meter

Der Vorfall passierte am 22. August 2012. Ein Sportflugzeug des Typs «Sportcruiser» stiess fast mit einer Saab 2000 der Darwin Airline SA zusammen. Im kritischen Moment konnten die Saab-Piloten durchs Cockpitfenster sehen, wie die Kleinmaschine in einem 90-Grad-Winkel genau auf sie zusteuerte.

Die beiden Flugzeuge waren nur noch 205 Meter horizontal und 23 Meter vertikal voneinander entfernt. Sofort stiegen die Saab-Piloten steiler als üblich an, um die Kollision zu verhindern. Der Pilot des «Sportcruisers» wiederum setzte auf Anweisung des Lotsen zu einer sehr engen und damit gefährlichen Rechtskurve an, um auszuweichen.

Pilot hatte danach schlaflose Nächte

Der Pilot der Darwin-Maschine gab in der Einvernahme an, dass er danach schlaflose Nächte gehabt habe. Das sei der kritischste Moment seiner gesamten Karriere gewesen.

Der 48-jährige Lotse betonte hingegen vor Gericht, dass die Situation jederzeit unter Kontrolle gewesen sei. Er habe die Lage richtig erfasst und reagiert. Weil die Situation nichts Besonders gewesen sei, habe er sie auch nicht gemeldet. (whr/sda)

Bilder der Wehmut: Die Swissair ist Geschichte

Swiss-Piloten werden von Feuerball überrascht

Video: srf/SDA SRF

Das könnte dich auch interessieren:

Wie ich nach 3 Stunden Möbelhaus von Wolke 7 plumpste

Link zum Artikel

Die Fallzahlen steigen wieder leicht an – so sieht's in deinem Kanton aus

Link zum Artikel

Der Mann, der es wagt, Trump zu widersprechen

Link zum Artikel

Magic Johnson vs. Larry Bird – ein College-Final als Beginn einer grossen Sportrivalität

Link zum Artikel

4 Gründe, weshalb die Corona-Zahlen des BAG wenig mit der Realität zu tun haben

Link zum Artikel

Wie ansteckend sind Kinder wirklich? Was die Wissenschaft bis jetzt dazu weiss

Link zum Artikel

Das iPad kriegt Radar? Darum ist der Lidar-Sensor eine kleine Revolution

Link zum Artikel

Lasst meinen Sex in Ruhe, ihr Ehe- und Kartoffel-Fanatiker!

Link zum Artikel

So lief Tag 1 nach Bekanntgabe der «ausserordentliche Lage» für die Schweiz

Link zum Artikel

Corona International: EU beschliesst Einreisestopp ++ Italien mit 345 neuen Todesopfern

Link zum Artikel

Die Schweiz befindet sich im Notstand – die 18 wichtigsten Antworten zur neuen Lage

Link zum Artikel

Das berühmte Dorf «Fucking» ändert seinen Namen

Link zum Artikel

Ein Virus beendet Jonas Hillers Karriere: «Es gäbe noch viel schlimmere Szenarien»

Link zum Artikel
Alle Artikel anzeigen
DANKE FÜR DIE ♥

Da du bis hierhin gescrollt hast, gehen wir davon aus, dass dir unser journalistisches Angebot gefällt. Wie du vielleicht weisst, haben wir uns kürzlich entschieden, bei watson keine Login-Pflicht einzuführen. Auch Bezahlschranken wird es bei uns keine geben. Wir möchten möglichst keine Hürden für den Zugang zu watson schaffen, weil wir glauben, es sollten sich in einer Demokratie alle jederzeit und einfach mit Informationen versorgen können. Falls du uns dennoch mit einem kleinen Betrag unterstützen willst, dann tu das doch hier.

Würdest du gerne watson und Journalismus unterstützen?

(Du wirst zu stripe.com (umgeleitet um die Zahlung abzuschliessen)

Oder unterstütze uns mit deinem Wunschbetrag per Banküberweisung.

Nicht mehr anzeigen

Das könnte dich auch noch interessieren:

Abonniere unseren Newsletter

Eine Frau zu sein ist gefährlicher als...

7949 Frauen erlebten in der Schweiz im vergangenen Jahr häusliche Gewalt. Zum internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen nehmen wir diese Zahl unter die Lupe.

Wir schreiben das Jahr 2019 und noch immer werden jährlich tausende Frauen in der Schweiz Opfer von häuslicher Gewalt. Du denkst, wir übertreiben? Dann schau dir mal die Zahlen der polizeilichen Kriminalstatistik an.

2019 wurden in der Schweiz in 365 Tagen ...

... Opfer durch häusliche Gewalt. Das sind ...

Oder ...

Beinahe jede Stunde wird also eine Frau Opfer von häuslicher Gewalt. Im Jahr 2019 wurden dabei insgesamt 19 Frauen getötet. Oder anders ausgedrückt:

Zusätzlich kam es in der Schweiz im …

Artikel lesen
Link zum Artikel